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Heinz Frei setzt Stundenmarke mit dem Handbike

Heinz Frei, der erfolgreichste Schweizer Behindertensportler aller Zeiten, legt im Velodrome in Grenchen im Alter von 59 Jahren mit dem Handbike 40,821 Kilometer zurück uns setzt eine neue Marke.

André Weyermann
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Am Donnerstagabend stellte Heinz Frei die erste Stundenbestleistung der Welt im Handbike auf. Heinz Frei auf dem Bahnoval unterwegs
19 Bilder
Er treibt das Rad per Handkurbel an
An der Seite wird ihm jeweils die Zeit angezeigt
1100 Zuschauer waren im Tissot Velodrome anwesend
Auch an der Bande feuern Fans den Behindertensportler an
Die Zeit läuft ab
Stundenweltbestleistung Heinz Frei im Velodrome
Heinz Frei wird im Ziel erwartet.
Heinz Frei nimmt die Gratulation von alt Bundesrat Samuel Schmid entgegen
Beim obligaten Interview. «Es war ein cooler Tag, aber auch eine der wohl längsten Stunden in meinem Leben», erklärte er.

Am Donnerstagabend stellte Heinz Frei die erste Stundenbestleistung der Welt im Handbike auf. Heinz Frei auf dem Bahnoval unterwegs

Thomas Ulrich

Was für ein Rennabend im Tissot Velodrome. Heinz Frei sorgte mit seiner Rekordfahrt für eine unvergessliche Stunde, die Damen erkoren ihre Schweizer Meisterin im Omnium in einer hochstehenden und packenden Konkurrenz; Kids, Junioren, Elitefahrer, die etwas älteren Semester und Wagemutige auf Militär-Rädern boten ebenfalls tollen Sport.

40 Kilometer hatte sich der 15-fache Paralympics-Sieger Heinz Frei als Ziel für seine Rekordfahrt gesetzt. Es wurde einiges mehr. Mit dem Handbike legte er in einer Stunde anlässlich dieser Weltpremiere 40,821 Kilometer zurück.

Es herrschte Gänsehaut-Stimmung kurz nach 20 Uhr im Schweizer Nationalstadion. Der Oberbipper Ausnahmeathlet war schnell gestartet, nun nach etwas mehr als einer halben Stunde wurde es so richtig hart. Das wusste er, das wussten auch die 1100 Zuschauenden. Sie feuerten ihn an, die letzten zehn Minuten sass kaum noch jemand auf den Tribünen oder im Innenraum. «Diese Unterstützung gibt Kraft. Jede Stimme, die man hört, jedes Gesicht, dass man erhascht, treibt einen vorwärts» erklärte ein erstaunlich frisch wirkender Heinz Frei nach seinem Husarenstück.

Der von Bahn-Nationaltrainer Daniel Gisiger gecoachte 59-Jährige sprach von einer seiner längsten Stunden: «Am Anfang ist man wie euphorisiert. Nach der Hälfte nimmt man sich vor, noch etwas zuzusetzen und gegen Ende wollen die Minuten kaum vergehen.» Sagt es und absolviert souverän und mit einer ungemein sympathischen Zuvorkommenheit den Gratulations- und Interviewansturm. Der Weltradsportverband (UCI) hat die Bestleistung bislang nicht anerkannt. Dennoch hat Heinz Frei eine Referenzzeit aufgestellt, die in Zukunft ganz bestimmt herausgefordert werden wird.

Beim zweiten Schwerpunkt des Abends, bei den Schweizermeisterschaften im Omnium der Frauen hat es sich gezeigt, dass auch bei den Damen im Schweizer Bahnradsport ein echtes Potenzial vorhanden ist. Im fünfzehnköpfigen Feld setzte sich die 23-jährige Andrea Waldis nach einem hochspannenden Wettkampf gegen die noch drei Jahre jüngere Aline Seitz durch. Beide sind eigentlich im Mountainbike beheimatet. Die Bronzemedaille gewann Virginie Perizzolo Pointet.

Ihren ersten grossen Auftritt hatten die jungen Athleten im Finale des Kids-Cup. Der souveräne Sieger hiess Noah Siegrist. Silber und Bronze gingen an die punktegleichen Roman Holzer und Jan Christen.

Europameister setzt sich durch

Herausragender Akteur bei der Elite war der amtierende Europameister im Scratch, Gaël Suter. Er setzte sich im Tempo Race, im Punktefahren und an der Seite des Junioren Joab Schneiter auch im Omnium durch. Die Gesamtwertung des Velodrome Suisse Cup (5 Rennabende) wurde eine Beute des Wiedlisbachers Gino Mäder. Bei den Frauen holte sich Aline Seitz den Gesamtsieg, in der Kategorie U17 der Spanier Carlos Serra und bei den U19-Fahrern Valère Thiébaud. Die beiden Junioren-Kategorien wurden übrigens vom Panathlonclub Solothurn unterstützt, einer Bewegung, die sich aus Persönlichkeiten auf dem Gebiet des Sports zusammensetzt.

Ungemein spannend machten es schliesslich die Ü40-Fahrer: Marcel Wullschleger und der Grenchner Sascha Plasa wiesen vor dem letzten Rennen im Scratch gleich viele Punkte auf. Der Lokalmatador machte mit seinem Sieg in diesem Distanzrennen auf der Bahn alles klar. Den guten achten Platz in der Gesamtwertung errang Jan Swager van Dok. Alle drei fahren für das im Velodrome beheimatete Team Velo-Art.

Hier gehts zur Resultatübersicht

Am Anlass gab es auch einen Kids Cup.
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Staempfli Mathieu
Hofstetter Nicola
Am gleichen Abend fand die Schweizer Meisterschaft der Frauen in Omnium statt
Omnium der Frauen
Omnium der Frauen
Mazzari Noe
Markwalder Zahra
Omnium der Frauen
Omnium der Frauen
v.l.: Wullschleger Marcel, Plasa Sascha, Ruckstuhl Beat Kategorie Ue 40

Am Anlass gab es auch einen Kids Cup.

Thomas Ulrich