Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

So verarbeitet die Frauen-Nati den Tod von Teamkollegin Ismaili

Erstmals seit dem Badeunfall von Nationalspielerin Florijana Ismaili steht ein Frauen-Länderspiel an. Der Verarbeitungsprozess läuft.
Raphael Gutzwiller
Blumen und Kerzen für die verstorbene Schweizer Nationalspielerin Florijana Ismaili. (Keystone)

Blumen und Kerzen für die verstorbene Schweizer Nationalspielerin Florijana Ismaili. (Keystone)

Vor dem Training wird gescherzt und gelacht. Während der Einheit wird motiviert und positiv kommuniziert. Die Stimmung unter den besten Schweizer Fussballerinnen ist gut. Wer in dieser Woche in Büsingen, der deutschen Exklave in der Nähe von Schaffhausen, dem Frauen-Nationalteam in der Vorbereitung auf die EM-Qualifikation zuschaut, sieht einem intakten Gefüge zu.

Alles wirkt so wie immer im Frauen-Nationalteam. Und doch ist alles so anders. Eine Spielerin, die sonst mit dabei war, fehlt: Florijana Ismaili. Die Nationalspielerin verstarb am 29. Juni nach einem Badeunfall im Comersee. Ein Ereignis, das insbesondere für langjährige Teamkolleginnen sehr belastend war. Auch zwei Monate nach dem Todesfall reagieren die Spielerinnen und Staff-Mitglieder emotional, wenn sie auf Ismaili angesprochen werden. Noëlle Maritz sagt:

«Klar, sind wir immer noch traurig.»

Die Bilder kommen wieder hoch

Vor allem jetzt, während des ersten Nati-Zusammenzugs seit dem tragischen Unfall, merken einige Spielerinnen so richtig, dass Ismaili fehlt. «Wenn man im Verein ist, denkt man vielleicht nicht so oft daran», sagt Maritz. «Doch jetzt sind wir zum ersten Mal wieder alle zusammen. Und Florijana fehlt schmerzlich. Da sind die Bilder am Anfang wieder hochgekommen», sagt Maritz. Beim Essen, beim Training, beim Spiel: Ismaili fehlt. «Sechs Jahre lang war sie Teil des Nationalteams. Sie hatte ihren Anteil an unseren sportlichen Leistungen. Dass sie jetzt nicht mehr dabei ist, ist unglaublich», sagt Maritz. Ismaili kam seit 2014 auf insgesamt 33 Länderspiele. An der Weltmeisterschaft 2015 in Kanada gehörte sie zum Endrundenkader.

Nach dem Tod von Ismaili nahm das Nationalteam geschlossen an der Beerdigung in Worben teil. «Für uns war es wichtig, als Team dabei zu sein und von ihr Abschied nehmen zu können», erzählt Ana-Maria Crnogorcevic, ebenfalls eine langjährige Teamkollegin im Nationalteam.

Gemeinsames Gespräch zur Verarbeitung

Sportlich zählte Ismaili in den vergangenen Jahren nicht zu den Stammspielerinnen in der Schweizer Equipe, trotzdem stand die Offensivspielerin regelmässig im Aufgebot. Sie wird den Teamkolleginnen als eher schüchterne Person in Erinnerung bleiben, die den Mittelpunkt nicht suchte. Erst nach ihrem Tod steht sie nun im Zentrum. Sie war am Dienstag Thema in einer gemeinsamen Runde, in der es darum ging, sich gegenseitig auszutauschen.

«Für viele war es wichtig, mit den Mitspielerinnen darüber zu reden», sagt Ana-Maria Crnogorcevic. «Doch jede Spielerin geht individuell damit um. Einige möchten lieber in der Gruppe reden, andere verarbeiten eine solche Tragödie lieber alleine.» Auch für die individuelle Trauer war Raum da.

Sportpsychologin Nina Jokuschies, die jeweils mit dem Frauenteam unterwegs ist, ist derzeit eine gefragte Ansprechpartnerin. Maritz erklärt: «Wenn wir wollen, können wir mit ihr sprechen. Sie ist für uns jederzeit, nicht nur während des Nationalmannschafts-Zusammenzuges, da.»

Auch abseits der offiziellen Gespräche kommen Nationalspielerinnen immer wieder auf Ismaili zu sprechen. «In vielen Gesprächen landen wir irgendwann wieder bei Florijana», sagt Maritz.

Noëlle Maritz (am Ball) sagt: «Florijana fehlt!» (Bild: Keystone)

Noëlle Maritz (am Ball) sagt: «Florijana fehlt!» (Bild: Keystone)

Langer Applaus statt Schweigeminute

Wie Ismaili am Dienstag vor dem Länderspiel gegen Litauen in Schaffhausen verabschiedet werden soll, durfte das Team mitentscheiden. Es soll keine klassische Schweigeminute für Ismaili geben, dafür aber einen lang anhaltenden Applaus als Zeichen der Anerkennung für all das, was Florijana Ismaili geleistet hat. Zudem wird das Nationalteam gegen Litauen mit Trauerflor spielen.

Trotz der Tragödie will sich das Schweizer Team danach auf den Sport konzentrieren. Ein Sieg gegen Litauen ist zum Start der EM-Qualifikation Pflicht. «Es muss für uns sportlich weitergehen», sagt Maritz.

«Wir wollen gegen Litauen gewinnen. Und wir werden für Florijana spielen.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.