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Skispringen: Killian Peiers Exploit mit Ansage

Ohne je auf dem Weltcup-Podest gestanden zu sein, gewinnt Killian Peier auf der Innsbrucker Bergisel-Schanze WM-Bronze für die Schweiz. Er verdankt den Sieg seiner erst kürzlich erworbenen mentalen Stärke – und einem flexiblen Team.
Ralf Streule, Seefeld
Nur zwei waren besser: Killian Peier freut sich zusammen mit Sieger Markus Eisenbichler und Karl Geiger über Edelmetall (von rechts). (Bild: Linnea Rheborg/Getty, Seefeld, 23. Februar 2019)

Nur zwei waren besser: Killian Peier freut sich zusammen mit Sieger Markus Eisenbichler und Karl Geiger über Edelmetall (von rechts). (Bild: Linnea Rheborg/Getty, Seefeld, 23. Februar 2019)

Nach einigen Sekunden des bangen Wartens im Auslauf der Bergiselschanze hatte Killian Peier Gewissheit. Die «3» leuchtete auf, die so erhoffte «3», welche die Dämme brechen liess. WM-Bronze auf der Grossschanze! Die Trainer ballten die Faust, die Eltern des 23-Jährigen weinten Freudetränen, und die vier Schweizer WM-Springer lagen sich derart in der Armen, dass man kaum mehr wusste, wer von ihnen denn nun diese Medaille gewonnen hatte. Tatsächlich sei er in den langen Sekunden des Wartens unsicher gewesen, ob er nicht gerade eine Medaille vergeben habe, sagte Peier später. «Ich konnte kaum mehr auf den Beinen stehen vor Nervosität.» Doch: Es reichte.

Der dritte WM-Platz für Peier ist eine kleine Sensation, zumindest angesichts des noch kleinen Palmarès des Romands. Die vergangenen Tage aber hatten aus Peier zunächst einen Geheim-, dann einen Mitfavoriten an dieser WM gemacht. Das wirklich Bemerkenswerte an diesem Grosserfolg ist, wie locker er mit dieser Rolle umgegangen ist, wie locker er dem Druck standhielt. Wobei das Zittern vor dem Finaldurchgang auch bei ihm gross gewesen sei, gab Peier nach getaner Sache zu. Vier Athleten hatten nach dem ersten Durchgang noch realistische Medaillenchancen, Peier lag dank eines ersten Sprungs auf 131 Meter und eines sauberen Telemarks in Führung. Ein zweiter Satz auf 129 Meter reichte ihm, um den Saisondominator Ryoyu Kobayashi in Schach zu halten – nur den Deutschen Markus Eisenbichler und Karl Geiger musste er den Vortritt lassen. Dass ihn dies wenig störte, dass Bronze für ihn und die Schweiz Gold wert ist, zeigten die überschwänglichen Reaktionen.

Wundersamer Aufstieg in nur einem Jahr

Peier ist ein Paradebeispiel dafür, wie im schwer zu ergründenden Skispringen das Mentale den Unterschied macht. Und wie das Selbstvertrauen aus talentierten Springern erfolgreiche machen kann. Vor einem Jahr wäre ein solcher Steigerungslauf Peiers für unmöglich gehalten worden. Für die Olympischen Spiele 2018 in Pyeongchang hatte er sich nicht qualifiziert. Er, der doch immer als so talentiert galt, stand vor dem Nichts. «Ich stand vor einer Wand», so formulierte er es kürzlich in der NZZ. Sein damaliges Eingeständnis, die mentale Arbeit nicht in Eigenregie vorantreiben zu können, rettete ihn. Zusammen mit Trainer Ronny Hornschuh und dem persönlichen Betreuer Othmar Buholzer machte er sich an die Arbeit. «Ich musste lernen, geduldig zu werden, das war das Schwierigste», sagte er gestern. Ein behutsamer Aufbau und vor allem der Fokus auf das Mentale machten ihn bereits im Sommer-GP zu einem Podestspringer, der Waadtländer nahm die Form mit in den Winter, wo er regelmässig in die Top Ten sprang.

Das grundlegende «Flugsystem», über das im Skispringen immer wieder gefachsimpelt wird, stimmte. Es war eine Auferstehung aus dem Nichts, «das Wunder des Skispringens», wie es Peier gestern nannte. Der Sprung aufs Podest ist somit kein Zufall, und gut möglich, dass er kein Ausreisser bleiben wird. Ein wichtiger Faktor in der Entwicklung Peiers waren ohne Zweifel auch die Veränderungen im Skisprungteam. Simon Ammann hat seit letztem Jahr seinen eigenen Fahrplan, Trainer Roger Kamber wurde ihm zur Seite gestellt. Dies gab Raum für die anderen Athleten unter Hornschuh. Dass diese Wechsel ohne Misstöne über die Bühne gingen, ist auch Ammann hoch anzurechnen. Seine ausgelassene Freude, die er nach Peiers Erfolg zeigte, sprach Bände.

Ohnehin ist auch die Leistung der anderen Schweizer zu würdigen. Ammann als 15. und Schuler als 26. zeigten angesichts des Saisonverlaufs gute Resultate. Und auch Luca Egloff hatte die Qualifikation überstanden, konnte sich dann aber nicht für den Finaldurchgang der besten 30 empfehlen. Für das heutige Teamspringen lässt diese Konstellation einiges erhoffen – auch wenn die Medaillenplätze ausser Reichweite sein werden.

Auf der Normalschanze wieder ein Medaillenkandidat

Peier hat der Schweiz die insgesamt zehnte WM-Medaille im Skispringen beschert. Eine, die Swiss-Ski zumindest Anfang Saison nicht budgetiert hatte. Gut steht es auch um Peiers Chancen für den Wettbewerb auf der Normalschanze am Freitag. Zwar bezeichnet Peier die Grossschanze in Innsbruck aufgrund deren engen Radius als eine Lieblingsschanze. Die Resultate in den vergangenen Weltcupspringen hätten aber gezeigt, dass er auf unterschiedlichsten Anlagen stark springen könne. Also wieder Medaillenkandidat? Auf diese letzte Frage schweigt er vor versammelter Medienschar eine Weile und sagt dann: «Eigentlich ist mir das jetzt gerade wurst.» Die Medaillenzeremonie stand an. Ein Schritt nach dem anderen.

Skispringen Innsbruck. WM. Grossschanze: 1. Eisenbichler (GER) 279,4 (131,5 m/135,5 m). 2. Geiger (GER) 267,3 (131/130,5). 3. Killian Peier (SUI) 266,1 (131/129,5). 4. Kobayashi (JPN) 262,0 (133,5/126,5). 5. Stoch (POL) 259,4 (128,5/129,5). 6. Kraft (AUT) 256,1 (130/126,5). 7. Forfang (NOR) 250,9 (132,5/125,5). 8. Johansson (NOR) 248,9 (128/129). 9. Freitag (GER) 248,7 (125,5/129,5). 10. Zajc (SLO) 245,3 (127/124). – Ferner: 15. Simon Ammann (SUI) 230,6 (122,5/126). 26. Andreas Schuler (SUI) 212,6 (117,5/119). – Nicht im Finaldurchgang: 38. Luca Egloff (SUI) 93,9 (112,5). Stand nach dem 1. Durchgang: 1. Peier 137,9. 2. Eisenbichler 136,7. 3. Kobayashi 135,3. 4. Geiger 135,2. 5. Kraft 128,6. – Ferner: 17. Ammann 115,4. 28. Schuler 105,1.

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