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SPITZNAMEN: Kugelblitz gegen Kampfschwein

Im Spitzensport sind sie beliebt. Grimmig ging es in der Fussball-Bundesliga zu und her, wenn Marc Wilmots und Ailton gegeneinander spielten. Die Schweiz hat den Wolf, Österreich den Schneckerl.
Daniel Good
Franz Beckenbauer, auch «der Kaiser» genannt. (Bild: AP/Matthias Schrader)

Franz Beckenbauer, auch «der Kaiser» genannt. (Bild: AP/Matthias Schrader)

Daniel Good

Anhänger und Medien benutzen für Sportler zuweilen ziemlich brachiale Wortschöpfungen. Das «Kampfschwein» war Schalkes Marc Wilmots, der einst mit grossem Erfolg auch die belgische Nationalequipe betreute. Zum «Kugelblitz» wurde der trotz beträchtlicher Leibesfülle sehr flinke Ailton. Der Brasilianer hatte seine beste Zeit bei Werder Bremen. Im Herbst seiner Karriere spielte er auch für die Grasshoppers und Altach. Über allen steht in Deutschland indessen Franz Beckenbauer. Daher ist Beckenbauer «der Kaiser». Der Beckenbauer des Ostens war Hans-Jürgen, genannt Dixie, Dörner vom DDR-Club Dynamo Dresden.

In der Schweiz reichte es Richard Dürr immerhin zum «King». Der 2014 verstorbene Ballkünstler war in den 1960er-Jahren einer der besten offensiven Mittelfeldspieler der Schweiz. Er stand in seinen besten Zeiten zunächst bei den Young Boys unter Vertrag, die grossen Erfolge feierte Dürr aber mit Lausanne-Sports. Die Lausanner waren damals die «Könige der Nacht», weil sie unter Flutlicht besonders stark waren. Als Dürr für die Young Boys spielte, konnte es der lebensfrohe Ostschweizer mit dem strengen Albert Sing, dem damaligen Trainer der Berner, nicht so recht. Sing trainierte später auch St. Gallen und Luzern. Als Deutschland 1954 Weltmeister wurde, suchte Trainerassistent Sing am Thunersee das Mannschaftsquartier aus. Im Berner Oberland entstand der «Geist von Spiez».

Die Abbruch-GmbH des Wolfs

Ende der 1980er-Jahre brachte der Chilene Ivan Zamorano in der Schweiz die gegnerischen Verteidigungen zum Fürchten. Bald war der heute 50-Jährige «Ivan, der Schreckliche». Als Stürmer des FC St. Gallen erzielte er von 1988 bis 1990 in 56 Spielen 34 Tore. Dann setzte Zamorano seine Karriere bei Real Madrid und Inter Mailand fort. Noch treffsicherer als Zamorano war Gerd Müller. Der Stürmer von Bayern München und der deutschen Nationalmannschaft war deshalb der «Bomber der Nation».

Seinem Übernamen «Super Mac» nur selten gerecht wurde Markus Tanner. Der hochtalentierte, aber launische Tanner spielte vor 35 Jahren für den FC Basel, dann wurde er zum FC Luzern abgeschoben. In der Zentralschweiz traf Tanner auf den «Wolf» als Trainer. Paul Wolfisberg wurde später Schweizer Nationalcoach. Die Abwehr der Schweizer nannte man in der Ära von Wolfisberg in der ersten Hälfte der 1980er-Jahre «Abbruch-GmbH», weil sie bei der Verteidigung des eigenen Tors ziemlich unzimperlich vorging.

Einer der besten Spieler Wolfisbergs war der Zürcher Heinz Hermann. Der spätere Schweizer Rekordnational­spieler war wegen seiner Haarpacht der «blonde Engel». Die Haare haben Herbert Prohaska, einem der bis heute besten österreichischen Fussballer, zum Spitznamen «Schneckerl» verholfen. Der heute ziemlich kahle Prohaska war als Jugendlicher mit einem üppigen Lockenkopf, wienerisch Schneckerl, gesegnet. Äusserlichkeiten sind oft Namensgeber. Wegen seiner immer gleichen Frisur ist Rudi Völler seit Jahrzehnten «Tante Käthe».

Schweini und die Hand Gottes

Garrincha, der beste Spieler der WM 1962, wurde in Brasilien zum «Engel mit den krummen Beinen». Ein Bein Garrinchas war sechs Zentimeter kürzer als das andere. Zico, ein anderer Brasilianer, schaffte es zum weissen Pelé. Der argentinische Weltmeistercoach von 1978, der Kettenraucher César Luis Menotti, war «der Dünne» (El Flaco). Der ebenfalls sehr schlanke ehemalige italienische Nationalstürmer Alessandro Altobelli wurde «die Nadel» (Lo Spillo) genannt. Das Gegenteil ist Wayne Rooney. Wegen seiner Leibesfülle war der englische Goalgetter «The Barrel», das Fass.

Auch die Herkunft konnte zum Spitznamen führen. So war der aus dem Glarnerland stammende, mehrfache Schweizer Torschützenkönig Fritz Künzli der «Ziger-Fritz». Enzo Bearzot, der erfolgreichste italienische Nationaltrainer nach dem Zweiten Weltkrieg, kam aus dem Friaul und sprach nicht viel. Deshalb war Bearzot, der Italien 1982 zum WM-Titel führte, der «Schweiger aus dem Friaul».

Nie Weltmeister, aber der «General» war der 2005 verstorbene Rinus Michels, der ehemalige Trainer der Holländer. Der für seine rüden Methoden gefürchtete Felix Magath wurde unter den Spielern zum «Quälix». Der heute in China als Trainer aktive Magath hörte diesen Ausdruck nie gerne. Auch Bastian Schweinsteiger möchte nicht mehr «Schweini» sein. Diego Maradona hingegen ist es egal, wenn er als «Hand Gottes» bezeichnet wird.

Wer steckt dahinter? 1) Ailton, der Kugelblitz 2) Paul Wolfisberg, der Wolf 3) Ivan Zamorano, der Schreckliche 4) Franz Beckenbauer, der Kaiser 5) Kimi Räikkönen, der Ice Man 6) Herbert Prohaska, Schneckerl 7) Rudi Völler, Tante Käthe

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