Skispirngen
Simon Ammann geht erholt in den Showdown – packt er es?

Multi-Olympiasieger Simon Amman könnte heute erstmals die Vierschanzentournee gewinnen. Die Chancen, dass der Toggenburger heute Nachmittag die Trophäe, die ihm noch fehlt, holt, waren noch nie so gut. Packt er es?

Simon Steiner, Bischofshofen
Drucken

Den grössten Stress des Tages hatte Simon Ammann gestern, als er im Teamhotel das Frühstücksbuffet verpasste. Die Erholung war für den Gesamtzweiten der Vierschanzentournee vor dem abschliessenden Springen heute in Bischofshofen (16 Uhr, SRF2) das zentrale Thema. Der Schanze blieb er fern und verzichtete auf jegliche Trainingssprünge. «Ich weiss, dass mir ein echter Ruhetag mehr bringt», sagt er.

Ammann zieht damit die Lehren aus der Vergangenheit, als er während der Tournee wiederholt Probleme mit der Regeneration der Beine bekundete. Gleichzeitig geht er auch ein Risiko ein, indem er heute mit nur einem Probesprung in den Wettkampf geht. Sorgen macht er sich deswegen allerdings nicht: «Ich kenne die Schanze in Bischofshofen bestens und kann meinen Sprung im Kopf entwickeln.»

Simon Ammann segelte im zweiten Sprung auf 139 m
6 Bilder
Simon Ammann fliegt
Kurz nach der Landung
Simon Ammann wird 3. am Neujahrsspringen
Auf dem Podest: Österreicher Thomas Morgenstern (2. Platz), Sieger Thomas Diethart (Österreich) und Simon Ammann

Simon Ammann segelte im zweiten Sprung auf 139 m

Keystone

Die Ausgangslage vor der letzten Tourneestation war für den vierfachen Olympiasieger noch nie besser. Ammann steigt mit einem Rückstand von 9,4 Punkten oder umgerechnet gut fünf Metern auf den österreichischen Shootingstar Thomas Diethart in den heutigen Showdown. Weitere sechs Zähler zurück lauert mit Thomas Morgenstern ein weiterer Österreicher.

Offene Ausgangslage

«Wir drei werden den Sieg wohl unter uns ausmachen», sagt Ammann. «Diethart kenne ich noch zu wenig und Morgenstern wird nach seinem Windpech in Innsbruck sicher mit der Wut im Bauch antreten», sagte Ammann. Auf weitere Spekulationen will sich der 32-jährige Toggenburger nicht einlassen. «Es ist ein gutes Gefühl, in dieser Position zu sein», sagt er. «Ich bin sehr gelassen und freue mich einfach darüber, wie gut im Moment bei mir alles zusammenpasst.»

Ammann beeindruckte vor allem durch seine Konstanz. Bei den drei ersten Springen der Tournee schaffte er es jedes Mal aufs Podest. Das ist ihm in seiner Karriere noch nie gelungen. Mit dem Tourneesieg könnte Ammann nicht nur die letzte grosse Lücke in seinem beeindruckenden Palmarès schliessen, er wäre auch der erste Schweizer Sieger in der über 60-jährigen Geschichte der Traditionsveranstaltung.

In Bischofshofen fühlt sich Ammann wohl. «Die Schanze liegt mir besser als zum Beispiel jene in Innsbruck», sagt er. Dies schlägt sich auch in der Statistik nieder. Der Schweizer Teamleader hat im Salzburger Land zwar noch nie gewonnen. In seiner erfolgreichsten Karrierephase zwischen 2007 und 2011 landete er in Bischofshofen in sechs Springen mit einer Ausnahme immer auf einem der ersten vier Plätze.

Einfach wird die Aufgabe für Ammann trotzdem nicht. Auch Morgenstern zählt die Anlage in Bischofshofen zu seinen Lieblingsschanzen. Der Tourneesieger von 2011 hat an dieser Stätte bereits zweimal gewonnen. Die beiden Widersacher des Schweizers, der die Tournee in den Jahren 2009 und 2011 jeweils als Gesamtzweiter beendet hatte, befinden sich zudem ebenso in exzellenter Form.

Im Unterschied zu Ammann bestritten Diethart und Morgenstern sowohl Training als auch Qualifikation – und zeigten einmal mehr keine Schwächen. «Meine Angriffslust ist gross», sagt Morgenstern, der in den Trainingssprüngen den klar stärksten Eindruck hinterliess und heute im K.-o.-Duell im ersten Durchgang auf den Luzerner Gregor Deschwanden trifft. Ammann bekommt es nach seinem Verzicht auf den Qualifikationsdurchgang wie bereits in Innsbruck mit dem Quali-Zweiten Diethart zu tun. Der Verlierer dieser Paarung dürfte sich als einer der fünf Lucky Loser für den Finaldurchgang qualifizieren.

Aktuelle Nachrichten