Analyse
Will der EHC Olten aufsteigen, dann braucht es Leidenschaft – auf und neben dem Eis

Am Montagabend beginnt die Swiss-League-Playoff-Finalserie zwischen dem EHC Kloten und dem EHC Olten. Die grosse Frage ist: Haben die Oltner, was es braucht, um gegen den klar favorisierten Kontrahenten bestehen zu können? Die Antwort lautet: Ja. Aber es muss wirklich alles zusammenpassen.

Marcel Kuchta
Marcel Kuchta
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Das Kleinholz muss für Kloten eine uneinnehmbare Festung sein.

Das Kleinholz muss für Kloten eine uneinnehmbare Festung sein.

Marc Schumacher / freshfocus

Kann der EHC Olten Aufstieg? Diese Frage steht seit Monaten unbeantwortet im Raum und hat Spieler, Trainer, Funktionäre, Sponsoren, Gönner und vor allem die Fans des Klubs jeden Tag ein bisschen mehr umtrieben. Jetzt stehen die Oltner im Playoff-Final gegen Kloten. In spätestens zwei Wochen werden wir also eine Antwort auf diese Frage erhalten haben.

Sie schon jetzt beantworten zu wollen, ist unmöglich. Die Voraussetzungen sind auf dem Papier eigentlich klar. Der EHC Kloten mit seinem Riesenbudget und seiner noch grösserem Aufstiegssehnsucht ist der unumstrittene Favorit in dieser Finalserie und hat in der laufenden Saison vier von bisher fünf Direktduellen zwischen den beiden Equipen für sich entschieden.

Aber eben: Der EHC Olten hat in den vergangenen Monaten bewiesen, dass er eine Mannschaft besitzt, die in der Ausmarchung um den Swiss-League-Meistertitel (und folglich dem Aufstieg) ein ernsthaftes Wörtchen mitreden kann.

Aber was braucht es, um diese Herkulesaufgabe erfolgreich zu bewältigen? Klar ist: Beim EHC Olten muss in den kommenden zwei Wochen wirklich alles passen, damit man den EHC Kloten viermal besiegen kann. Die Schlüsselspieler müssen alle in Topform sein und dürfen sich vor allem nicht verletzen.

Generell muss jeder einzelne EHCO-Crack über sich hinauswachsen. Es benötigt den richtigen Mix aus Disziplin, taktischer Schlauheit, Mut und Leidenschaft, um den Favoriten in Bedrängnis zu bringen. Und nicht zuletzt den Glauben daran, dass man das auf dem Papier scheinbar Unmögliche trotzdem schaffen kann.

Oltens Vorteil ist sicher, dass man im Gegensatz zum EHC Kloten nicht aufsteigen muss, sondern darf. Selbst wenn es in diesem Jahr nicht klappen sollte, so wird das EHCO-Gebilde nicht auseinanderfallen.

Die Kontinuität ist gewährleistet, der Erfolgsdruck entsprechend massiv geringer als in der Flughafenstadt. Trotzdem: Die Gelegenheit mit dem direkten Aufstieg in die National League ohne den brutalen Umweg via Liga-Qualifikation (die im nächsten Jahr wieder eingeführt wird), ist heuer so günstig wie in absehbarer Zeit wohl nie mehr.

Auch deshalb sollte die ganze Eishockey-Stadt Olten die kommenden Playoff-Finalspiele mit der richtigen Einstellung angehen. Ja, es sind natürlich die Spieler auf dem Eis, die mit ihren Leistungen letztlich selber über ihr sportliches Schicksal entscheiden.

Trotzdem darf man die äusseren Einflüsse nicht unterschätzen. Nur wenn das Publikum im Kleinholz wie eine Wand hinter der Mannschaft steht und das Stadion zum Hexenkessel macht, dann kann der EHCO über sich hinauswachsen. Für die Klotener muss jeder Auftritt in Olten unbequem sein. Sowieso: Was gibt es schöneres als Playoff-Finalduelle?

Ausverkaufte Heimspiele wären auch für den Klub ein Lohn für das grosse Engagement neben dem Eis. Die Beflaggung der Bahnhofbrücke, die vielen Plakate, die Bierdeckel in den Oltner Beizen. Man hat kaum einen Werbeaufwand gescheut, um die Leute ins Kleinholz zu locken.

Diese Leidenschaft muss sich spätestens jetzt auch auf die Zuschauer übertragen. Dann ist es nicht ausgeschlossen, dass wir in wenigen Wochen in Olten den erstem Aufstieg des EHC seit 28 (!) Jahren feiern dürfen. Träumen ist auf jeden Fall erlaubt.