Swiss League.

Zurück auf Feld eins: Der EHC Olten in der Aufbauphase vor der Wiederaufnahme der Meisterschaft

Mehr als die Hälfte der Mannschaft wurde positiv auf das Coronavirus getestet, nun erlangt der EHC Olten nach überstandener ­Quarantänezeit trotz Rückschlägen schrittweise die Meisterschaftsform zurück – mittendrin: Verteidiger Janis Elsener.

Silvan Hartmann
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EHCO-Verteidiger Janis Elsener.

EHCO-Verteidiger Janis Elsener.

freshfocus/Marc Schumacher

Wer den Auftakt des Dienstagtrainings des EHC Olten mitverfolgte, der hätte sich nicht ausdenken können, dass hier eine Mannschaft auf dem Eis steht, von der mehr als die Hälfte am Coronavirus erkrankt war und doch erst eine zehntägige Quarantänezeit hinter sich gebracht hatte: Intensiv, lauffreudig und robust gings im Kleinholz zur Sache.

Doch zum Abschluss einer intensiven Einheit kamen die Spieler in Sprints von Linie zu Linie an ihre Grenzen, lagen nach getaner Arbeit wie tote Fliegen auf dem Eis herum. «Es ist hart. Ich habe das Gefühl, dass ich noch nicht ganz auf dem Niveau bin, das ich vor dem Coronavirus hatte. Aber es kommt gut», sagt Verteidiger Janis Elsener, einer der positiv getesteten Spieler.

Elsener: «Sollte es viel mehr schätzen, gesund zu sein»

Die Vorfreude auf die Wiederaufnahme der Meisterschaft, insbesondere gegen Aufstiegsanwärter Kloten, war bei den Oltnern gross. Doch weil bei den Zürcher Unterländern Coronafälle bekannt wurden, muss das Team in Quarantäne, womit das Spiel von heute Mittwoch verschoben werden musste. Stattdessen wurde das Spiel gegen Thurgau neu angesetzt. Die ursprünglich auf den 27. Oktober angesetzte und dann auf den 7. Januar verschobene Partie wird neu diesen Freitag im Kleinholz ausgetragen (wir berichteten).

Zwei Tage mehr Zeit, um die Form zurückzuerlangen, kommt dem EHC Olten gelegen, auch wenn es zur Folge hat, dass die Powermäuse in elf Tagen sechs Spiele bestreiten müssen. Ein Mammutprogramm, für das der EHC Olten gerüstet sein will. Trainer Fredrik Söderström sagt: «Es ist komisch. Es fühlt sich an, als würden wir uns für eine neue Saison vorbereiten. Aber wir müssen uns damit abfinden. Das harte Training soll keine Bestrafung der Spieler sein, es ist eine wertvolle Investition in die hoffentlich bald weiterführende Saison.»

Zurück auf Feld eins, heisst es also. Söderström schätzt das Gefühl eines Saisonstarts als etwas Gutes ein. Der aufgestaute, negative Druck aus den ersten acht Saisonspielen, wovon gerade mal drei nach 60 Minuten gewonnen werden konnten, soll – so hofft der EHCO-Head­coach – mittlerweile abgebaut sein, sodass die ­Oltner am Freitag gegen den HC Thurgau befreit aufspielen ­können.

Doch da sind eben diese teilweise doch noch spürbaren Corona-Nachwirkungen. So fehlt bei einigen der erkrankten ­Spielern doch noch die letzte Portion Kraft – die Lunge, die Arme, die Beine machen sich bemerkbar. Insbesondere bei hoher Belastung spüre er, dass er noch nicht tief durchatmen könne, sagt Janis Elsener.

Der EHCO-Verteidiger verzeichnete genauso wie viele andere am Wochenende nach dem Langenthal-Spiel erste Symptome, die sich dann am Montag mit stechenden Kopfschmerzen im Augenbereich verstärkten. «Am fünften Tag kam der Geschmacksverlust dazu. Ich hatte eigentlich alle möglichen Symp­tome», erzählt Elsener und ergänzt auf Nachfrage: «Es machte nicht unbedingt Angst, aber wenn das Virus sich so verbreitet hat wie bei uns, dann stimmt es schon etwas nachdenklicher. Wichtig ist vor allem, dass wir nichts langfristig mittragen.»

Weil WG-Kollege Cédric Maurer seine Isolation in seiner Heimat in Zug verbrachte, hielt sich Janis Elsener alleine in Olten auf. In den ersten vier, fünf Tagen sei an ein Homeworkout nicht zu denken gewesen. Erst, als die Symptome etwas nachliessen, raffte er sich zum Training in der eigenen Stube auf. Zudem tauschte sich Elsener telefonisch viel mit Familie, Freunden und Teamkollegen aus, die teilweise in derselben Situation steckten.

Der 23-jährige Zuger freute sich nach der Quarantäne umso mehr auf das Wiedersehen im Team. Weil es doch noch der eine oder andere gebe, der das Virus nicht eingefangen habe, spüre
er, dass sich jeder noch einmal «einen Zacken vorsichtiger» verhalte. «Es wurde mir während der Quarantäne wieder mal bewusst, wie sehr man es schätzen sollte, gesund zu sein.» Es sei für ihn belastend gewesen, dass er das Virus mutmasslich in seinem persönlichen Umfeld unwiss- entlich weitergegeben habe. «Ich bin einfach froh, dass niemand schwerwiegender erkrankt ist.»

Die Reaktion der Spieler falle sehr unterschiedlich aus, sagt Söderström. «Wir müssen ihre Erfahrungen berücksichtigen. Wir sollten den Spielern gut zuhören. Und wir haben ihnen gesagt: Seid ehrlich zu euch selbst, wenn ihr euch nicht wohlfühlt.»

4-6 Wochen out: Fogstad Vold verletzt sich am Knie, Fuss an die U20-WM?

Der EHC Olten kämpft derweil nicht nur mit Corona-Nach­wirkungen, sondern auch mit der dünnen Personaldecke, die sich wieder einmal akzentuiert: Stürmer Esbjörn Fogstad Vold verletzte sich vergangene Woche im Training ernsthaft am Knie. Erste Untersuchungen deuten auf ei-nen Ausfall von vier bis sechs Wochen hin.

Und blickt man in Richtung Dezember, dürfte eine weitere Stürmer-Personalie unter den Abwesenheiten erscheinen: Es ist davon auszugehen, dass SCB-­Leihgabe Noah Fuss ein Aufgebot für die U20-Nationalmannschaft erhält, die während Weihnachten/Neujahr an der WM in Edmonton teilnehmen wird.

Inklusive Vorlaufzeit – die Spieler dürften schon früh im Dezember in eine aus der NHL bekannten «Bubble» aufgenommen werden – wird also auch das Berner Talent den Oltnern mehrere Wochen fehlen. Immerhin: Die Huttwil- Stürmer Kent Daneel und Michael Lüdi konnten die Personalnot in diesen Tagen zumindest im Training etwas schmälern.