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Kolumne

Ski-WM-Analyse: Medaillenspiegel ist nur die halbe Wahrheit

«Ohne Gold im Team Event würde man den Medaillenspiegel nicht anführen», Claudio Zanini analysiert die Schweizer Performance an der alpinen Ski-WM in Åre.
Claudio Zanini
Claudio Zanini

Claudio Zanini

Am Ende fehlte den Schweizern das Wettkampfglück in den Technikwettbewerben. Loïc Meillard wurde undankbarer Vierter im Riesenslalom, Wendy Holdener kam Slalomgold nahe und ging doch leer aus, Ramon Zenhäusern landete im letzten Rennen als Fünfter um zwei Zehntelsekunden neben dem Podest. Sie konnten die Bilanz nicht mehr veredeln. Darum blieb es bei einer guten WM – und wurde nicht zur sehr guten WM.

Besonders schmeichelhaft sieht der Medaillenspiegel aus. Mit vier Medaillen, davon zwei goldene, belegt die Schweiz den ersten Platz, gemeinsam mit Norwegen. Das ist dem Selbstvertrauen dienlich, aber widerspiegelt nicht die ganze Wahrheit. Zuoberst stehen sie wegen zwei Goldmedaillen in der Kombination und im Teamevent. Wie wenig das Ranking über die Leistungsstärke einer Mannschaft aussagt, zeigt das Beispiel von Österreich. Mit dem Slalomdreifachsieg erhöhten die Österreicher auf acht Medaillen, doch sie stehen am Ende nur auf Rang 4.

2009 in Val d’Isère führte die Schweiz letztmals den Medaillenspiegel an. Damals brauchte es sechs Medaillen, zwei davon in Gold. Hingegen reichten 2017 bei der Heim-WM drei goldene nicht, um die Wertung zu gewinnen. In St. Moritz hamsterte Österreich am meisten, neunmal insgesamt, dreimal Gold.

Nicht auf Touren kamen in Åre die Schweizer Männer. Sie reisten ohne Medaille in einem Einzelwettbewerb ab. Beat Feuz, der vor einem Jahr bei den Winterspielen noch zweimal Edelmetall gewann, ging in Abfahrt und Super-G leer aus, eine leise Enttäuschung. Loïc Meillard, Daniel Yule und Ramon Zenhäusern, die alle schon auf dem Podest im Weltcup standen, konnten nicht reüssieren. Und andere Trümpfe hat dieses Schweizer Team zurzeit nicht. Von einem 21-jährigen Talent wie Marco Odermatt bei seiner ersten WM-Teilnahme einen Podestplatz zu erwarten, wäre überhöht.

Der Nuller der Schweizer Männer ist keine Sensation. Vor sechs Jahren war das bereits der Fall. Die Frage ist, wie man mit solchen Niederlagen umgeht. Ein enttäuschter Carlo Janka kritisierte öffentlich die Stimmung im Abfahrtsteam, die Motivatoren würden fehlen. Jankas Kritik löste einen Sturm aus, der Boulevard forderte Köpfe von Swiss-Ski. Ob es tatsächlich handfeste Probleme im Abfahrtsteam gibt, ist zweifelhaft. Denn Janka nutzte den runden Tisch mit den Verbandsoberen anlässlich des Weltcups in Wengen nicht, um Kritikpunkte anzubringen. Es wird nun erneut eine Aussprache brauchen. Die Äusserungen von Janka werden beim Skiverband ernst genommen.

Verdeutlicht wurde in Åre, dass Swiss-Ski von wenigen Athleten abhängig ist. Es ist die vielzitierte Breite, die fehlt. Ohne Wendy Holdener und Corinne Suter hätte es wohl gar nichts zu feiern gegeben. Suter holte zwei Medaillen, Holdener gewann Kombi-Gold und trug massgeblich dazu bei, dass die Schweizer im Team­event den Titel gewannen. Wie dünn die Decke ist, zeigten besonders die Frauenrennen. Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Michelle Gisin hatte man keine Verwendung für die vier zur Verfügung stehenden Startplätze im Riesenslalom und Slalom. Die Schweiz trat nur mit je drei Athletinnen an. Es wäre die Chance gewesen, junge Fahrerinnen an die Drucksituation bei Grossanlässen heranzuführen. Man liess sie ungenutzt, das ist bedauerlich.

Drei Grossanlässe in drei Saisons liegen hinter uns: 2017 St. Moritz, 2018 Pyeongchang, 2019 Åre. Für Swiss-Ski waren es drei erfolgreiche Titelkämpfe. Sieben Medaillen bei der Heim-WM, sieben Medaillen bei Olympia, vier Medaillen in Schweden. In der nächsten Saison folgt eine Pause, bevor in Cortina d’Ampezzo 2021 die WM ausgetragen wird. Dann werden voraussichtlich neue Wettbewerbe im Programm stehen. Bei Frauen und Männern soll neu je ein Parallelslalom ausgetragen werden. Aus Schweizer Perspektive sind das zusätzliche Medaillenchancen, denn die Parallel­wettbewerbe kristallisieren sich als helvetische Kompetenz heraus. Denn ohne Gold im Teamevent würde man den Medaillenspiegel nicht anführen.

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