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Der Skirennfahrer Patrick Küng gibt seinen Rücktritt bekannt

Patrick Küng ist Weltmeister und Sieger am Lauberhorn – nun beendet der 35-Jährige seine Karriere.
Martin Probst, Kitzbühel
Da konnte Patrick Küng jubeln: Abfahrts-Weltmeister-Titel vor vier Jahren in den USA. Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone (Beaver Creek, 7. Februar 2015)

Da konnte Patrick Küng jubeln: Abfahrts-Weltmeister-Titel vor vier Jahren in den USA. Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone (Beaver Creek, 7. Februar 2015)

Nochmals sind alle gekommen. Wie 2015, als Patrick Küng Weltmeister in der Abfahrt wurde. Der Saal ist voll, als der 35-Jährige sagt: «Ich weiss, wie schön es ist, wenn man sein Hobby, seine Leidenschaft ausüben darf. Ich konnte dies mehr als 20 Jahre lang tun, und jetzt wird etwas anderes kommen.»

Patrick Küng hat 2014 die Abfahrt am Lauberhorn gewonnen. Er holte 2015 in Beaver Creek WM-Gold, und er stand insgesamt fünfmal im Weltcup auf dem Podest, zweimal als Sieger. Er sagt: «Ich war nie der Serienpodestfahrer. Aber es gibt nicht viele, die aufhören und auf solche Erfolge zurückblicken können.» Er spielte die Hauptrollen gut. Doch als Nebendarsteller ging er oft vergessen. Das hat ihn in seiner Karriere vielleicht am meisten verletzt.

Ausgerechnet am Tag vor seinem ersten Weltcupsieg ging er wieder einmal vergessen. In der Abfahrt in Beaver Creek war er als Fünfter bester Schweizer. Doch die ganze Aufmerksamkeit gehörte Beat Feuz. Dieser war im dritten Rennen nach seinem Comeback nach dem Knie-Infekt auf Rang sechs gefahren. Küngs Resultat war maximal eine Randnotiz. Am Tag danach, als Weltcupsieger, stand Küng vor die Medien und sagte: «So, so, jetzt interessiere ich plötzlich.»

Patrick Küng am 16. Januar 2019. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Patrick Küng am 16. Januar 2019. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Die schwierige Zeit im Rollstuhl

Küngs Geschichte ist unauffälliger. Darum wurde sie vielleicht auch weniger erzählt. Dabei gäbe es schon einiges zu erzählen. Von 2006 zum Beispiel. Da sass er plötzlich im Rollstuhl und wollte alles hinschmeissen. Schien- und Wadenbein waren gebrochen, das eine links, das andere rechts. Laufen war unmöglich. Oder 2015, als er sich erst über die interne Qualifikation das Ticket für die WM-Abfahrt holte. Der Rest ist Geschichte. Küng ist heute einer von nur 12 Abfahrtsweltmeistern aus der Schweiz.

Im Sommer nach seiner Goldfahrt entzündete sich die Patellasehne im Knie. Ein Stopp auf dem Höhepunkt. Die nächste Saison nahm er zwar in Angriff. Doch im Januar musste er einsehen: Es hat keinen Sinn. Küng brach die Saison ab und fand seither nie mehr ganz den Anschluss. Nur noch zweimal stiess er danach im Weltcup in die Top 10 vor. Doch ausgerechnet an der WM 2017 in St. Moritz schien es noch einmal zu klappen. In der Abfahrt, beim Sieg von Beat Feuz, verpasste er das Podest als Vierter um zwei Hundertstelsekunden. Die Hauptrollen besetzten wieder andere.

Diesmal aber, am Tag des Rücktritts, ist der Saal nochmals voll. Das freut ihn spürbar. Er ging nicht vergessen. Im vergangenen Sommer wechselte er noch einmal die Skimarke und die Trainingsgruppe. Er suchte einen neuen Antrieb und neue Ziele. «Ich bin einer, der immer gekämpft hat, immer ein Ziel, einen Traum vor Augen hatte», sagt er. Und viele Ziele hat er erreicht: erst einen Podestplatz, dann einen Sieg, dann eine Medaille am Grossanlass.

Ein Abschied ohne körperliche Beschwerden

Doch das letzte Ziel blieb unerreicht. Patrick Küng sagt: «Ich merkte, dass ich den Anschluss an die ganz Besten im Weltcup nicht mehr schaffe. Und ich wollte nicht einfach nur noch für 15. Plätze fahren».

Vor einer Woche stürzte er in Wengen im Abfahrtstraining. Mit fast 100 km/h prallte er in ein Fangnetz und zog sich eine Gehirnerschütterung zu. Danach begannen die Gedanken. «Als ich aus Wengen abgereist bin, hatte ich das Gefühl, dass ich es nicht herausfordern sollte. Ich bin 35 und habe zurzeit keine Knie- oder Rückenprobleme. Das ist überhaupt nicht selbstverständlich. Ich könnte jetzt auch im Spital liegen.» 2002 erlebte Küng mit, wie sein Freund und Teamkollege Werner Elmer tödlich verunglückte. «Das war für mich der absolute Horror. Man kann zwar versuchen, es zu verarbeiten. Aber etwas bleibt immer.»

Als es in jüngerer Zeit wieder zu Todesfällen im Skizirkus kam, beeinflusste das auch Küng. Er merkte, dass ihm die letzte Überzeugung zunehmend fehlte. Das kann fatal sein. Für den Abfahrtssport braucht es Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Sonst wird es gefährlich auf der Strecke. Patrick Küng hat sich entschieden, gesund in den sportlichen Ruhestand zu gehen. Ab sofort spielt er eine neue Rolle.

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