Pascal Zuberbühler
19-mal umziehen reicht dem Ex-Nati-Torhüter erst einmal

Pascal Zuberbühler ist der «King of the road». Zehntausende Kilometer legt der Ex-Nati-Goalie jährlich für seine Jobs zurück. Wie er das alles unter einen Hut kriegt «will ich gar nicht wissen», sagt Zubi, der mit seiner Familie in Derendingen wohnt.

Michael Schenk
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«Wenn es stimmt, nimmt man gerne Zehntausende von Kilometern jährlich per Zug und Auto in Kauf.» Pascal Zuberbühler über sein Pendlerleben.

«Wenn es stimmt, nimmt man gerne Zehntausende von Kilometern jährlich per Zug und Auto in Kauf.» Pascal Zuberbühler über sein Pendlerleben.

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Wahrscheinlich werden sie Derendingen ganz schön aufmischen», scherzt Pascal Zuberbühler von seinen Zwillingen Nevil und Nuria. Mit seiner spanischen Frau Bea und seinen am 9. Juli geborenen Kids wohnt der 51-fache Nationalspieler in einer Attika-Wohnung im solothurnischen Derendingen. 19-mal ist «Zubi» im Verlauf der letzten 18 Jahre mit seiner Partnerin umgezogen. 21 Jahre war er Profi bei GC, Basel, Leverkusen, Aarau, West Bromwich Albion, Xamax und Fulham.

Mehr muss vorderhand nicht sein. «Uns gefällt es ausgezeichnet in Derendingen», hält der gebürtige Frauenfelder fest. «Wir geniessen die Ruhe und die tollen Menschen in unserer Nachbarschaft.» Und auch sonst hat es Solothurn dem Mann, der so viel von der Welt schon sah und unter anderem Trainer der Nati-Goalies in Vietnam, Katar und auf den Philippinen war, angetan. «Stadt und die Umgebung sind wunderbar und es gibt viele Möglichkeiten, fein Essen zu gehen.» Darum ist zügeln derzeit «kein Thema.

Angekommen

Wenn es stimmt, nimmt man gerne Zehntausende von Kilometern jährlich per Zug und Auto in Kauf. Heute ist Zuberbühler primär bei Servette Genf als Goalie-Trainer und Technischer Direktor engagiert. «Ich bin in alle wichtigen Prozesse und Entscheidungen einbezogen. Seien es Transfers, strukturelle oder marketingtechnische Fragen.» Mit Präsident Hugh Quennec versteht sich der 43-Jährige ausgezeichnet.

«Der Job in Genf erfüllt mich sehr. Als Profi wurde alles für mich getan, jetzt habe ich Spass mit meiner Arbeit und meiner Erfahrung, etwas für andere zu tun», sagt Zuberbühler. Selbst wenn die «Laisser-faire»-Mentalität der Welschen für den vitalen Morgenmenschen, der um acht Uhr oft schon vier Stunden wach und darum parat wie eine kampfbereite Panzerhaubitze ist, manchmal «un tout petit peu» gewöhnungsbedürftig ist.

Eishockey noch Trumpf in Genf

Zuberbühlers Traum ist es, dabei zu sein, wenn das ruhmreiche Servette, das nächstes Jahr 125 Jahre seit der Gründung 1890 existiert und das zuletzt in den Erdboden gewirtschaftet wurde, wieder in die Super League zurückkehrt. «Ja, das ist ein realistischer Traum», sagt er. Infrastruktur, Junioren-Akademie, fähiges Personal, Leute mit Geld im Umfeld – eigentlich ist alles da, was nötig ist», hält der Wahl-Solothurner fest.

Allein, «die vielen Leute mit viel Geld wollen in Genf derzeit nichts wissen von Fussball. Eishockey ist Trumpf. Aber sie werden die Ersten sein, die wieder aufspringen, wenn der Karren läuft.»

Vollzeit-Pensum

Nebst Ehemann, Vater und Servette-Restaurator ist der sanfte Riese von 194 cm Höhe auch Fernseh-Experte beim «Teleclub» und Goalietrainer der U20-Nati. «Wie ich das alles unter einen Hut kriege, will ich gar nicht wissen.» Und dann doch: «Wahrscheinlich geben mir meine Kinder und meine Frau diese Kraft dazu.» Wobei Zuberbühler durchaus mit dem Gendanken spielt, das enorm zeitintensive Pensum zu reduzieren.

«Ich möchte meine Kinder schliesslich ja auch aufwachsen sehen.» Gegenwärtig, wenn sich Zubi um vier oder fünf Uhr morgens auf den Weg Richtung Genf macht, «ist das genau die Zeit, da sich die Zwillinge erstmals bemerkbar machen», sagt er. Wenn er dann abends eher später als früher nach Hause kommt, wenn überhaupt – «ich habe in Genf noch eine kleine Wohnung» –, schlafen Nevil und Nuria in der Regel.

Familien-Trainingscamp

Nun, eine Art Intensiv-Trainingslager punkto Windeln wechseln, Shoppen einflössen oder «Kinder-in-den-Schlaf-Wiegen» wird der Fussball-Star im Dezember haben. Dann, wenn er mit seiner Familie 14 Tage mit dem Wohnmobil nach Spanien verreist. «Ich freue mich extrem darauf», sagt Zubi. Schliesslich möchte er möglichst noch «alles machen, was er bisher nicht gemacht hat».

14 Tage im Wohnmobil mit zwei «Minis» gehören definitiv dazu und könnten möglicherweise eine sehr nachhaltige Erfahrung werden. Wer weiss, vielleicht wird er danach die eine oder andere besinnliche, stille Nacht-Fahrt nach Genf irgendwie schätzen...

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