«So stark sind wir halt doch nicht»: Der HC Kriens-Luzern spielt gegen GC Amicitia Unentschieden

Die Handballer von Kriens-Luzern führten mit bis zu fünf Toren Vorsprung gegen GC Amicitia. Am Ende stand es 29:29 (13:13).

Roland Bucher
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Nein, eine Gardinenpredigt gab’s nicht. Goran Perkovac, der Chef einer Krienser Truppe, die am Sonntag beim 29:29 gegen GC Amicitia Achterbahn fuhr und den ersten Punkt liegenliess, wies seine Truppe mit Stil darauf hin: «Vielleicht haben wir gemeint, dass wir nichts zu fürchten brauchen. Heute haben wir erfahren: Ganz so gut wie gemeint, sind wir vielleicht halt doch nicht.»

Kein Spaziergang, im Gegenteil: Der HC Kriens-Luzern tut sich im Heimspiel gegen GC Amicitia schwer.

Kein Spaziergang, im Gegenteil: Der HC Kriens-Luzern tut sich im Heimspiel gegen GC Amicitia schwer.

Bild: Hardy Konzelmann (Kriens, 13. September 2020)

7:2 hatte der HCK nach elf Minuten geführt, er dominierte nach Belieben, spielte die Zürcher schwindlig, schien mit Leichtigkeit Saisonsieg Nummer 3 entgegenzueilen. Dann hat sich die Fehlerquote potenziert, vielleicht auch im Glauben an einen gemütlichen Spätsommerspaziergang, Unkonzentriertheiten hatten sich eingeschlichen: «Wir waren eine Zeit lang platt», gestand der Trainer, «wir haben viele Chancen fahrlässig versiebt, wir haben unmögliche technische Fehler begangen.» Und: Mit zwei Goalie-Paraden in einer ganzen langen Halbzeit lasse sich halt nicht Staat machen. Das ist eine konkrete Manöverkritik an Paul Bar. Der feierte am Sonntag seinen 30. Geburtstag.

Papez zeigt eines seiner stärksten Spiele

Aber keinen Sieg. Den zu besiegeln, hatte Kriens auch nach der Pause mehr als einmal die Gelegenheit, 23:21 lautete die Führung nach 45 Minuten, Moritz Oertli, der Sohn des HCK-CEO Nick Christen, hatte in Stellvertretung des verletzten Mittelmannes Janus Lapanje energisch das Zepter in die Hand genommen. Bewies mit Einzeldurchbrüchen, gutem Distanzschuss und eleganten Zuspielen an die Kreisläuferadressen Initiative, Selbstvertrauen, Verantwortungswillen: «Es ist ja nicht schlecht, zu wissen, dass man auch mit mir als Mittelmann einigermassen guten Handball spielen kann», schätzte er seine Leistung ein – die schliesslich zusammen mit individuellen Efforts von Harbuz und Papez immerhin den Remiszähler retteten. Papez vor allem riss nach der Pause, als der HCK mehr als einmal arg wankte, mit Köpfchen und Kraft viel. Es war eines seiner stärksten Spiele für die Krienser – und die Frage bleibt ungelöst, weshalb er nicht schon früher in diese Partie, die in erster Linie von der Muskelkraft lebte, beordert wurde.

SCK-Spieler Tim Rellstab beim Abschluss.

SCK-Spieler Tim Rellstab beim Abschluss.

Bild: Hardy Konzelmann (Kriens, 13. September 2020)

Nun, der erste Dämpfer in dieser Saison wirkte, man hinterfragte sich: «Wir hatten so viele Aussetzer», analysierte Moritz Oertli, das sei indes nicht im Sinne von Überheblichkeit zu interpretieren. «Vielleicht sind die vielen Spiele in den letzten Tagen halt nicht ganz spurlos an uns vorbeigegangen.» Kriens zeigte in den Endminuten, als es immer enger wurde, aber Stolz, packte die letzten Reserven aus: Deshalb gäbe es doch noch eine kleine Ehrenmeldung für seine Mannschaft, meinte Perkovac. «Wir haben solche Spiele auch schon verloren.»

Haushälterisch mit den Kräften

Der Trainer wies darauf hin, dass es in diesen Tagen, wo Meisterschaft, Schweizer Cup (am Dienstag gegen Biel) und Europacup die Kräfte einer Equipe, die von ihrer quantitativen Potenz her halt doch «nach wie vor limitiert» sei, verschleisse, darauf zu achten sei, dass man haushälterisch mit den Kräften umgehe. Das ist richtig, und so zu interpretieren sind auch das Bänkchendrücken der beiden leicht angeschlagenen Schlüsselspieler Lapajne und Schlumpf. In der Endqualifikation des 29:29-Dämpfers ändert es indes wenig: Hochmut kam am Sonntag vor dem Fast-Fall.

Die umgekämpfte Schlussphase im Video:

Kriens-Luzern – GC Amicitia 29:29 (13:13)
200 Zuschauer. – SR Capoccia/Jucker. – Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Kriens-Luzern, 4-mal 2 Minuten gegen GC Amicitia Zürich. Kriens-Luzern: Bar (4 Paraden)/Eicher (4); Blättler (3 Tore), Delchiappo (1), Gavranovic (2), Harbuz (6/1), Idrizi (2), Lapajne, Lavric, Oertli (6), Papez (5/1), Piroch (1), Rellstab (2), Schlumpf, Wanner (1). GC Amicitia Zürich: Marinovic (9 Paraden)/Bachmann (1); Alili (2 Tore/1), Bader, Brücker (3), Kaletsch (3), Klampt (6), Leitner, Matic (2), Onamade (3), Popovski (3/2), Schild (3), Zhyla (4). Bemerkung: Verschossene Penaltys: 1:0.

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