Swiss League

EHCO-Trainer Fredrik Söderström nach der 3:4-Derbyniederlage: "Das zeigt mir, dass wir doch eigentlich die Qualität haben"

EHCO-Trainer Fredrik Söderström sprach unmittelbar nach der enttäuschenden 3:4-Niederlage in den Katakomben des Stadions Schoren bedacht über die Leistung seiner Mannschaft. Der Schwede will das Positive aus Drittel zwei und drei mitnehmen.

Silvan Hartmann
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EHCO-Trainer Fredrik Söderström war frustriert über den Verlauf des Derbys in Langenthal.

EHCO-Trainer Fredrik Söderström war frustriert über den Verlauf des Derbys in Langenthal.

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Fredrik Söderström, eine 3:4-Niederlage nach einem 0:3-Startdrittel. Was sagen Sie zu einem solchen Start in ein Spiel, ein Derby in Langenthal?

Fredrik Söderström: Das ist ein absoluter Albtraum - ein furchtbarer Start. Es ist das absolute Gegenteil von dem, was wir brauchen, vor allem gegen ein solch starkes Team wie Langenthal, insbesondere auswärts. Dieser Start hat das gesamte Spiel beeinflusst. Aber ich habe den Jungs gesagt: Es ist grundsätzlich mehr oder weniger unmöglich, ein Spiel zu gewinnen, wenn man vier Tore erhält, daran müssen wir arbeiten. Meiner Meinung nach waren es vier individuelle Fehler von unterschiedlichen Spielern. Und ein solches Drittel ist umso frustrierender, weil wir das Spiel hätten gewinnen können, wenn wir diese individuellen Fehler nicht gemacht hätten.

Was sagen Sie zu den individuellen Fehlern?

Es ist nicht meine Art, jemanden nach einem Fehler noch zu steinigen. So ist unser Sport: Wir gewinnen und wir verlieren zusammen. Wir waren glücklich vor einigen Tagen, nun wieder nicht. Es gilt auch nach dieser Niederlage, wieder aufzustehen. Es überrascht mich nur sehr, dass wir diese individuellen Fehler begangen haben.

Warum?

Am Ende ist es meine Verantwortung. Ich habe den Spielern gesagt: Lasst es mich wissen, wenn ihr nicht versteht, was ich meine. Wir hatten am Freitagmorgen noch eine lange Videosequenz, wir gingen durch etliche Details, woran wir uns halten sollten. Ich bin unglaublich enttäuscht und es ist frustrierend, so zu verlieren und ich sah, dass es den Spielern genauso erging. Aber ich will Ihnen etwas sagen.

Nur zu.

0:3 zurück zu liegen nach 20 Minuten, darauf zu reagieren, wieder zurück zu kehren und näher am 3:3 zu sein als am 2:4 – das hat mich beeindruckt. Nur statt den Ausgleich zu schiessen, begehen wir wieder einen Fehler, eine fehlerhafte Entscheidung, was ihnen eine Chance ergibt - Boom, ein Tor. Es macht es nach einem solchen Auf und Ab unglaublich schwer, in den Kampf zu finden und den Ausgleich zu suchen, wenn man immer wieder zurückgeworfen wird.

Der SC Langenthal gewinnt das zweite Derby der Saison gegen den EHC Olten mit 4:3.
21 Bilder
Stefan Tschannen besiegelt die Oltner Niederlage im letzten Drittel.
Der EHC Olten kommt 30 Sekunden vor Schluss zum 3:4-Anschlusstreffer.
Swiss League, SC Langenthal - EHC Olten 23.10
Silvan Wyss scheitert an SCL-Goalie Pascal Caminada.
Diego Schwarzenbach beschäftigt die Langenthaler Verteidigung.
Der EHCO bringt sich dank einem Doppelschlag im zweiten Abschnitt zurück in die Partie.
Die Partie wird im zweiten Abschnitt hitzig.
Zwei Minuten nach dem Anschlusstreffer können die Oltner dank Silvan Wyss erneut jubeln.
Garry Nunn gelingt der Anschlusstreffer für die Powermäuse.
Der EHCO schlägt im zweiten Abschnitt zurück.
Der EHC Olten kann auf den Dreitore-Rückstand im ersten Drittel nicht reagieren.
Evgueni Chiriayev und Marc Kämpf führen einen harten Zweikampf an der Bande.
Oltens Topskorer Garry Nunn kommt in den ersten 20 Minuten nicht auf Touren.
Die Hausherren haben das Spielgeschehen im ersten Abschnitt im Griff.
Die drei Gegentreffer nehmen den Powermäusen komplett den Wind aus den Segeln.
Nach 16 Minuten muss sich Simon Rytz erneut geschlagen geben.
Simon Rytz wird im ersten Abschnitt mehrfach geprüft.
Der EHCO bringt sich dank einem Doppelschlag im zweiten Abschnitt zurück in die Partie.
Nach drei Minuten muss der EHCO den zweiten Gegentreffer hinnehmen.
Der SC Langenthal trifft bereits nach 8,3 Sekunden.

Der SC Langenthal gewinnt das zweite Derby der Saison gegen den EHC Olten mit 4:3.

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Wie lässt sich das verhindern? Woran liegts?

Ich glaube nicht, dass es zum Beispiel am System liegt, falls Sie darauf ansprechen wollen. Wir hatten kein Gegentreffer kassiert wegen eines blinden Forecheckings oder so ähnliches. Wir hatten zum Beispiel ein wirklich gutes Unterzahlspiel gezeigt, wir haben bloss schlechte Entscheidungen getroffen, die wir nicht hätten machen dürfen. Das macht es so unglaublich schwierig für mich als Coach, ich kann den Spielern dafür nicht das Genick brechen. Wir können uns nicht leisten, einen Spieler für seinen Fehler zu bestrafen und ihn auf der Bank zu lassen. Was man daraus lernen kann: Demütiger sein und sich an unseren Plan halten.

Das klingt doch einfacher, als es ist.

Nun, ich kann den Willen der Spieler nicht anzweifeln, sie haben gekämpft. Es ist ein unglaublich schlechter Start, wir waren in den ersten 10 Minuten nicht bereit und dafür sollten wir uns schämen. Ein Gegentor nach acht Sekunden, das ist nicht schönzureden. Aber was wir nach diesem ersten Drittel gezeigt haben, das war sehr gut. Das zeigt mir, dass wir doch eigentlich die Qualität haben. Wir müssen es nur schön verpacken und auf das Eis bringen. Das wird unsere grosse Challenge sein der nächsten Wochen.

Was haben Sie Ihren Spielern nach den ersten 20 Minuten gesagt? Sie haben Simon Rytz durch Matthys ersetzt.

Es mag ein paar bestimmte Worte gebraucht haben, das war auch nötig nach diesem Start. Das Wichtigste war aber, es mag vielleicht komisch klingen, dass wir unsere Köpfe aktivierten. Wir mussten mit mehr Cleverness agieren, wir spielten teilweise naiv, verloren viele Situationen und Zweikämpfe. Schliesslich brachten wir noch mehr harte Arbeit ins Spiel, was eigentlich die Basis war, den Anschluss zu finden.

Wie geht es nun weiter? Auch Sie haben derzeit wohl nicht nur Gedanken ans Eishockey?

Nein, es ist eine verrückte Zeit. Ich kann nur für mich sprechen, am Nachmittag all die News: Mit Visp ein weiteres Team in Quarantäne, Solothurn erlaubt noch 1000 Zuschauer, Bern führt verschärfte Massnahmen ein. Wir können für all diese Geschichten niemandem die Schuld zuweisen, wir sitzen alle im selben Boot und zwar weltweit. Wir müssen das Beste daraus machen. Kurzum: In Langenthal zu verlieren bedeutet noch keine Krise, eine Krise erleben wir mit dem Coronavirus. Aber ich muss schon sagen, dass das Ganze nun mit unserer sportlichen Situation uns auch nicht glücklicher macht. Ich hoffe sehr, dass wir nächste Woche Eishockey spielen können.