Tennis

Thomas Michel sieht schon aus wie ein Schiedsrichter

Thomas Michel stand als Schiedsrichter auf allen grossen Tennisplätzen der Welt im Einsatz. Diese Woche sorgt er als ITF-Supervisor beim ITF Turnier in Trimbach für einen reibungslosen Ablauf.

Fabio Baranzini
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Thomas Michel schlug früh den Weg zum Schiedsrichter ein. Heute gibt er seine Erfahrungen an Jung-Referees weiter.

Thomas Michel schlug früh den Weg zum Schiedsrichter ein. Heute gibt er seine Erfahrungen an Jung-Referees weiter.

Fabio Baranzini

Thomas Michel agiert im Hintergrund. Das gehört für ihn zum Job. «Low profile» nennt er es. Und trotzdem: Den 37-jährigen Schaffhauser kennt man in der Tennisszene. Wer an einem der neun Profiturniere auf ITF-Stufe in der Schweiz teilnimmt, kommt nicht an Michel vorbei. Das liegt daran, dass er mit seinen zwei Meter Körpergrösse nur unschwer zu übersehen ist, aber noch viel mehr an seinem Job. Er ist ITF-Supervisor – derzeit der einzige in der Schweiz.

Diese Woche steht der zweifache Familienvater beim ITF Future in Trimbach im Einsatz. Er organisiert das Einschreiben der Spieler vor dem Turnier, nimmt die Auslosungen vor und erstellt die Spielpläne. Bei Unklarheiten betreffend Regelfragen ist er die letzte Instanz und muss zudem die Strafen für die Spieler ausstellen. Und dann ist Thomas Michel auch für das Schiedsrichter-Team verantwortlich, das während den neun Turniertagen in Trimbach zum Einsatz kommt. Für diesen Job braucht es neben der nötigen Ausbildung vor allem eines: viel Erfahrung. Und über die verfügt Thomas Michel.

Vier Jahre Profi
Bereits im Alter von 17 Jahren absolvierte er den Kurs zum Oberschiedsrichter und liess sich ein Jahr später zum Stuhlschiedsrichter ausbilden. Nach dem Abschluss der Matura arbeitete er vier Jahre als Profischiedsrichter auf den ganz grossen Tennisplätzen dieser Welt – auch auf den Center Courts der vier Grand Slam Turniere. Ein Match ist ihm besonders in Erinnerung geblieben: «2004 durfte ich erstmals auf dem Center Court von Wimbledon eine Partie leiten, Moya gegen Patience. Vom Spiel weiss ich nichts mehr. Ich war sehr nervös, denn Wimbledon ist ein ganz spezieller Ort, der Ursprung des Tennissports.»

Seit 2008 ist Michel nicht mehr als Schiedsrichter unterwegs, sondern entweder als Chefschiedsrichter – unter anderem bei den ATP–Turnieren in Gstaad und seit diesem Jahr auch in Genf – oder als ITF-Supervisor. Dank seiner zwanzigjährigen Erfahrung wird Michel von den Spielern respektiert. «Das ist mir sehr wichtig, denn in meiner Funktion muss ich auch unpopuläre Entscheide vertreten und Spieler bestrafen», so Michel, der bekannt ist für seine strikte Linie und seine direkte Art. Dennoch ist ihm der Zusammenhalt unter den Schiedsrichtern extrem wichtig. «Wir müssen eine verschworene Einheit bilden und uns gegenseitig unterstützen.»

Dozent und Schiedsrichter
Für seine Tätigkeit als ITF-Supervisor ist er in einem 40-Prozent-Pensum bei Swiss Tennis angestellt, wo er auch für die Ausbildung aller Schweizer Schiedsrichter zuständig ist. Zusätzlich leitet Thomas Michel seit zwei Jahren das Linienrichterteam an den Davis Cup und Fed Cup Heimspielen der Schweiz und arbeitet daneben als Dozent an der Pädagogischen Hochschule in Bern.

Seine grösste Leidenschaft ist und bleibt aber das Schiedsrichterwesen. Andreas Egli, ein Schweizer Spitzenschiedsrichter, bei dem Michel seinen ersten Kurs absolviert hatte, traf mit seiner Einschätzung ins Schwarze. «Du siehst aus wie ein Schiedsrichter, du solltest diesen Weg einschlagen», hatte dieser dem damals 17-jährigen Thomas Michel mit auf den Weg gegeben.