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So beendete Spono Nottwil St.Gallens Dominanz –Rückraumspielerin Nicole Fähndrich erinnert sich

Spono Nottwil gewann vor 20 Jahren den ersten von fünf Meistertiteln. Die 44-jährige Rückraumspielerin und Leistungsträgerin Nicole Fähndrich erinnert sich.

Stephan Santschi
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Nicole Fähndrich (Dritte von rechts), Andrea Kaufmann (Vordergrund) und die ganze Mannschaft, jubeln über den Meistertitel von Spono Nottwil.

Nicole Fähndrich (Dritte von rechts), Andrea Kaufmann (Vordergrund) und die ganze Mannschaft, jubeln über den Meistertitel von Spono Nottwil.

Bild: Ruth Tischler (Nottwil, 3. April 2000)

Eine Motivationsspritze brauchten die Handballerinnen von Spono Nottwil eigentlich nicht, als sie im Frühjahr 2000 in die Ostschweiz fuhren. Sie standen mit dem Rücken zur Wand, hatten sie doch das erste Spiel des Playoff-Finals zu Hause gegen St.Otmar St.Gallen verloren. «An den Autos sahen wir bereits Meisterkleber, das stachelte uns natürlich zusätzlich an», erzählt Nicole Fähndrich und lacht. Die Littauerin war damals 24-jährig und galt im rechten Rückraum von Spono als Leistungsträgerinnen. «Die St.Gallerinnen waren bis dahin eine Macht, wir hatten nie eine Chance. In diesem Jahr spürten wir aber, dass es reichen könnte.»

Und prompt: Trotz verlorenem Startspiel entschieden die Nottwilerinnen den Meisterkampf erstmals in ihrer Vereinsgeschichte für sich. Dem Sieg in St.Gallen folgte der entscheidende Triumph in der proppenvollen Sporthalle des Schweizer Paraplegiker-Zentrums. «Die Fans standen und sassen um das ganze Spielfeld herum, das wäre heute wohl gar nicht mehr erlaubt.» Das Spiel war lange ein Geknorze, erst in den letzten zehn Minuten setzte sich Spono ab. Dann wich der enorme Druck und machte unbändiger Freude Platz. «Es war sensationell», schwärmt Fähndrich.

Damalige Frisuren sorgen für Unterhaltung

Seither findet das Meisterteam regelmässig zusammen und lässt die Erinnerungen an die Premiere aufleben – letztmals im vergangenen Februar bei Nicole Fähndrich, die in Hindelbank vor den Toren Berns wohnt. «Ich habe den VHS-Film digitalisiert und abgespielt. Keine hatte seither die Aufnahmen gesehen», sagt Fähndrich und verrät, dass nicht nur den emotionalen Momenten, sondern auch den damaligen Frisuren besondere Aufmerksamkeit zu Teil wurde.

Das Erfolgsrezept im Jahr 2000 sieht Fähndrich in der guten Mischung aus jungen und routinierten Spielerinnen sowie beim Trainerwechsel zu Beginn der Saison. Beat Sidler beendete seine formidable Aufbauarbeit nach zwei Jahrzehnten, er hatte das Team von der 3.Liga bis in den Europacup geführt. An seine Stelle trat die Dänin Pia Christensen. «Sie war ein komplett anderer Typ», erklärt Nicole Fähndrich. Galt Sidler als sehr akribischer und oft korrigierender Förderer, als Vulkan, der jederzeit ausbrechen konnte, so liess Christensen das Spiel laufen und die Spielerinnen selber die Fehler erkennen. «Anfänglich dachte ich, dass dieses ‹Laissez-faire› nicht funktionieren kann, ich war überfordert. Letztlich aber brauchte es diesen Wechsel, um befreiter und kreativer zu werden.»

Verheiratet mit dem Ex-Trainer

Nicole Fähndrich lebt mit ihrem Mann Guido Frei im bernischen Hindelbank, das wegen des dort ansässigen Frauengefängnisses nationale Bekanntheit hat. Frei war in ihrer letzten Saison Trainer von Spono Nottwil gewesen. Neben ihrem Beruf als Primarlehrerin hilft die 44-jährige Luzernerin aus Littau ihrem Mann bei der Führung des Restaurants Krone in Hindelbank, das vor allem für sein Fleisch auf Speckstein bekannt ist. Fähndrich gewann während ihrer 15 Jahre in Nottwils Rückraum drei Meistertitel (2000, 2001, 2006) und einen Cup (2001). Nach ihrem Rücktritt 2006 leitete die 47-fache Ex-Nationalspielerin Fördertrainings bei Spono, mittlerweile hat sie sich aus dem Handball zurückgezogen. «Etwa einmal pro Saison komme ich nach Nottwil und schaue mir ein Spiel an. Die Fans, die Stimmung, die Kinder, die in der Pause auf das Spielfeld rennen – das alles kommt mir jeweils sehr vertraut vor.»

Fähndrich übernahm dabei als Rechtshänderin den schwierigen Part im rechten Aufbau und liess immer wieder ihre Stärken in 1:1-Situationen sprechen. Die mit allen Wassern gewaschene Spielmacherin Caroline Emmenegger führte Regie und im linken Aufbau sorgte Bea Sidler für Durchschlagskraft. Am Kreis wirbelte Soka Smitran, am Flügel Nicole Willimann und im Tor war Nationalgoalie Claudia Hiltbrunner der grosse Rückhalt.

Rückraumspielerin Nicole Fähndrich beim Meisterschaftsfinale vor 20 Jahren.

Rückraumspielerin Nicole Fähndrich beim Meisterschaftsfinale vor 20 Jahren.  

Bild: Dorothea Müller (Nottwil, 3. April 2000)

Deshalb spielte die grosse Simova nicht für Nottwil

Auf diese Weise setzte Spono der seit 1987 andauernden Ostschweizer Vorherrschaft (LC Brühl, St.Otmar St.Gallen) ein Ende und gewann 2001 sogar das Double. Ganz ohne ausländisches Schaffen übrigens, während St.Otmar die überragende Slowakin Monika Simova in seinen Reihen hatte. «Monika war eigentlich zuerst bei uns im Probetraining», verrät Fähndrich. «Spono Nottwil tat sich damals aber noch schwer, Geld für eine Ausländerin auszugeben und verpasste es, rechtzeitig Nägel mit Köpfen zu machen.» Im Jahr 2006 traten Fähndrich und Emmenegger im Stile von echten Champions mit einem weiteren Meistertitel zurück.

Hinweis
In unserer Serie «Mein Moment» blicken Zentralschweizer Sportlerinnen und Sportler auf prägende Ereignisse ihrer Karriere zurück. Bereits erschienen: Anita Brägger (4. April), Hermann Matter (8.April), Ariella Käslin (14.April), Edith Hunkeler (16. April).