Olympia-Serie

Spiel mit dem Unsichtbaren: Freeski-Profi Jonas Hunziker fliegt im Winter und Sommer durch die Luft

Früher fuhr er Skirennen, heute fliegt Jonas Hunziker sowohl im Winter wie auch im Sommer beruflich und aus Leidenschaft durch die Luft. Hoch über den Wolken kann der 23-Jährige abschalten, das Fliegen hat ihm aber auch einige Vorteile im Freeski verschafft.

Martin Probst
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Jonas Hunziker fliegt mit dem Gleitschirm oberhalb von Interlaken.

Jonas Hunziker fliegt mit dem Gleitschirm oberhalb von Interlaken.

Mario Heller

Normalerweise würde er laufen. Doch für die untrainierten Journalisten macht Jonas Hunziker eine Ausnahme und fährt mit dem Auto zum Startplatz weit oberhalb von Interlaken. Im Winter fliegt der 23-Jährige mit seinen Ski über Schanzen, im Sommer hebt er mit dem Gleitschirm ab. «Wenn ich den Schirm in den Rucksack packe und die Strecke hinauf zügig absolviere, ist das ein super Konditionstraining für den Winter», sagt er.

Das Panorama ist wunderbar. Während sich Jonas Hunziker lautlos schwebend den Wolken nähert, glaubt man, was er sagt: «Ich kann in der Luft aus- und abschalten. Für mich ist es ein Gefühl der Freiheit.» Ein Gefühl, das der 23-Jährige immer wieder sucht. So oft es die knappe Zeit im Sommer zulässt.

Hunziker verbringt mehr Zeit im Kraftraum. Dort erarbeitet er die Basis für den Winter, für die Zeit, in der er als einer der talentiertesten Freeski-Athleten von Swiss Ski Wettkämpfe bestreitet. «Als Kind bin ich Skirennen gefahren. Doch das alleine war mir zu langweilig und ich habe mir die Zeit zwischen den Läufen mit Saltos vertrieben», sagt Hunziker. Aus dem Skifahrer wurde der Freeskier.

Die Sportart, in der Hunziker im Slopestyle durch eine Art Hindernisparcours fährt oder im Big Air hoch und trickreich durch die Luft fliegt, war damals noch nicht weit verbreitet. Im Berner Oberland, wo er aufwuchs, gab es überhaupt keinen Verein. So führte Hunziker der Weg in den Aargau, zum Freestyle-Team Fricktal, das, obwohl weit weg von den Bergen, Pionierarbeit leistet. «Ganz abwegig war dieser Schritt nicht. Mein Vater ist ursprünglich Aargauer», sagt Hunziker.

Die Welt ist klein

In das Training fuhr Jonas Hunziker mit seinem Bruder Cyrill, der bis zu seinem Rücktritt 2017 ebenfalls im Weltcup startete. Komplettiert wurde die Fahrgemeinschaft von Kindern aus der Nachbarschaft. «Der Vater eines dieser Kinder wurde später mein Gleitschirm-Lehrer», sagt Jonas Hunziker. Die Welt ist klein. Von oben mit dem Gleitschirm sowieso.

«Für jeden Sportler sind Olympische Spiele magisch.» Jonas Hunziker

«Für jeden Sportler sind Olympische Spiele magisch.» Jonas Hunziker

Vor zwei Jahren hat Jonas Hunziker mit der Ausbildung begonnen. Rund 50 Starts und Landungen an mindestens fünf verschiedenen Flugplätzen braucht es, um das Brevet zu erhalten. Hinzu kommen viele Theoriestunden. «Das Faszinierende ist, dass man beim Fliegen mit Luft arbeitet. Also mit einer Materie, die nicht sichtbar ist», sagt Hunziker. «Man kann die Luft einzig als Wind spüren und die Bedingungen mit Messgeräten prüfen.» Der Rest ist Intuition und Gespür.

Dies braucht es auch auf der Skipiste. Auch dort fliegt Hunziker faszinierend durch die Luft. Schon an diesem Sommertag in Interlaken träumt er von den Olympischen Spielen in Südkorea. «Für jeden Sportler sind Winterspiele magisch», sagt er. «Obwohl im Freestyle-Bereich die X-Games sportlich sogar den höheren Stellenwert haben.» An den X-Games ist der Schweizer 2016 bereits gestartet, die Winterspiele in Südkorea sollen folgen.