Fussball 2. Liga Inter

Dulliken Captain Nils Wernli: «Ein Trainer kann nicht bei allen beliebt sein.»

Nach einem miserablen Saisonstart ist der FC Dulliken in der 2. Liga inter bereits unter Druck – Trainer Herbert Fischer scheint mit seinem autoritären Führungsstil anzuecken.

Tobias Schalk
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Trainer Herbert Fischer scheint mit seinem autoritären Führungsstil anzuecken.

Trainer Herbert Fischer scheint mit seinem autoritären Führungsstil anzuecken.

Otto Lüscher

Fünf Spiele, zwei Punkte – nein, die Saison des FC Dulliken in der interregionalen Zweitliga ist überhaupt nicht nach Wunsch angelaufen.

Einer 1:2-Niederlage zum Auftakt im Derby gegen Olten, wobei man den entscheidenden Gegentreffer in der Nachspielzeit kassierte, liessen die Dulliker gegen Wettingen und Dietikon zwei 1:1-Unentschieden folgen, bevor gegen Gruppenfavorit Zofingen und Blue Stars Zürich wiederum zwei 2:3-Niederlagen resultierten.

Auffallend, dass der FCD dabei jeweils eine zwischenzeitliche Führung aus den Händen gab. Zuletzt gegen Blue Stars erfolgte der Genickbruch wiederum erst in letzter Minute.

Nils Wernli, Captain und derzeit so etwas wie die Dulliker Lebensversicherung in der Offensive – sechs der bisher sieben Saisontore gehen auf sein Konto –, erklärt: «Wir konnten immer mithalten, doch machten wir uns das Leben mit individuellen Fehler, die zu Gegentoren führten, selbst schwer. Das kostete uns wiederholt Punkte.»

Es sei eine Frage der Konzentration diese auszumerzen, meint er weiter und fordert: «Wir müssen alle mehr Einsatz und Siegeswillen über die vollen neunzig Minuten an den Tag legen.»

Bisweilen sei das nicht immer der Fall gewesen. In einer gemeinsamen Aussprache vorgestern Donnerstag, erst mit dem Staff und später geschlossen im Spielerkreis, seien sich am Ende alle einig gewesen und hätten sich einsichtig gezeigt, dass es so nicht weitergehen könne.

Der Trainer ist kein Thema

Wenn es sportlich nicht läuft, so ist immer auch der Kopf des Trainers infrage gestellt. Beim FC Dulliken pflegt Trainer Herbert Fischer, welcher im vergangenen Winter vom als zu brav kritisierten Vorgänger Massimo Saracino übernommen hat, einen autoritären Stil.

Aus dem Kreise der Mannschaft ist zu vernehmen, dass dieser nicht immer gut ankomme. So sind konkret die Abgänge der Leistungsträger Rouven Corti, Sandro Husi und zuletzt Thomas Hubeli (alle nach Wangen) ganz oder zumindest teilweise auf zwischenmenschliche Verwerfungen zurückzuführen.

Zweifel an den kommunikativen Fähigkeiten von Fischer zerstreuen Präsident Ueli Schenk und Sportchef Roland Gruner unabhängig voneinander: «Er verfolgt eine klare Linie und verlangt sehr viel von seinen Akteuren», «vielleicht zu viel», schiebt Schenk nach.

Insgesamt sei aber alles im Rahmen und die klare Linie durchaus gewollt. Schenk gesteht dennoch ein, dass zuletzt Gespräche mit Fischer geführt wurden, wonach er mit jenem Spielermaterial arbeiten müsse, das zur Verfügung stehe, ohne zusätzliche Akteure zu vergraulen. Unisono stärkt die sportliche Führung beim FCD Fischer aber den Rücken: «Ein Trainerwechsel ist gar kein Thema. Wir halten an «Hebi» Fischer fest.»

«Ein Trainer kann nicht bei allen beliebt sein», sagt auch Captain Wernli zur Verteidigung von Fischer. Er persönlich pflege ein gutes Verhältnis zu ihm, wo beide einander zuhörten und die Meinung äussern könnten.

Am Spielsystem liegt es nicht

Auch an der offensiven Einstellung, welcher Fischer seinem Team verordnet, entzweien sich die Geister. Denn einzig von den individuellen Fehlern könnten zehn Gegentore nicht herrühren. Bisweilen rennt der FCD mit drei Stürmern an, dafür ohne Flügelspieler und nur mit einem schmalen Mittelfeld.

So meint Aussenverteidiger Wayne Corti, dass in der Mitte oftmals ein Loch klaffe und man in der Rückwärtsbewegung viel zu offen stehe. In der Vergangenheit habe man eher auf Konter gelauert und sei damit gut gefahren.

Gleichwohl anerkennt er: «Es liegt nicht am Spielsystem, ob man gewinnt oder verliert». Trotz vielen offenen Fragen fordert Sportchef Gruner: «Es gilt nun Ruhe zu bewahren», und erinnert dabei an die Katastrophensaison vor vier Jahren als die Niederämter mit fünf Punkten in die Winterpause gingen und am Ende doch den Ligaerhalt schafften.

Weiter konzentriert arbeiten und die jeweiligen Aufgaben machen, laute die Devise. Captain Wernli pflichtet ihm bei: «Jetzt sind wir Spieler gefordert, Leistung zu bringen.» Am besten schon heute Samstag, wenn der FC Dulliken bei der spielstarken U21-Equipe des FC Aarau gastiert – keine leichte Aufgabe. Doch Wernli meint unmissverständlich: «Da müssen die ersten drei Punkte her.»