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SPORT: Daniela Milanese: «Ich kann pedantisch sein»

Nicht schrill und laut, dafür angenehm unaufgeregt: SRF-Sportmoderatorin Daniela Milanese (39) verrät im Interview, dass sie sich wie ein Kind auf Sotschi freut – und dass sie schon mal beinahe vor laufender Kamera losgeheult hätte.
Interview Robert Bossart
Daniela Milanese wird während der Spiele in Sotschi im Studio Leutschenbach die Stellung halten. (Bild Philipp Schmidli)

Daniela Milanese wird während der Spiele in Sotschi im Studio Leutschenbach die Stellung halten. (Bild Philipp Schmidli)

«Schön, dass sie mit weiblichem Charme die männerdominierte Sportredaktion aufmischt», hiess es kürzlich in der «Glückspost» über Sie. Sehen Sie das auch so?

Daniela Milanese: Aufmischen? Nein, dafür bin ich schon zu lange in diesem Beruf. Ich habe vielleicht einen etwas anderen Approach als meine männlichen Kollegen, aber ansonsten mache ich die gleiche Arbeit wie sie.

Freut es Sie, wenn Sie in diesem Heft unter den 50 schönsten Schweizern auftauchen?

Milanese: Ich habe es selber nicht gesehen, aber meine Mutter ist jeweils diejenige, welche mir solche Nachrichten zuträgt (lacht). Klar freut mich das, es ist ja ein positives Feedback.

Täuscht der Eindruck oder sind Sie jemand, der zwar durch die Arbeit ab und zu im Rampenlicht steht, aber dieses gar nicht unbedingt sucht?

Milanese: Das ist so, ich orientiere mich nicht nach Beliebtheitsrankings und suche auch nicht ständig eine Bühne, um mich zu präsentieren. Mir ist vielmehr meine Arbeit als Sportjournalistin und Moderatorin wichtig, ich messe mich an meinen Leistungen und frage mich, ob ich meine Arbeit gut mache oder nicht.

In einem früheren Interview sagten Sie mal, dass Sie nicht darauf abzielten, das «Schätzchen der Nation» zu werden.

Milanese: Ich bin, was mein Privatleben betrifft, eher zurückhaltend und möchte das nicht in der Öffentlichkeit ausbreiten. Ein Journalist sagte mir dann, dass ich mit dieser Haltung nie zu einem Schätzchen der Nation werde – damit kann ich problemlos leben.

Haufenweise Interviews und Berichte über Sie habe ich ehrlich gesagt nicht gefunden, obwohl Sie seit vielen Jahren als Sportmoderatorin arbeiten.

Milanese: Ich werte das eigentlich als gutes Zeichen, denn «no news are good news», wie man so schön sagt. Um meine Person braucht man kein Tamtam zu machen.

Trotzdem stehen Sie vor der Kamera und präsentieren sich der Öffentlichkeit.

Milanese: Ich mache das sehr gerne, aber da bin ich als Journalistin tätig, es geht nicht um die Privatperson Daniela Milanese. Ich bin eher so etwas wie die Reiseleiterin für die Zuschauer – das ist eine Rolle, die mir Spass macht. Dabei muss ich übrigens nicht über mich reden, sondern über andere, das fällt mir leichter.

Für mich als Zuschauer wirken Sie meist angenehm unaufgeregt. Sieht es auch in Ihrem Innern so aus?

Milanese: Ja, mittlerweile kann ich sagen, dass die Person, die Sie vor der Kamera erleben, mir entspricht. Das bin ich.

Knifflige Momente gab es nie?

Milanese: Doch, als Roger Federer das French Open das erste Mal gewonnen hat, sind mir Freudentränen die Wange runtergekullert.

Hat man das gesehen?

Milanese: Nein, ich habe mich wieder gefasst, bis ich auf Sendung war.

Die Zuschauer hätten solche Emotionen vielleicht geschätzt ...

Milanese: Es hätte sicher für Gesprächsstoff gesorgt. Aber das will ich nicht, es geht wie gesagt nicht um mich, sondern um die Sportler und um die Sache.

Darf man als Sportmoderator auch Fan sein?

Milanese: Ich finde, man darf ein wenig patriotisch sein, wenn ein Schweizer Sportler so etwas Grosses wie ein Grand-Slam-Turnier gewinnt. Oder wenn die Fussball-Nati nächsten Sommer in den WM-Final käme. Aber es soll niemanden vor den Kopf stossen.

In knapp drei Wochen beginnen die Olympischen Winterspiele in Sotschi. Sie werden hier im Studio die Stellung halten. Wären Sie lieber mitten im Geschehen?

Milanese: Klar wäre das spannend, aber ich habe die letzten zwei Olympischen Winterspiele für SRF als Projektleiterin begleitet, und diesmal wirke ich auch wieder hinter den Kulissen mit und arbeite im Projektteam mit. Das macht auch viel Spass und ist eine grosse Herausforderung.

Und wie steht es um Ihre Gefühlslage bezüglich der bald beginnenden Olympischen Spiele in Sotschi? Business as usual, viel Stress oder ungetrübte Vorfreude?

Milanese: Es ist eine grosse Freude – und gleichzeitig bedeutet es viel Arbeit für alle. Der Hinterste und Letzte muss in dieser Zeit alles geben, damit es klappt. Es wird auch hektische Momente geben. Für mich besteht die Aufgabe darin, die Hektik auf dem Sender nicht sichtbar werden zu lassen.

Sind Sie ein Organisationstalent?

Milanese: Planen und organisieren, damit andere eine Topleistung erbringen können – das liegt mir.

Haben Sie auch pedantische Züge?

Milanese: Leute, die mich gut kennen, sagen, ich hätte eine pedantische Seite in mir. Ich würde es so formulieren: Ich arbeite sehr genau und habe sehr hohe Erwartungen an mich selber.

Im Vorfeld von Sotschi ist viel Kritik zu hören: 50 Milliarden Kosten, das unwinterliche Klima, die Diskussionen um homosexuelle Sportler, die in Russland nicht so gut ankommen, Terroranschläge, dazu die eher mässigen Leistungen der Schweizer Skifahrer – trübt das Ihre Vorfreude?

Milanese: In den Medien hört man viel Kritik, das stimmt. Man muss aber bedenken, dass für die Athleten Olympische Spiele der Höhepunkt – zum Teil sogar der Karrierehöhepunkt – ihrer Arbeit sind. Soweit ich weiss, ist für sie der Anlass perfekt organisiert und vorbereitet. Wir Sportmoderatoren befassen uns mit dem Sportlichen – um die andern Themen kümmern sich die Informations-Journalisten bei uns. Das eine tun heisst nicht das andere lassen. Man muss und soll solche Spiele offen und kritisch begleiten.

Welche Sportart haben Sie eigentlich am liebsten?

Milanese: Unterdessen bin ich eine Allrounderin und habe zu vielen Sportarten einen Bezug. Aber mein Herz gehört nach wie vor dem Eishockey – quasi meine erste Liebe. Pferdesport liegt mir auch nahe, weil ich das lange Zeit selber betrieben habe.

Und die Olympiasportarten?

Milanese: Da schaue ich mir eigentlich alles gerne an. Jede Sportart hat ihre faszinierende Seite.

Ist es einfacher, über Erfolg als über Misserfolg zu berichten?

Milanese: Wer berichtet nicht gerne über Siege und Erfolge? Natürlich sagt man uns Journalisten nach, wir würden uns immer mit Inbrunst auf das Negative stürzen, aber beim Sport ist es schöner, wenn die «Richtigen» gewinnen. Dann kommt man einfacher an die Athleten ran, sie erzählen auch etwas, und so weiter.

Treiben Sie selber auch Sport?

Milanese: Leider komme ich im Moment nicht mehr dazu. Aber ich bin Mutter eines zweijährigen Kindes, ich bewege mich zurzeit so viel wie noch nie im Leben.

Tatsächlich?

Milanese: Entweder ich renne ihm daheim in der Wohnung nach oder draussen (lacht). Er ist mein Sportprogramm im Moment.

Als frischgebackene Mutter sagten Sie, dass Sie zwar viele schlaflose Nächte haben, dennoch aber eine begeisterte Mutter seien. Ist das immer noch so?

Milanese: Das Erste stimmt zum Glück nicht mehr, aber die Erfüllung ist geblieben.

Als Sie 2003 als Sportmoderatorin begannen, war es noch nicht so selbstverständlich, dass eine Frau so etwas macht. Hatten Sie gegen Vorurteile zu kämpfen?

Milanese: Es gab auch Vorteile, zum Beispiel braucht es vielleicht etwas mehr, bis ein Sportler mir davonläuft, wenn ihm die Fragen nicht passen. Da spielt der Faktor Frau/Mann sicher eine positive Rolle. Nach wie vor problematisch wird es, wenn ich einen Fehler mache: Dann heisst es rasch, dass ich halt eine Frau sei und nichts von Sport verstehe. Wenn ein Mann einen «Seich» erzählt, ist man eher toleranter. Das hat sicher auch mit der gesellschaftlichen Wahrnehmung zu tun, dass Männer generell sportinteressierter sind und daher mehr darüber wissen. Aber ich glaube, wir Frauen sind diesbezüglich am Aufholen!

Wie reagieren Sie, wenn Sie mal einen Blödsinn erzählen?

Milanese: Zum Glück muss ich selber meist lachen, wenn ich etwas erzähle, das keinen Sinn macht. Wenn man über sich selber lachen kann, ist die Situation meist nur noch halb so schlimm. Zudem merke ich oft, dass die Zuschauer Freude haben, wenn nicht immer alles wie am Schnürchen läuft, wenn es auch mal «menschelt».

Sport ist eine Welt, in der jeder gewinnen will, in der mit Ellbogen gekämpft wird und jeder sich selbst der Nächste ist. Passt Ihnen das?

Milanese: Wer den Erfolg nicht sucht und will, der hat ihn nicht. Ehrgeiz finde ich gut, aber nicht auf Kosten von anderen. Man kann ehrgeizig und trotzdem fair sein, das eine schliesst das andere nicht aus. Sportler, die sich so verhalten, sind diejenigen, die ich bewundere. Da wären wir wieder bei Roger Federer: Er verkörpert das, finde ich.

Zurück zu Ihnen: Sie sind mit einem Süditaliener verheiratet und haben vor ein paar Jahren gesagt, dass Sie bis in ein paar Jahren perfekt italienisch sprechen können wollen, damit Sie sich mit Ihren Verwandten unterhalten können. Ziel erreicht?

Milanese: Ich rede für meine Begriffe fliessend, die Frage ist, wie fliessend es bei den Empfängern ankommt (lacht). Meine Schwiegereltern reden nur noch italienisch mit mir und verstehen mich gut.

Die viel beschworene Italianità ist mit Berlusconi und der Polit- und Finanzkrise ins Wanken geraten. Wie erleben Sie das?

Milanese: Italianità ist für mich mein Privatleben, und das hat nach wie vor viel Glanz. Italien bedeutet für mich trotz allem immer noch Lebensfreude, gutes Essen, Familiensinn. Diese Werte gibt es nach wie vor.

Sie sind hauptberuflich Mutter, das Fernsehmachen ist zu einer leidenschaftlichen Nebensache geworden, sagten Sie vor gut einem Jahr. Ist das immer noch so?

Milanese: Ich arbeite sehr gern, aber die grösste Aufgabe in meinem Leben ist – seit Ennio auf der Welt ist – mein Sohn.

Wow, das ist ein mütterliches Statement!

Milanese: Aber es stimmt, ich habe grosse Projekte beim Fernsehen realisiert, aber die grösste Aufgabe ist mein Kind. Das übersteigt emotional alle bisherigen Dimensionen. Aber für mich ist klar: Ich bin eine gute Mutter, weil ich arbeite, und ich bin eine gute, engagierte Arbeitnehmerin, weil ich auch noch Mutter bin. Es gibt mir eine gewisse Gelassenheit, es relativiert vieles, was vorher vielleicht zu wichtig war.

Erkennt Sie Ihr Sohn am Fernsehen?

Milanese: Ja, immer, wenn wir den Fernseher einschalten, denkt er, dass ich jetzt erscheine. Aber noch darf er nur ganz selten fernsehen.

Was interessiert Sie ausser Sport und Familie sonst noch?

Milanese: Reisen. Ich hatte das Glück, schon auf einigen längeren Reisen gewesen zu sein. Bevor Ennio in die Schule kommt, möchten wir darum auch als Familie noch etwas Grösseres unternehmen. Es gibt noch so vieles, das ich nicht gesehen habe und das es noch zu entdecken gibt.

Ihr Mann arbeitet als Projektleiter beim tpc – ein Unternehmen der SRG. Ist er Ihr härtester Kritiker?

Milanese: Das nicht, aber der ehrlichste. Er gibt mir gute Rückmeldungen, und darüber bin ich sehr froh.

Er ist als technischer Gesamtleiter für die SRG die nächsten sieben Wochen in Sotschi. Vermissen Sie ihn?

Milanese: Das ist eine lange Zeit, ja. Aber wenn jemand dafür Verständnis haben sollte, dann ja wohl ich (lacht).

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