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SKISPRINGEN: Dietharts Sprung in eine ungewisse Zukunft

Beim Weltcup in Engelberg begann für Thomas Diethart (Ö) vor einem Jahr eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Nun droht er aber als Titelverteidiger gar die Vierschanzentournee zu verpassen. Im Interview reflektiert der 22-Jährige, wie ihn der Erfolg überrannt und was er daraus gelernt hat.
Thomas Diethart auf dem Siegerpodest beim Springen in Garmisch-Partenkirchen. (Bild: Keystone)

Thomas Diethart auf dem Siegerpodest beim Springen in Garmisch-Partenkirchen. (Bild: Keystone)

Thomas Diethart, wenn wir Ihre Saisonvorbereitung anschauen, stellt sich die Frage: Sehen wir Sie nächsten Sommer am Ruder-Weltcup in Luzern?

Thomas Diethart:(lacht) Schauen wir mal! Aber im Ernst: das wohl nicht. Wir sind ja auch nur einen Tag mal im Achter gerudert. Und sagen wir es so: Es war kalt und windig – und wir sind trotzdem mächtig ins Schwitzen gekommen. Dieser Rudertag war für uns Springer als teambildende Massnahme geplant, und diesen Zweck hat er erfüllt. Es hat viel Spass gemacht und uns wieder ein Stück näher zusammengebracht. Skispringen ist zwar im Grunde ein Einzelsport, in dem jeder für sich springt. Im Endeffekt musst du dir aber trotzdem gegenseitig unter die Arme greifen, sonst hat keiner Erfolg.

Blicken wir mal genau ein Jahr zurück: Damals sind Sie nach guten Resultaten im Continental-Cup und dem schweren Sturz Ihres Teamkollegen Thomas Morgenstern am Wochenende zuvor überraschend für den Weltcup nominiert worden. Was waren Ihre Gedanken, als Sie damals nach Engelberg angereist sind?

Diethart: Damals ist alles sehr, sehr schnell gegangen. Es kam auch für mich überraschend, als es hiess: Du springst beim Weltcup in Engelberg. Ich habe mich riesig gefreut, aber ich hatte irgendwie auch gar keine Zeit mehr, darüber nachzudenken oder mir Ziele zu setzen. Aber das war eigentlich auch gut so. Ich konnte das dann einfach nur geniessen.

Sie sind Vierter und Sechster geworden, haben sich dadurch für die Vierschanzentournee aufgedrängt – und diese dann gleich gewonnen.

Diethart: Der Erfolg ist bei mir sehr schnell gekommen. Im Grunde bin ich überrannt worden von meinem Erfolg und konnte am Anfang nicht so richtig damit umgehen. So im Rampenlicht zu stehen, war für mich Neuland. Zudem waren wir mitten in der Saison und dann auch noch kurz vor Olympia. Das hat Erwartungen geschürt und das Ganze nicht so einfach gemacht. Zum Glück habe ich einige Leute in meinem Umfeld und meine Familie gehabt, die mir da sehr geholfen und mir Tipps gegeben haben, was ich anders, besser machen kann. Aber meine Leistung bei den Spielen von Sotschi hat das trotzdem beeinträchtigt.

Inwiefern?

Diethart:Die Olympischen Spiele sind nun mal was ganz anderes als ein Weltcup. Da ist es viel schwieriger, dass man locker bleibt. Ich bin da hingeflogen und hatte mir das Ziel gesetzt, dass ich unbedingt mit einer Medaille heimfahren will. Diese habe ich dann schlussendlich zwar als Zweiter mit dem Team auch geholt, aber im und vor dem Einzelspringen habe ich mir zu viel Druck gemacht. Aber aus solchen Situationen lernst du.

Nun steht bald wieder ein Höhepunkt an, die Vierschanzentournee. Gelingt es Ihnen als Titelverteidiger da wirklich, sich zu sagen: Ich nehme mir nicht gleich den Sieg vor, sondern fahre da mal hin und schaue, was rauskommt.

Diethart: Ich bin nun in einer ganz anderen Situation als vor den Olympischen Spielen. Ich war zuletzt nicht so in Form und habe mir deshalb auch noch keine Gedanken über die Tournee gemacht.

Bei Ihren fünf Weltcup-Einsätzen in dieser Saison haben Sie sich nie für den zweiten Durchgang qualifiziert. Mit welchen Gedanken reisen Sie denn diesmal nach Engelberg an?

Diethart: Ich freue mich auch diesmal wieder darauf. Denn diese Schanze kommt mir mit meinem Sprungstil entgegen. Klar, habe ich bisher noch keine Weltcup-Punkte geholt, aber deshalb fühle ich mich jetzt nicht unter Druck. Nach dem Springen in Lillehammer habe ich mir ein wenig Ruhe gegönnt, gut trainiert und mir dadurch Selbstvertrauen geholt.

Ganz ohne Druck geht es aber im starken österreichischen Team auch nie zu. Es besteht doch immer die Gefahr, dass ein anderer den Vorzug erhält. Und das droht Ihnen ausgerechnet bei der Vierschanzentournee.

Diethart:So wie es momentan aussieht, werde ich bei der Tournee dabei sein. Aber klar ist auch: Nach den Springen in Engelberg wissen wir, wo ich stehe und ob es überhaupt einen Sinn macht, dass ich zur Tournee gehe.

Was stimmt Sie denn zuversichtlich, dass Sie nun in Engelberg deutlich besser abschneiden als bislang?

Diethart:Anders als früher habe ich diesmal, bevor wir beim ersten Wettkampf der Saison angereist sind, keinen einzigen Schneesprung absolviert. Lediglich dort bin ich dann vor dem Wettkampf noch ein paar Mal gesprungen. Die ersten beiden Sprünge sind mir allerdings nicht gelungen, und wir mussten im Wettkampf aktiv etwas an meinem Sprung verändern – was du eigentlich nie machen solltest. Deshalb bin ich dann insgesamt schwieriger in die Saison reingekommen. Aber trotzdem bin ich in den vergangenen Wochen nie nervös geworden, sondern bin ruhig geblieben und habe es als Herausforderung gesehen. Es kann im Sportlerleben nicht immer alles nur gut gehen. Aber ich bin zuversichtlich, dass es nun wieder besser geht.

Viele Skispringer sind wahre Tüftler und ständig damit beschäftigt, etwas am Material zu verbessern. Besteht nicht auch die Gefahr, dass man sich in solchen Situationen, wie Sie sie nun erlebt haben, verzettelt?

Diethart: Bei mir nicht. Denn was das Material betrifft, bin ich nicht so der Tüftler. Wenn etwas Neues aufkommt und du siehst, dass es einen anderen Athleten voranbringt, schaue ich mir natürlich das auch ganz genau an und überlege, ob ich etwas davon für mich mitnehmen und einsetzen kann. Aber grundsätzlich bin ich nicht der, der ständig am Material rumtüftelt.

Trotzdem scheinen Sie jemand zu sein, der nicht so einfach abschalten kann. Wir haben erfahren, dass Sie zwischen der letzten und dieser Saison nur eine einzige Woche freigemacht haben.

Diethart:Ich hatte meine erste Weltcup-Saison hinter mir, in der ich auch noch gut gesprungen bin – das hat mir alles viel Spass gemacht. Zudem habe ich mich nicht erschöpft gefühlt, also habe ich nach dem Winter direkt weitertrainiert. Beim Sommer-Grand-Prix im Juli war ich dann allerdings ziemlich kaputt und habe dringend eine Pause gebraucht. Ich bin mit meinem Teamkollegen Manuel Fettner eine Woche nach Mallorca geflogen, wo wir nur am Strand gelegen sind und gar nichts gemacht haben. Das habe ich sehr genossen. Es war wichtig, auch mal vom Sport wegzukommen, weil man sonst irgendwann verkrampft. Danach ging es mir dann auch wieder gut. Auch das war eine Erfahrung, die du erst machen musst. Nächstes Frühjahr werde ich eine längere Pause einlegen.

Ihr bisheriger Teamkollege Thomas Morgenstern ist Ihr grosses Vorbild. Wie sehr hat es Sie vergangenen Winter getroffen, als Sie hautnah miterlebten, wie er von den Stürzen allmählich zermürbt wird und schliesslich seine Karriere beendet?

Diethart: Natürlich habe ich mit ihm gelitten. Du spürst es auch ständig im Team, dass da etwas im Hintergrund ist. Dass da einer ist, dem es nicht gut geht. Aber wir waren ja mitten in der Saison und hatten viele Wettkämpfe, da musst du dich einfach auf dich selbst konzentrieren. So blöd sich das jetzt anhört: Aber während der Saison musst du bei so etwas egoistisch sein und darfst nur auf dich schauen.

Interview Stefan Klinger

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