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SPORTKLETTERN: Müller holt Kick in der Wand

Das Resultat an der Jugend-Weltmeisterschaft in Kanada entspricht nicht seinen Vorstellungen. Doch der Küssnachter Marco Müller (17) gehört zu den grössten Nachwuchstalenten.
Kurt Grüter
Immer den nächsten Griff im Visier: Marco Müller sucht in der Kletterwand nach der besten Lösung, um ganz nach oben zu kommen. (Bild Kurt Grüter)

Immer den nächsten Griff im Visier: Marco Müller sucht in der Kletterwand nach der besten Lösung, um ganz nach oben zu kommen. (Bild Kurt Grüter)

Die Muskelgrösse bei Menschen hat viele unterschiedliche Erscheinungsformen. Da gibt es Kraftsportarten wie zum Beispiel Schwingen. Hier verraten oftmals fast Furcht einflössende Oberarme die brachiale Kraft eines Athleten. Oder da gibt es Gewichtheber mit Oberschenkeln, die für jeden Hosenproduzenten eine echte Herausforderung darstellen. Aber es gibt auch Muskelkraft, die man fast nicht sieht und nur erahnen kann. Wer hat sich nicht schon gefragt, woher schmächtige «Bergflöhe» an einer Tour de France die Kraft hernehmen, am selben Tag mit fast spielerischer Leichtigkeit mehrere Alpenpässe hochzujagen. Und wer hat sich nicht schon gefragt, woher zierliche Sportkletterer eigentlich die Kraft nehmen, nur mit den Fingerspitzen an irgendwelchen Griffen zu hängen? Schauen sich diese eventuell abends einen Fernsehfilm, trainingshalber nur mit den Fingerspitzen an einem Türrahmen hängend?

Mit 12 Jahren erster Meistertitel

Der Küssnachter Marco Müller (17), soeben von der Jugend-Weltmeisterschaft in Kanada heimgekehrt, schmunzelt ob solcher Vorstellungen. «Die Fingerkraft ist beim Klettern ganz klar eine Voraussetzung. Doch diese holt man sich nicht an irgendwelchen Türrahmen, sondern durch regelmässiges Training am Campusbord – und natürlich beim Klettern selber.» Entscheidend ist aber nicht nur die Kraft, sondern auch die angewendete Technik. «Es gibt zwei Typen von Sportkletterern. Die einen klettern vor allem mit Kraft, die anderen mehr mit Technik. Ich selber würde mich eher zu den Technikern zählen.»

Marco Müller begann mit sieben Jahren zu klettern. «Meine Tante und mein Onkel haben mich jeweils mitgenommen und leichtere Touren klettern lassen. Das hat mir grossen Spass gemacht. Ich begann immer mehr zu trainieren.» Die Erfolge blieben nicht aus. Bereits mit 12 Jahren gewann er bei den U 14 seinen ersten Schweizer-Meister-Titel im Schwierigkeitsklettern. Zahlreiche weitere Titel kamen in der Folge dazu. Ohne nachzuschauen, weiss er gar nicht, wie viele es schon geworden sind.

Handicap durch Fingerverletzung

Inzwischen ist er altershalber in der Kategorie U 18 angelangt, und 2013 sieht für ihn – erstmals seit vielen Jahren – nach einer titellosen Saison aus. Im Schwierigkeitsklettern und im Bouldern gewann er «nur» SM-Silber. Trotzdem qualifizierte er sich für die Jugend-Weltmeisterschaft in Kanada – seinem zweiten Saisonhöhepunkt nach dem Weltcupdebüt in Innsbruck. «An einer WM dabei zu sein, ist ein tolles Gefühl. Es ermöglicht einem, sich mit den Besten zu messen», berichtet Marco Müller.

Wegen einer Fingerverletzung musste er im Vorfeld der WM eine Pause einlegen und reiste deshalb nicht optimal vorbereitet nach Kanada. «In der ersten Qualifikation lief es super, in der zweiten rutschte ich unglücklich aus und verpasste dadurch die Halbfinalqualifikation ganz knapp. Dennoch war es ein Riesenerlebnis, und ich habe wieder viel gelernt.»

Training in Thailand

Wie fast alle Sportkletterer ist der Küssnachter auch viel draussen am Felsenklettern. Draussen in der Natur zu klettern, ist technisch anspruchsvoller, vor allem bezüglich Fusstechnik. Seine bevorzugte Kletterregion in der Schweiz ist der Schlänggenwald in Engelberg mit seinen anspruchsvollen Routen. Im Winter trainiert er regelmässig auch in Thailand, der Heimat seiner Mutter. «In Krabi über weissen Sandstränden zu klettern und sich danach im Meer ein kühlendes Bad zu gönnen, ist wunderschön», lacht er. Es verkörpert für ihn ganz direkt jene Freiheit, die er an seiner Passion derart schätzt. «Ich bin nicht unbedingt der Teamplayer», erklärt er, «der von anderen abhängig sein will. In der Wand entscheide ich alles ganz allein und mit allen Konsequenzen – und das gefällt mir.» Und noch etwas macht für ihn die Faszination Sportklettern aus: «Es gibt nicht nur einen richtigen Weg. Für alles gibt es verschiedene Lösungen. Die für mich persönlich beste zu finden, ist der Kick dabei. Je besser man die Routen vor dem Wettkampf einstudiert, desto mehr kann man Kraft sparen. Die gewählte Taktik spielt dabei eine entscheidende Rolle, auch wenn man sie manchmal spontan ändern muss.»

Ziel: Im Weltcup Fuss fassen

In seiner Altersklasse dominiert Marco Müller, der wöchentlich zwölf Stunden ins Training investiert und überhängende Passagen als seine grosse Stärke bezeichnet, das nationale Ranking seit drei Jahren mehr oder weniger deutlich. In Zukunft möchte er möglichst viele Weltcupprüfungen bestreiten – und dabei, mit wachsender Erfahrung, international einen Schritt nach vorne machen. Talent, Wille, eine feine Technik, Kondition und die notwendige Fingerkraft sind seine Trümpfe auf dem Weg dorthin.

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