Laufsport

Martina Strähl und das Bangen um die Olympia-Teilnahme nächsten Sommer

Martina Strähl hätte dieses Jahr an den Olympischen Spielen teilgenommen. Unter anderem dank einer Top-10-Platzierung am Berliner Marathon erfüllte die Solothurnerin dieses Jahr die Kriterien für die Olympischen Spiele. Nach deren Absage muss sie sich nun erneut qualifizieren.

Nicolas Blust
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Martina Strähl beim SM-Halbmarathon in Belp. Die Solothurnerin lief auf Rang zwei.

Martina Strähl beim SM-Halbmarathon in Belp. Die Solothurnerin lief auf Rang zwei.

Ulf Schiller/Freshfocus

Vier Jahre bereitete sich Martina Strähl auf die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio vor. Es sollte der Höhepunkt des Jahres, ja ihrer gesamten Vorbereitung, werden. Aufgrund der diesjährigen Absage der Spiele muss Strähl jetzt aber zittern, ob sie nächstes Jahr überhaupt starten darf. Diese Jahr wäre die 33-Jährige aufgrund ihrer Platzierung in der Weltrangliste für Olympia qualifiziert gewesen, dank eines Top-10-Resultats am Berliner Marathon. Nun gilt es, bis im Sommer die Limite von 2 Stunden, 29 Minuten und 30 Sekunden im Marathon zu unterbieten, um sich einen Startplatz an den kommenden Sommerspielen zu sichern.

Es war ein spezielles Jahr. Wegen dem Coronavirus fanden weder die Olympischen Spiele noch die Europameisterschaften statt. Die vielen Rennabsagen waren eine schwierige Situation für Martina Strähl vom LV Langenthal. «Dieses Jahr wusste ich gar nicht, für was ich trainiere», sagt Strähl. Trotz widriger Umstände konnte die in Horriwil wohnhafte Martina Strähl ihre Saison mit einem Podestplatz abschliessen. An den Leichtathletik Schweizer Meisterschaften wurde die Solothurnerin im Halbmarathon Zweite.

Trotz Silbermedaille nicht zufrieden mit dem Ergebnis

An das Rennen in Belp hat sie jedoch weniger gute Erinnerungen: «Es war kein Highlight für mich. Trotz gesundheitlichen Problemen im Vorfeld wollte ich das Rennen gewinnen.»

Ärgerlich für Strähl war vor allem der Verlauf des Rennens. Über weite Strecken führte die 33-Jährige das Rennen an und sah wie die sichere Siegerin aus. Auf dem letzten Kilometer wurde sie aber noch von der an zweiter Stelle laufenden Nicola Egger abgefangen und musste sich schliesslich mit der Silbermedaille begnügen. «Das Rennen war nicht super, deswegen war ich danach natürlich enttäuscht», blickt Martina Strähl auf das Rennen zurück. Mit einer Laufzeit von 1:13:46 lag sie deutlich über ihrer Bestzeit auf der Halbmarathon-Distanz, die bei 1:09:29 liegt.

Martina Strähl musste sich beim SM-Halbmarathon nur Teamkollegin Nicole Egger geschlagen geben.

Martina Strähl musste sich beim SM-Halbmarathon nur Teamkollegin Nicole Egger geschlagen geben.

Ulf Schiller/Freshfocus

Fokus liegt wieder auf den Olympischen Spielen

Nun gilt es, den Fokus erneut auf die Olympischen Sommerspiele zu lenken. Trotz der unsicheren Lage wegen des Coronavirus plant Strähl, so bald wie möglich, einen Marathon zu laufen. Dabei möchte die Horriwilerin die Olympia-Limite unterbieten und so die Qualifikation für den Grossanlass in Tokio sichern. Stand heute soll dieses Unterfangen Mitte Februar in Sevilla in Angriff genommen werden: «Ich plane bis zu diesem Event.» Da sie etwa drei Monate Formaufbau für einen solchen Wettkampf braucht, beginnen die Planungen und Vorbereitungen bereits in den nächsten Tagen und Wochen. Über die Wintermonate verbringt Strähl deswegen viel Zeit auf dem Laufband im Fitnessstudio. Den Luxus, in den kalten Monaten in die Wärme zu fliegen, um zu trainieren, liegt für Strähl nicht drin. Die 33-Jährige trainiert aufgrund ihrer Arbeit als Heilpädagogin an der Primarschule Gerlafingen vorwiegend von zu Hause aus.

Martina Strähl will 2021 wieder voll angreifen und sich für die Olympischen Spiele in Tokio qualifizieren.

Martina Strähl will 2021 wieder voll angreifen und sich für die Olympischen Spiele in Tokio qualifizieren.

Ulf Schiller/Freshfocus

Das erste Training beginnt bereits um 6 Uhr morgens

Der enge Terminplan zwingt Strähl dazu, ihr erstes Training bereits um sechs Uhr zu absolvieren. Danach geht es zur Arbeit in die Schule. Am Abend trainiert die Heilpädagogin dann noch ein zweites Mal. Bei diesem stressigen Trainingsplan ist es wichtig, viel Abwechslung zu haben. Deswegen läuft Strähl nur einmal täglich und weicht für das zweite Training auf das Rennvelo aus oder absolviert Krafttraining. Es gilt eben, die Balance zu halten.

Nach dem Wettkampf im spanischen Sevilla plant die 33-Jährige, eine Laufpause von ein bis zwei Wochen einzulegen, ehe sie mit der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele startet. Der Körper braucht nach einem Marathon schliesslich genügend Erholung. Im Optimalfall läuft sie dann noch einige kürzere Rennen, um die nötige Rennhärte zu erhalten.

Der Fahrplan für die Olympischen Sommerspiele 2021 in Tokio steht also. Es bleibt nur zu hoffen, dass Martina Strähl nicht erneut durch Wettkampfabsagen ausgebremst wird und sie sich für ihre harte Arbeit mit einer Teilnahme in Tokio belohnen kann.