Ski-WM-Kolumne
Einblick in den Alltag der Ski-WM-Journalisten: Fliegen am Froschteich

Drei Journalisten wohnen während der Ski-WM gemeinsam in einer Wohnung in Cortina d'Ampezzo. In dieser Kolumne gibt es Einblicke in das Leben der Wohngemeinschaft. Heute: Das Medien-Biotop.

Martin Probst
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Corinnen Suter erledigt Medienarbeit.

Corinnen Suter erledigt Medienarbeit.

Sven Thomann/Freshfocus / Blick

Man soll nicht jammern. Also tun wir es. Wir schreibenden Journalisten sind an der Ski-WM das, was die Fliegen am Froschteich sind. Nicht zu verwechseln mit der Fliege im Schlafzimmer. Die nervt nur. Das können wir zwar auch, sagen die Athletinnen und Athleten – und haben wohl recht.

Aber darum geht es jetzt nicht. Dafür um Biologie, genauer: um Nahrungsketten im Medienbiotop der WM. Und da stehen wir ganz am Ende.

Wenn die Siegerinnen und Sieger schon mit allen anderen gesprochen haben. Mit allen TV-Stationen, Radios, Internet-TVs, Blogs und was es sonst noch für Medienformen gibt, die bereit sind, für bessere Plätze zu bezahlen, kommen wir noch dran.

Ist die WM ein grosses Spielparadies, dann sind wir die Kinder, die nicht abgeholt werden. Oder erst, wenn alle andere gegangen sind und der Betreiber merkt, dass da noch ein paar Ver­gessene im Kugelbad warten.

Aber hören wir nun wirklich auf zu jammern. Die zwei Stunden, die es in der Regel dauert, bis die Athletinnen und Athleten bei uns sind, ver­bringen wir draussen. In den wunderbaren Dolomiten. Es gäbe Schlimmeres, als hier zu stehen.

Zum Beispiel eine Fliege am Froschteich zu sein. Die wird gefressen. Wir stehen nur am Ende der Kette. Oft mit Hunger zwar, wenn die Rennen über Mittag statt­finden. Dafür mit dem guten Gefühl, Darwin für unseren Platz nicht bestochen zu haben.

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