SNOWBOARD: Der Goldtraum lebt für Jessica Keiser weiter

Die Alpinfahrerin Jessica Keiser hat viel vor. Die 24-jährige Nidwaldnerin aus Oberdorf äussert sich über ihre grossen Ziele, ihr Studium und verrät, was in ihrem Tagebuch steht.
Theres Bühlmann
Mit zuversichtlichem Blick in die Zukunft: Jessica Keiser visiert den Aufstieg ins schweizerische A-Kader an. (Bild: Manuela Jans-Koch (Titlis, 28. Januar 2018))

Mit zuversichtlichem Blick in die Zukunft: Jessica Keiser visiert den Aufstieg ins schweizerische A-Kader an. (Bild: Manuela Jans-Koch (Titlis, 28. Januar 2018))

Theres Bühlmann

theres.buehlmann@luzernerzeitung.ch

Viel Begeisterung schwingt mit, wenn Jessica Keiser (SC Beckenried) über ihren Sport spricht. Snowboarden, das ist ihr Lebenselixier, «meine Leidenschaft», wie die 24-jährige Nidwaldnerin aus Oberdorf sagt. Seit der vierten Klasse, vorher war sie im Bereich Ski alpin zu Hause und fuhr auch regionale Rennen, steht sie auf dem Brett, welches für sie die Welt bedeutet. Und das erfolgreich. Sie vertrat die Schweiz auf internationaler Bühne 2014 an den Junioren-WM im Riesenslalom mit Platz 18, im Slalom resultierte Platz 12 und an der Winteruniversiade 2015 erreichte sie Rang 16 im Riesenslalom.

Ihr erstes FIS-Rennen gewann die B-Kader-Fahrerin von Swiss-Snowboard im Februar 2016. Die Weltcup-Premiere feierte sie im Dezember 2016 in Cortina d’Ampezzo mit Rang 36. Anfang Januar 2017 wurde sie dann von einem Beinbruch ausgebremst, doch gross beirren liess sie sich nicht und kämpfte sich zurück.

Der Lohn: unter anderem ein zweiter Platz zu Beginn dieses Jahres beim Europacup-Rennen im Parallel-Riesenslalom in Österreich. Dem Unfall kann sie nachträglich auch etwas Positives abgewinnen. «Ich habe meinen Körper besser kennengelernt, ich weiss nun, wann Ruhephasen und Regeneration angesagt sind», erklärt sie.

Zwei Top-10-Plätze in der Lenzerheide

Am letzten Wochenende war sie beim Europacup in der Lenzerheide im Einsatz. «Ich bin etwas nervös», äusserte sie sich im Vorfeld. Weshalb? «Weil ich weiss, dass viele Verwandte und Bekannte da sein werden. Aber ich gehe mit voller Konzentration und fokussiert an den Start.» Mit den Rängen 6 und 7 in den Parallelslaloms zeigte sie sich zufrieden. Jessica Keiser konzentriert sich in dieser Saison auf den Europacup, möchte hier Erfahrungen sammeln, ihre Konstanz verbessern, und hofft so, den Sprung ins Schweizerische A-Kader zu schaffen. Um dies zu realisieren, muss sie sich im Gesamtklassement des Europacups in den Top 3 klassieren.

Ihr ganz grosses Ziel: die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking. Und der Traum, einmal eine Goldmedaille in der Hand zu haben, lebt weiter. Der Sport geniesst zurzeit Priorität und sie investiert wöchentlich rund 25 Trainingsstunden. Sie überlässt nichts dem Zufall, und geht ihren Weg nach ganz oben mit der ihr eigenen Gründlichkeit. So führt sie Tagebuch, notiert alles mit Akribie. Was sie wo und wann gegessen hat, ihre Begegnungen, wie sie das Training gestaltet, sie hält ihre Gedanken fest und schreibt Korrekturen und Tipps von Trainern auf. So kann sie aus diesen Aufzeichnungen immer wieder wertvolle Rückschlüsse ziehen.

Jessica Keiser vermarktet sich selber

Die Nidwaldnerin sorgt aber auch dafür, dass das berufliche Standbein nicht ins Wanken gerät. Sie absolvierte bei der Fernfachhochschule Schweiz ein Studium in Betriebsökonomie mit Hauptfach Finance & Banking und gab kürzlich ihre Bachelor-Arbeit ab – mit dem Titel «Was veranlasst Unternehmen, junge Sportler zu unterstützen?». Ihr Studium kommt ihr auch als Profisportlerin zugute, denn sie ist für ihr Marketing und Sponsoring selbst verantwortlich. «Ich kann meinen Sponsoren viel besser erzählen, was ich erlebe, und welche Bedeutung Rennen für mich haben. Dies ist für einen externen Manager nicht möglich. Und ich glaube, genau dies schätzen meine Sponsoren.» Unterstützung erhält sie auch vom Kanton Nidwalden, der Sportlern auf dem Weg an die Spitze finanziell unter die Arme greift. Ein Umstand, den sie sehr zu schätzen weiss, «denn ohne Sponsoren und den Support meiner Familie könnte ich meinen Sport nicht ausüben».

Im Sommer lernte sie eine neue Sportart kennen, Golfen. Ihre Sponsoren haben sie dazu ermuntert. Auf dem Golfplatz Holzhäusern machte sie die Platzreife, im Sommer wird sie häufig auf den Greens anzutreffen sein. «Golfspielen ist ein toller Ausgleich, zudem stärkt es meinen Rumpf und ist auch eine Art Mentaltraining», sagt sie.

Ein Herz für benachteiligte Kinder

Jessica Keiser verfügt über viele Facetten, besucht ab und zu ein Spiel des FC Luzern. «Ich leide mit, wenn es dem Verein schlecht läuft, und drücke ihm für die kommenden Spiele die Daumen.» Sie engagiert sich auch im sozialen Bereich, ist Botschafterin der Stiftung für Kinder in der Schweiz, welche benachteiligte Kinder fördert. «Dies ist eine Herzensangelegenheit», betont sie. «Ich habe auch durch mein Umfeld die Chance bekommen, meine Leidenschaft Snowboarden auszuüben. Nun möchte ich etwas zurückgeben.»

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