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Sogar die Olympischen Spiele sollen sich nach dieser Sprinterin richten

Olympiasiegerin Shaunae Miller-Uibo ist eine der vielen Attraktionen beim Leichtathletik-Meeting Weltklasse Zürich– nicht nur ihrer Haare wegen.
Rainer Sommerhalder

«Welche Farbe?», will der Boulevard an der Medienkonferenz am Tag vor dem grossen Zürcher Leichtathletik-Meeting wissen. 400-m-Olympiasiegerin Shaunae Miller-Uibo pflegt das Erscheinungsbild der Haare ihrer aktuellen Stimmungslage anzupassen. Grün, blau, pink, violett oder silberfarben präsentierte die 25-Jährige ihre Frisur bei wichtigen Wettkämpfen schon. Ja, selbst mit oranger Haarpracht kam die Sprinterin, die sich selber als sehr scheu bezeichnet, schon daher.

Olympiasiegerin Shaunae Miller-Uibo für einmal in blau. (Bild: Vickie Flores/EPA, 18. August 2019, Birmingham)

Olympiasiegerin Shaunae Miller-Uibo für einmal in blau. (Bild: Vickie Flores/EPA, 18. August 2019, Birmingham)

Unabhängig von der Wahl gehört die 1.85 m grosse Athletin von den Bahamas sowohl über 200 m wie über 400 m zu den Allerbesten. Über die Bahnrunde war in diesem Jahr niemand schneller als die Olympiasiegerin von Rio, über 200 m ist sie die Weltnummer 3.

Zum Gespräch bringt Shaunae Miller-Uibo Vater Shaun und Mutter Mabelene mit. Sie werden am Donnerstagabend den Auftritt ihrer Tochter im Stadion verfolgen, was für die Familie eine Seltenheit ist. Aber Zürich und die Schweiz wollten die Eltern unbedingt erleben.

Viele Experten halten den 200-m-Lauf der Frauen für den Höhepunkt des Abends schlechtin. Nicht nur wegen Miller-Uibo oder der Schweizerin Mujinga Kambundji, die sich am Wochenende in Basel mit Schweizer Rekord (22,26) und dem Vorpreschen auf Platz 8 der internationalen Bestenliste, in Stellung gebracht hat. Mit Olympiasiegerin Elaine Thompson aus Jamaika, Weltmeisterin Dafne Schippers aus Holland, Europameisterin Dina Asher-Smith aus Grossbritannien und Blessing Okagbare aus Nigeria, der Zweitschnellsten der aktuellen Saison, ist das Starterfeld wohl besser besetzt, als es der WM-Final sein wird.

Ein Doppelstart ist mit dem aktuellen WM-Programm nicht möglich

Denn Shaunae Miller-Uibo wird in vier Wochen bei den Titelkämpfen in Doha nicht über 200 m starten. Sie konzentriert sich auf ihre Paradestrecke 400 m. Gezwungenermassen, denn der WM-Zeitplan ist nicht für die Kombination geschaffen, die sie als Einzige der Weltspitze praktiziert.

Auch das Olympiaprogramm im nächsten Sommer in Tokio lässt eigentlich keinen Doppelstart zu. «Aber wir versuchen zu bewirken, dass die Organisatoren der Olympischen Spiele den Zeitplan ändern», verrät Miller-Uibo. Dies hatte das IOC bereits einmal so veranlasst: 1996 in Atlanta ermöglichte man Michael Johnson Doppelgold über 200 m und 400 m. Noch wartet die in Florida lebende Miller-Uibo auf die Entscheidung.

Vor zwei Jahren stellte die stets lachende Athletin im Letzigrund einen Landesrekord (21,88) auf. Auch im letzten Jahr gewann sie den Final der Diamond League. Gar historisch war ihre Zeit im letzten Jahr in Monaco über 400 m: In 48,97 blieb sie als erste Frau seit zehn Jahren unter 49 Sekunden.

Bemerkenswert ist nicht nur ihre sportliche Kombination, sondern auch die familiäre Situation. Shaunae Miller-Uibo ist seit drei Jahren verheiratet mit dem estnischen Zehnkämpfer Maical Uibo. Seinem Einfluss ist es geschuldet, dass die Olympiasiegerin nach Tokio einen Versuch als Siebenkämpferin wagen will. Im Kugelstossen (11.48 m) und Hochsprung (1.70 m) ist sie bereits Landesmeisterin.

Soziales Engagement für benachteiligte Kinder

Wenn Shaunae Miller-Uibo an ihre Heimat denkt, erinnert sie sich immer auch an die vielen Kinder, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Deshalb hat sie nach ihrem Sieg in Rio die Shaunae Miller-Uibo-Foundation für benachteiligte Jugendliche auf den Bahamas gegründet. Diese ermöglicht den Kindern dank Stipendien eine Ausbildung. «Es sind die kleinen Dinge im Leben, die am meisten zählen. Ich möchte für die Jugendlichen eine Inspiration sein. Sie sollen eine Möglichkeit erhalten, ihre Träume zu erreichen.»

Auch sie selber ist noch nicht am Ziel ihrer Träume angekommen: «Ich will die bestmögliche Sportlerin sein.» Auch heute in Zürich. Egal, mit welcher Haarfarbe.

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