Später Geldsegen?
Holt der HC Davos 9 Millionen aus der Erbschaft von Peter Buser?

Der HC Davos spielt auf dem Eis gegen Zug um den Einzug in den Final. Neben dem Eis ist Präsident Gaudenz Domenig damit beschäftigt, dem HCD aus dem «Fall Buser», einem der spektakulärsten Sponsoren-Deals unserer Hockeygeschichte, eine Millionensumme zu sichern.

Klaus Zaugg
Drucken
HCD-Präsident Gaudenz Domenig (links) und Peter Buser (rechts) besiegeln im November 2019 ihre Zusammenarbeit.

HCD-Präsident Gaudenz Domenig (links) und Peter Buser (rechts) besiegeln im November 2019 ihre Zusammenarbeit.

Zvg / Solothurner Zeitung

Zur Erinnerung: Am 18. November 2019 haben Dr. Peter Buser bzw. dessen Stiftung «Res Ubique» und der HC Davos einen Sponsoring-Vertrag abgeschlossen. Bis 2027 sollten insgesamt 11,80 Millionen an den HCD fliessen. Im Gegenzug obliegt es dem HCD unter anderem Werbeschriften am Stadion anzubringen, allerlei Werbung beim Spengler Cup zu machen und auf dem Stadiongelände einen Musikpavillon zu errichten und zur Verfügung stellen.

Die erste Rate in der Höhe von 2,95 Millionen plus Mehrwertsteuer ist bei der Vertragsunterzeichnung von Peter Buser pünktlich bezahlt worden. Doch dann kommt es zum Streit, der auch in den gedruckten und gesendeten Medien hohe Wellen schlägt. Dabei geht es unter anderem auch um einen skurrilen Auftritt von Peter Buser im staatstragenden Fernsehen SRF, der den HCD-Oberen und weiten Kreisen der Bevölkerung missfällt.

Peter Buser will den Vertrag wieder auflösen, fordert die bereits bezahlten 2,95 Millionen plus Mehrwertsteuer (insgesamt 3,4 Millionen) zurück und betreibt den HCD. Seine Begründung: Die Gegenpartei habe ihre Vertragspflichten nicht eingehalten.

Keine behördliche Zustimmung für Musikpavillon

Was der HCD mit behördlichen Verboten begründet, für die er nicht verantwortlich sei. Der Spengler Cup 2020 und 2021 kann bekanntlich wegen der Pandemie nicht stattfinden und die Baubewilligung für den Musikpavillon wird von den zuständigen Stellen der obrigkeitlichen Administration im Dorf verweigert.

Am 29. Juli 2021 stirbt Peter Buser im Alter von 84 Jahren. Nun geht es darum, diese Angelegenheit zu regeln. Der HCD hat nach Vertrag nach wie vor knapp 9 Millionen (8,85 Millionen plus Mehrwertsteuer) von der Stiftung «Res Ubique» des Verstorbenen zugute. Und umgekehrt ist eine Betreibung in der Höhe von 3,4 Millionen von Peter Buser gegen den HCD nach wie vor hängig.

Auf Anfrage bestätigt HCD-Präsident Gaudenz Domenig, dass dieses Geschäft tatsächlich noch pendent sei und er sich damit beschäftige. Er sagt, es sei nicht ausgeschlossen, dass der HCD noch zu Geld kommen könnte. Im besten aller Fälle zu gut 9 Millionen. Hoppla! Wie das?

Hoffnungen durch Klausel im Vertrag

Stark vereinfacht gesagt: Der Vertrag ist zwischen dem HCD und der Stiftung «Res Ubique» abgeschlossen worden. Diese Stiftung soll aufgelöst werden. Bei einer Auflösung kommt die Forderung aus dem Vertrag mit dem HCD auf den Tisch. Wenn bei der Auflösung nicht mehr genügend Geld vorhanden ist, geht der HCD womöglich leer aus. Oder doch nicht?

Im achtseitigen Vertragswerk steht unter Rubrik 8: Dr. Buser haftet persönlich und solidarisch mit Res Ubique für sämtliche Zahlungen dieser Vereinbarung.

Das bedeutet konkret: Sollte bei der Auflösung der Stiftung nicht mehr genügend Kapital vorhanden sein, um den Vertrag mit dem HCD zu erfüllen, sind die Erben von Peter Buser im Spiel.

Frage deshalb an Gaudenz Domenig: Versucht der HCD das Geld – also die gut 9 Millionen - zu holen, allenfalls bei den Erben? «Ja. Wir prüfen die Angelegenheit.» Die Sache sei nicht gänzlich chancenlos. Und Anwaltskosten hat der HCD ja keine. Gaudenz Domenig ist ein hoch angesehener und erfolgreicher Rechtsanwalt und bereit, sich für den HCD, dem er ja als Obmann vorsteht, der Sache pro bono anzunehmen.

Pro bono kommt für die lateinische Wendung pro bono publico (= zum Wohle der Öffentlichkeit). Also für freiwillig geleistete, professionelle Arbeit ohne Bezahlung für eine gute Sache. Vor allem in Nordamerika verteidigen berühmte Anwaltskanzleien pro bono sozial benachteiligte Angeklagte, die sich keinen Strafverteidiger leisten können.

HC Davos braucht Geld fürs Überleben

Nun engagiert sich der Präsident für einen Klub, der sich keinen teuren Anwalt leisten kann: Der HCD erwartet diese Saison zum zweiten Mal hintereinander mehr als 3 Millionen Minus und muss im Herbst eine Aktienkapital-Erhöhung durchführen, um wirtschaftlich zu überleben.

Wie stehen die Chancen? Im Raum steht ja auch noch die seinerzeitige Betreibung von Peter Buser in der Höhe von 3,4 Millionen, gegen die der HCD Rechtsvorschlag erhoben hat. Dieser Rechtsvorschlag ist nicht beseitig worden. Im Gegenzug gibt es die oben erwähnte Forderung der Davoser für die restliche Vertragssumme in der Höhe von 8,85 Millionen Franken plus Mehrwertsteuer gegenüber der Stiftung «Res Ubique».

Die Leistung, die der HCD aus diesem Vertrag zu erbringen hat (u.a. Werbung) ist nach wie vor möglich, aber von den Behörden abhängig (Baubewilligung für den Musikpavillon). Wird die Stiftung «Res Ubique» aufgelöst, wird diese Gegenleistung obsolet (= überflüssig).

Nun sind die Mühlen der Advokaten und Behörden am Mahlen. Dabei geht es unter anderem um die Auflösung der Stiftung, die Anerkennung der HCD-Forderungen bzw. der Gegenforderung von Peter Buser und die Regelung des Nachlasses.

Davoser Heimspiel im Justiz-Playoff

Da im Vertrag unter Punkt 15 festgehalten wird, dass der Kontrakt ausschliesslich schweizerischem Recht untersteht und unter Punkt 15 Davos als Gerichtsstand festgelegt ist, hat der HCD in diesem interessanten juristischen Playoff Heimrecht. Es spielt nur bedingt eine Rolle, dass Peter Buser seinen Wohnsitz juristisch an der Gumersindo Sosa 1461 in 1827 Asuncion in Paraguay hatte.

Die Chancen in dieser Angelegenheit dürften für den HCD ungefähr so stehen wie im Playoff-Viertelfinal gegen die Rapperswil-Jona Lakers nach dem 0:3 Rückstand: Auch wenn es fast aussichtslos scheint, ist die Sache noch keineswegs verloren. Alles ist möglich. Aber erforderlich sind eine grandiose Leistung, harte Arbeit, Schlauheit und ein wenig Glück.

Und wenn wir sagen, Eishockey sei ein unberechenbares Spiel auf rutschiger Unterlage mit ungewissem Ausgang, so dürfen wir auch nicht vergessen: Bei Behördengängen, vor Gericht und auf hoher See sind wir in Gottes Hand.

Die ganze Angelegenheit ist auch ein Kampf gegen die Zeit: Die Uhren der Verjährung ticken. In zehn Jahren – 2031 – wird dieses juristische Playoff abgepfiffen. Auf die ein wenig polemische Frage, ob die Chancen, dass der HCD bis 2031 wieder Meister werde, grösser seien als die Chancen, aus dem «Buser-Deal» noch 9 Millionen zu holen, mag Gaudenz Domenig nicht antworten. Er sagt, er bitte um Respekt. Es sei eine ernsthafte Sache und es gehöre sich nicht, darüber Scherze zu machen.