Motorsport

«Töfflibueb» auf der Höllenmaschine: Noah Dettwiler ist das nächste grosse Nachwuchstalent

Der 14-jährige Leimentaler Noah Dettwiler besitzt das Potenzial, der nächste Tom Lüthi zu werden. Im normalen Leben darf er gerade mal ein «Töffli» fahren. Auf der Rennstrecke sitzt Dettwiler auf einer 200 km/h schnellen Maschine.

Klaus Zaugg
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Noah Dettwiler tourt mit seinem Töff über die Rennpisten dieser Welt.

Noah Dettwiler tourt mit seinem Töff über die Rennpisten dieser Welt.

Selbst altgediente Biker würden von einer teuflisch schnellen Höllenmaschine reden. Sie röhrt wie ein Donnervogel und beschleunigt auf über 200 km/h. Aber wenn der Pilot seinen Helm abnimmt, dann kommt ein Bub zum Vorschein. Noah Dettwiler ist am 26. April erst 14 Jahre alt geworden. Im normalen Leben wäre er legitimiert, mit einem Velotöffli über die Landstrasse zu tuckern. Ein «Töfflibueb».

Noah Dettwiler fährt aber nicht auf der Landstrasse. Er braust über die Rennpisten dieser Welt. Letztes Wochenende über den Rundkurs von Jerez in Andalusien. Aus einem ganz bestimmten Grund. Der Solothurner aus Flüh im Grenzland zum Baselbiet gehört zu den talentiertesten jungen Rennfahrern weltweit. Er hat soeben seine zwei ersten Rennen im «Red Bull MotoGP Rookies Cup» bestritten (siehe Box).

Ein Bub pilotiert eine Höllenmaschine: auf den ersten Blick eine Verrücktheit sondergleichen. Auf den zweiten Blick hingegen einfach ein anspruchsvoller Sport. Riskant, aber mit einem berechenbaren Risiko. Die Rennstrecken sind heute so ausgebaut, dass eine schwere Verletzung nach menschlichem Ermessen ausgeschlossen werden kann und das Risiko einer Blessur nicht viel grösser ist als im Eishockey. Grosszügige Sturzräume garantieren, dass ein Fahrer nicht irgendwo aufschlägt, sondern wegrutscht oder «ausrollt». Genau das hat Noah Dettwiler bei seinem Debüt erlebt. Er hat im Rahmen dieser zwei ersten Rennen gleich im Zeitraffer ein ganzes Rennfahrerschicksal erlebt und erlitten.

Fingerbruch? Kein Problem

Im ersten Rennen am Samstagnachmittag holt er sensationell unter den 25 Nachwuchspiloten den ersten Punkt (15.). Aber am Sonntag stürzt er nach gutem Start. Kurz nach dem Rennen taucht er mit eingebundenem, fixiertem Arm auf – und ist doch guter Laune. «Kein Problem. Es ist bloss ein kleiner Bruch im kleinen Finger. In zwei Wochen bin ich wieder fit.» Beim nächsten Rennen in Mugello wird er also wieder dabei sein. Ja, er ist noch ein Bub. Aber mit erstaunlichem, sympathischem Selbstvertrauen. Er beruhigt einen besorgten Mitbewerber in fliessendem Englisch und erklärt die Verletzung.

Gustav Auinger ist eine österreichische GP-Legende und beurteilt und betreut beim «Rookies Cup» die jungen Piloten. Er ist von Noah Dettwiler beeindruckt: «Sein Talent steht ausser Zweifel. Er hat aber auch eine unheimliche Leidenschaft für diesen Sport, seine Freude wirkt ansteckend und er wird von seiner Familie grossartig unterstützt. Hier stimmt einfach alles.»

Die Privatschule machts möglich

Was eigentlich Pädagogen interessieren sollte. Es gibt nämlich eine Theorie, die besagt, dass junge Menschen, die eine Leidenschaft ausleben dürfen, in jedem Bereich ihr Talent viel besser entfalten. Dafür ist Noah Dettwiler ein wunderbares Beispiel. Er kann seine Leidenschaft Rennfahren nur ausleben, weil er bereits im zweiten Jahr eine Privatschule besucht (Minerva, Basel). Sein Vater Andy, Inhaber der Konstruktionsfirma Bau-Flex Dettwiler AG, sagt: «Es war unmöglich, in einer öffentlichen Schule für die Rennen freizubekommen. Deshalb haben wir uns für eine Privatschule entschieden. Solange seine schulischen Leistungen stimmen, sind die Abwesenheiten kein Problem.» Und wie kommt der Junge, der so oft im Unterricht fehlt, in der Schule zurecht? Sein Vater sagt nicht ohne Stolz: «Er ist der beste Schüler seiner Klasse.»

Eine seriöse Prognose ist nicht möglich. Weil so viele Faktoren eine Rennfahrerkarriere beeinflussen. Aber so viel steht fest: Noah Dettwiler hat das Potenzial, der nächste Tom Lüthi zu werden.