Turnen
Wenn Alter am Gymnastikfestival keine Rolle spielt

Der TV Subingen präsentierte am Regionalturnfest in Messen seine grosse Klasse in seiner Paradedisziplin. Dabei waren Teilnehmer bis zum rüstigen Alter von 78 Jahren im Einsatz.

Michael Schenk
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Mit Leib und Seele und voller Inbrunst dabei - die Subingerinnen bei ihrer gelungenen Vorstellung.

Mit Leib und Seele und voller Inbrunst dabei - die Subingerinnen bei ihrer gelungenen Vorstellung.

Michael Schenk

Der Samstagnachmittag gehörte am Regionalturnfest in Messen fast ausschliesslich dem TV Subingen. Zumindest was die Gymnastik-Darbietungen im Rahmen der 3-teiligen Vereinswettkampfes angingen. «Bei uns steht Gymnastik seit eh und je klar im Vordergrund», sagt Präsident Rolf Brunner. Leichtathletik und Spiele sind noch so das Ding der Wasserämter. Dafür ist man punkto Tanz und Eleganz, Witz und Kreativität, oder Akrobatik und Dynamik auf den verschiedenen Gymnastik-Bühnen mehr als zu Hause. Vor wenigen Wochen belegten die Subingerinnen und Subinger an einem Fest in Zuzwil vier Mal Rang zwei.

Eine Besonderheit des TVS ist die Gymnastik-Bühne-Truppe der Männerturner. «Wir sind wohl so ziemlich die Einzigen im Land, die als Männerturner noch eine Wettkampf-Gymnastik-Gruppe haben», sagt der neue Oberturner Adrian von Rohr. Bei den gestandenen Mannsbildern steht ansonsten eher Gesundheitsturnen und Spielen im Vordergrund. «Das machen wir natürlich auch», so von Rohr. Aber, man habe eben noch eine Gruppe, die sich zusätzlich der Gymnastik widme. Und wie: Der Auftritt der 36- bis 78-jährigen (!) Subinger gehörte zu den Höhepunkten in Messen.

Angefangen im Vereinsdress wechselte man während der Vorführung in den Sennemutz untermalt vom «Fyr vo dr Sehnsucht» und schliesslich ins hip-hope, giftgrüne Trägerhemd mit trendy Hut. Songmässig jetzt begleitet vom Titel: «Mir si alles geili Sieche». Tja, dem kann man nicht wirklich widersprechen. .

Alter schützt vor Einsatz nicht

Heiri Kröplin ist mit 78 der Älteste der aussergewöhnlichen Männerturner. «Meine Frau het mi überschnuret, no Mau mitzmachen», sagt er. Und auch seine Söhne, die ebenfalls mitturnen, hätten ihn aufgefordert, «komm, mach mit Vater» Neben Heiri stehen so auch Jürg (52, Urs (50) und Beat (48) Kröplin im Einsatz. An der Fitness fehle es ihm nicht, meint der überaus rüstige Rentner, der 1948 von Ostsee in die Schweiz nach Subingen kam. «Nur brauche ich halt heute länger als früher, mir Schrittfolgen einzuprägen ...», lacht Heiri.

Seit er in die Schweiz kam, ist er angefressener Turner. «Am Anfang ging es mir darum, mich in dem neuen Land zu integrieren», erinnert sich Kröplin. Das ist ihm vollauf gelungen. All die Chargen des mehrfachen Gymnaestrada-Teilnehmers und dessen Ämter aufzuzählen, die er während den letzten 66 Jahren innehatte, würde den Rahmen mehr als sprengen. Stolz ist er zweifellos darauf, während 20 Jahren zum Suisse Team Gym gehört zu haben. Einer Art Nationalmannschaft, wenn man so will, auf Stufe der Männerturner eben. Auf jeden Fall ist Heiri Köplin ein eindrückliches Beispiel und Vorbild für viele und steht so als Zeugnis, dass Turnen bis ins hohe Alter möglich ist. Ja, nicht nur das: Es hält auch fit und gesund.

Grosse Anzahl Mitglieder

Rund 450 Mitglieder zählt der TV Subingen und ist somit einer grössten Vereine weit und breit. «Bei uns soll jede rund jeder an Turnfesten zum Einsatz kommen», hält Präsident Brunner explizit fest. Freilich gibt’s da ja vielenorts hoch ambitionierte Vereine, die je nach dem einer besseren Note wegen nur die Besten am Wettkampf auftreten lassen. Beim TV Subingen ist das nicht so – auch nicht bei den Frauen, die für die Gymnastik-Bühne Darbietung verantwortlich zeichnen. «Vielleicht hätte es noch etwas synchroner gehen können, aber wir sind zufrieden», bilanziert Mitturnerin Monika Flury den Auftritt. Man müsse sich schliesslich auch immer den neuen Verhältnissen anpassen. Dem Boden zum Beispiel. Auch in ihrer Gruppe gibt’s Turnerinnen, die eben erst von der Jugendriege «aufgestiegen» sind und sich erst noch etwas angewöhnen müssen. Beim TV Subingen eben kein Problem.

Apropos Problem: Anders als just vor einem Jahr am Eidgenössischen, als die Subinger ihren Wettkampf nach dem ersten Teil am Donnerstag infolge Sturms abbrechen und erst am Sonntag beenden konnten, blieb es diesmal ruhig.