Fussball
Der neue Modus mit Playoffs führt zu viel Empörung in der Fussball-Schweiz – dabei ist die Angst unnötig

Die Super League wird aufgestockt. Ab 2023/24 spielen 12 Mannschaften um den Titel. Dieser wird via Playoffs vergeben, genauso wie die Europacup-Plätze. Warum das für die Zukunft des Schweizer Fussballs eine grosse Chance ist.

Etienne Wuillemin
Etienne Wuillemin
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Was neu ist, löst zuweilen Angst aus. In diesem Punkt unterscheidet sich der Fussball nicht gross vom Leben. Und darum ist die Aufregung in der Schweiz gerade besonders heftig. Die Fans sind flächendeckend dagegen.

Eine der Ängste wegen Meister-Playoffs: Dass ein Verein, der die Qualifikation so dominiert wie in diesem Jahr der FCZ, plötzlich doch nicht Meister wird.

Eine der Ängste wegen Meister-Playoffs: Dass ein Verein, der die Qualifikation so dominiert wie in diesem Jahr der FCZ, plötzlich doch nicht Meister wird.

Michael Buholzer / KEYSTONE

Es wird sehr vieles neu im Schweizer Fussball. Ab der Saison 2023/24 spielen 12 statt 10 Teams in der Super League. Am Ende der Qualifikationsrunde finden Playoffs statt. Der Erste und der Zweite spielen den Titel aus, wer zuerst zweimal gewinnt, ist Meister. Auch die Plätze im Europacup werden mit Entscheidungsspielen vergeben.

Ja, es ist ein grosser Bruch mit der Tradition. Und natürlich sind Neuerungen immer auch mit Risiken verbunden. Aber es lohnt sich, diese einzugehen. Nur weil die Zuschauerzahlen stabil sind oder sogar leicht zunehmen und es in den letzten Jahren keine Konkurse mehr gab, muss man die Schweizer Liga nicht gleich zum Erfolgsmodell erklären. Auch der Erfolg der Nati hat nur bedingt damit zu tun. Im Gegenteil. Die Sorge, dass Nachwuchsspieler genügend Platz zur Entfaltung erhalten, ist zuletzt wieder grösser geworden. Zudem verfestigte sich in den letzten Jahren der Eindruck, dass die Fussball-Schweiz auf Klubebene im internationalen Vergleich den Anschluss verloren hat. Der neue Modus mit vielen Entscheidungsspielen könnte diesen Trend brechen.

Nein, es gibt keine Garantie, dass nur wegen einer 12er-Liga und Playoffs alles besser wird. Doch es ist richtig, etwas zu wagen. Die Spannung wird zunehmen, die Ausgeglichenheit wohl auch. Und das Interesse der Fans an den Qualifikationsspielen wird nur wegen Playoffs nicht kleiner. Das zeigt sich im Eishockey beispielhaft. Viel eher werden Menschen mit dem Schweizer Fussball in Berührung kommen, die bis anhin wenig Interesse daran hatten. Und davon profitieren am Ende alle.

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