Ski-Weltcupfinal
Geburtstagskind Pinturault entscheidet den Kampf um die zwei Weltcup-Kugeln gegen Marco Odermatt für sich

Der Schweizer kam im Gegensatz zu seinem französischen Konkurrenten mit den schwierigen Pistenverhältnissen beim Riesenslalom nicht zurecht und war als Elfter so schlecht wie nie in einem Riesenslalom in diesem Winter. Damit verliert er den Kampf um die Disziplinenwertung und den Gesamtweltcup.

Rainer Sommerhalder
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Alexis Pinturault gewinnt den Riesenslalom in Lenzerheide und damit an seinem 30. Geburtstag erstmals den Gesamtweltcup.

Alexis Pinturault gewinnt den Riesenslalom in Lenzerheide und damit an seinem 30. Geburtstag erstmals den Gesamtweltcup.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Was für eine Leistung von Alexis Pinturault. Nichts zu sehen von mentaler Schwäche. Der Franzose machte sich selbst das grösste Geschenk zu seinem 30. Geburtstag und entschied den Kampf um den Gesamtweltcup und die Wertung im Riesenslalom mit einem Sieg beim Saisonfinal in Lenzerheide.

Marco Odermatt verlor das finale Duell um die zwei offenen Weltcupwertungen bereits im ersten Durchgang. Zwischenrang 10 und ein Rückstand von 1,66 Sekunden auf Alexis Pinturault waren eine zu grosse Hypothek für den zweiten Lauf.

Dort versuchte der 23-Jährige anzugreifen, bezeichnete aber den vom norwegischen Trainer gesetzten, sehr stark drehenden Kurs als «unfahrbar». Teamkollege Justin Murisier war noch deutlicher: «Wenn ich so etwas gesucht hätte, wäre ich zum Langlauf gegangen».

Der Innerschweizer spürte ähnlich wie beim Riesenslalom an der WM in Cortina, wo er im ersten Durchgang ausschied, den Druck auf seinen Schultern. Er kam nie richtig ins Fahren, sein Lauf glich vom ersten Tor her einem Krampf.

Zudem übte Odermatt scharfe Kritik an der Piste:

«Die Verhältnisse waren wirklich sehr, sehr schlecht. Es gab unterwegs etwa sieben verschiedene Unterlagen. Die Piste ist schlicht nicht gut genug für ein Weltcuprennen.»

Auch an der WM klagten die Fahrer über ständig wechselnde Schneeverhältnisse.

In den acht bisherigen Riesenslaloms des Weltcupwinters war Marco Odermatt nie schlechter als Fünfter. Deshalb darf seine Darbietung beim Finale durchaus als enttäuschend bezeichnet werden. Die Beziehung zwischen dem 23-Jährigen und dem Weltcuport stand von Beginn weg unter keinem guten Stern. Bereits als Odermatt vor zwei Wochen den Heimvorteil für ein Spezialtraining ausnutzen wollte, war die Piste nicht in einem guten Zustand.

Und in dieser Woche fielen mit der Abfahrt und dem Super-G die beiden Disziplinen aus, in denen der Innerschweizer nochmals zum Angriff auf Pinturault blasen wollte. Deshalb sagte Odermatt: «Es ist schwierig, etwas Positives von dieser Woche hier in Lenzerheide mitzunehmen. Das Positivste ist wohl, das heute mit Alexis der beste Fahrer gewonnen hat. Er hat die beiden Kugeln verdient.»

Dieser musste nun also keine Attacke seines jungen Herausforderers abwehren

Ganz im Gegenteil: Nichts war zu sehen von der nachgesagten Nervenschwäche von Alexis Pinturault. Er profitierte auf einer schnell einbrechenden Piste von der idealen Startnummer 1 im ersten Lauf und nahm allen Gegnern vorentscheidend viel Zeit ab. Im zweiten Durchgang konnte er seinen Vorsprung locker verwalten.

Im Schweizer Team war nicht nur Odermatts Leistung enttäuschend. Gino Caviezel belegte als Bester Rang 7, Justin Murisier landete auf Platz 16 und Loic Meillard schied bereits im ersten Lauf aus. Immerhin brillierte Murisier mit dem Spruch des Tages:

«In der Schule lernt man, die Wahrheit zu sagen. In der Politik lernt man dann leider zu lügen. Ich bin heute Politiker und sage, die Piste war hervorragend.»

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