Ski-WM
Spielerisch leicht zur Medaille? Marco Odermatt bewegt sich jenseits der Norm

Wie macht er das nur? Marco Odermatt ist erst 23 Jahre alt und offenbar zu allem fähig. Doch statt aufgrund der riesigen Erwartungen zu erstarren, macht er sich lieber auf, die Prophezeiungen zu erfüllen.

Martin Probst
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Marco Odermatt hat Grund zu strahlen: Bei ihm läuft es nach Wunsch.

Marco Odermatt hat Grund zu strahlen: Bei ihm läuft es nach Wunsch.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Und man fragt sich: Kann dieser junge Mann wirklich so locker mit all dem Rummel und all den Erwartungen umgehen? Und die Antwort lautet: Ja.

Dabei gäbe es viele Gründe für Marco Odermatt, nervös zu sein. Schliesslich wird von ihm, der erst 23 Jahre alt ist, bereits so vieles erwartet. Er sei einer, um den Swiss-Ski von allen anderen Nationen beneidet würde, heisst es. Er sei einer, der eher früher als später den Gesamtweltcup gewinnen könne. Einer, der alles mitbringt, um über viele Jahre zu dominieren.

Odermatt wird mit Komplimenten überhäuft. Und natürlich hört der Nidwaldner die Prophezeiungen. Doch statt zu zittern, macht er sich lieber daran, sie zu erfüllen. Zum Beispiel am Donnerstag im WM-Super-G. Er sagt:

«Es wäre falsch, wenn ich sagen würde, dass eine Medaille kein Ziel ist. Wo und wie, ist mir egal.»

Odermatt hat auch im Parallelrennen und im Riesenslalom gute Chancen. Und ein wenig liebäugelt er auch mit der Abfahrt. «Ich fahre mal das Training und schaue, ob mir die Piste hier liegt. Glaube ich, dass eine Medaille möglich ist, will ich starten. Aber nicht, um 15. zu werden.»

Einer, der sich schneller zurechtfindet als andere

Wofür andere teils eine Karriere lang kämpfen, gelingt Odermatt anscheinend spielerisch leicht: der Vorstoss unter die Besten der Welt. Dabei darf man nicht vergessen: Der 23-Jährige fährt erst seit zwei Saisons Speedrennen im Weltcup. Dabei, so heisst es, sei gerade in der Abfahrt, aber auch ein wenig im Super-G, die Erfahrung so wichtig und die Podestfahrer dementsprechend schon älter.

Marco Odermatt in Cortina d'Ampezzo (9. Februar 2021)

Marco Odermatt in Cortina d'Ampezzo (9. Februar 2021)

Christian Bruna / EPA

Doch Supertalente bewegen sich oft jenseits der Normen. Im Super-G stand Odermatt zuletzt zweimal in Folge auf dem Podest, und in der Abfahrt ist er in Kitzbühel und Garmisch in die Top 10 vorgestossen.

Wie ist das möglich? Natürlich: Odermatts skifahrerisches Können ist unbestritten, ebenso sein Fleiss. Und doch muss da noch mehr sein. Er selbst sagt, er könne sich gut an neue Dinge gewöhnen. «Ich würde schon sagen, dass ich schneller bin als andere, wenn es zum Beispiel darum geht, Pisten kennen zu lernen. Sonst würde ich nicht schon in der zweiten Super-G-Saison als Medaillenkandidat gehandelt werden.»

Odermatt sagt es ruhig und mit einer Selbstverständlichkeit, als wäre ein solch steiler Aufstieg das Normalste auf der Welt. Er sagt es aber auch als jemand, der als Sportler bisher wenige Widerstände erlebte. Er war zwar schon verletzt, dreimal nahm ein Meniskus Schaden. Doch die Rückkehr gelang Odermatt jeweils schnell und erfolgreich.

Das hat zwar auch damit zu tun, dass er viel in seine körperliche Fitness investiert und bereits mit 23 Jahren als Modellathlet gilt, eine Selbstverständlichkeit ist es aber nicht.

Er sucht die Nähe und teilt sein Leben mit den Fans

Zurück an die WM. Odermatt nimmt vor dem Notebook Platz. Ein Gespräch mit ihm ist nur per Videokonferenz möglich. Damit schützen sich die Athleten. Er selbst war Ende November am Virus erkrankt, spürt aber keine Folgen. Die Rückkehr in den Weltcup verlief reibungslos und sehr erfolgreich: mit einem Sieg und einem dritten Platz Anfang Dezember in Santa Caterina. Fast so, als kann ihn gar nichts stoppen.

Trotzdem will er nichts riskieren, spricht lieber virtuell über die WM, das Highlight des Winters, oder Marco Odermatt? «Es fühlt sich nicht an wie eine WM. Normalerweise würde jetzt eine Dynamik entstehen. Es gäbe öffentliche Medaillenfeiern, und man spürte die Atmosphäre im House of Switzerland.» Das ist aufgrund der Coronapandemie nicht möglich.

Odermatt ist einer, der die Nähe mag. Er zieht sich im Startbereich nicht zurück, spricht und scherzt viel lieber mit seinen Kollegen. Das tue ihm gut, um die Lockerheit zu wahren, erzählte er einst. Er teilt aber auch gerne Dinge mit der Öffentlichkeit. Auf Instagram ist er täglich aktiv. Er zeigt, wie er als Sportler lebt. Und man fragt sich erneut: Ist er wirklich so locker? Eine nächste Antwort folgt vielleicht am Donnerstag im Super-G.