24 Stunden vor Gold

Witze im Spielsalon – Skicrosser Mike Schid spricht über die Stunden vor seinem Triumph

Wie erlebten unsere Olympia-Stars der Vergangenheit den letzten Tag vor ihrem Triumph? Sie erzählen es uns in loser Folge. Heute mit: Mike Schmid. Schmid wurde 2010 Olympiasieger im Skicross. Die Disziplin war erstmals im olympischen Programm.

Martin Probst
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Mike Schmid gewann als erster Schweizer eine Olympische Goldmedaille im Skicross

Mike Schmid gewann als erster Schweizer eine Olympische Goldmedaille im Skicross

Keystone

«Schon als Bub träumte ich davon, Olympiasieger zu werden. Als ich dann aber aufhörte, Skirennen bei den Alpinen zu fahren und zum Skicross wechselte, schien dieses Ziel unerreichbar für mich.

Als das Internationale Olympische Komitee aber Ende 2006 entschied, dass Skicross ab 2010 ins Programm der Winterspiele aufgenommen wird, hatte ich unverhofft eine nächste Chance. Ich war schon damals erfolgreich und begann, mein Hobby noch mehr zu meinem Beruf zu machen.

Tatsächlich war ich dann in Vancouver 2010 dabei. Wir Schweizer Skicrosser teilten uns zu viert ein Zimmer im Athletendorf. Am Abend vor dem Rennen sind wir in einen kleinen Spielsalon gelaufen und haben uns die Zeit mit Videospielen, Flippern und anderen Aktivitäten vertrieben. Für uns war so ein olympisches Dorf, ja die Spiele überhaupt etwas Neues, das uns alle ziemlich beeindruckte.

Die Stimmung im Schweizer Team war gelöst. Wir sassen später an diesem Abend vor dem Rennen noch lange in unserem Appartement zusammen, erzählten Witze, machten dumme Sprüche und lachten viel. Man spürte eigentlich nicht, dass etwas Wichtiges bevorstand. Obwohl uns schon klar war, dass wir als erste Skicrosser das alles erleben dürfen.

Am nächsten Morgen fand ziemlich früh ein letztes Training statt und ich fuhr miserabel. Die Sprünge gingen viel weiter, als wir angenommen hatten, und überhaupt passte gar nichts zusammen. Im Ziel half nur noch Galgenhumor. Bei mir und den Trainern. Die Hauptprobe ging wirklich in die Hose.

Doch das Klischee, dass dies gut ist, bestätigte sich: Denn danach ging plötzlich alles wie von selbst. Viertelfinal, Halbfinal – ich konnte die Spannung immer aufrechterhalten, ohne zu verkrampfen. Ich glaube, genau dieser Mix war entscheidend für den Sieg. Erst kurz vor dem Final dachte ich: ‹Wir sind jetzt noch vier Athleten am Start und drei erhalten eine Medaille – ich darf nur nicht Vierter werden!› Es klappte. Mein Bubentraum wurde wahr.»