Sprint-Dominatorin
«Ich kann die Rennen Mal für Mal mehr geniessen»: Nadine Fähndrich gewinnt auch den Sprint im Val Müstair

Nadine Fähndrich ist derzeit im Langlauf-Sprint das Mass aller Dinge. Die 27-jährige Luzernerin dominiert beim Tour-de-Ski-Prolog im Val Müstair alle Finalrennen und holt sich bereits ihren dritten Weltcupsieg der Saison. Valerio Grond und Janik Riebli schaffen es mit starken Leistungen in den Halbfinal.

Ralf Streule aus Tschierv
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«Spätestens im Halbfinal merkte ich: Ich bin stärker als die anderen.» Nadine Fähndrich reist von Sieg zu Sieg.

«Spätestens im Halbfinal merkte ich: Ich bin stärker als die anderen.» Nadine Fähndrich reist von Sieg zu Sieg.

Bild: Mayk Wendt/KEY

Man hat sich bereits daran gewöhnt: An das Bild von Nadine Fähndrich, zuoberst auf dem Podest. Dabei hatte die 27-jährige Eigenthalerin vor dieser Saison erst einen einzigen Weltcupsieg erringen können. Nun sind es in diesem Winter bereits drei: Nach den Sprints in Beitostölen und Davos gewinnt sie auch den Tour-de-Ski-Auftakt im Val Müstair. Und dies mit einer Dominanz, die man in vergangenen Jahren höchstens von norwegischen Läuferinnen gekannt hat. Schon im Prolog hatte Fähndrich zwei Sekunden auf die Konkurrenz herausgelaufen, in den Finalrennen lief sie schliesslich stets vorneweg, ging so allen Rangeleien aus dem Weg und liess kaum einmal etwas anbrennen.

Als Schlüsselmoment nennt Fähndrich den Halbfinal – als sie, ohne an die Grenzen gehen zu müssen, Top-Läuferinnen in Schach halten konnte wie die Schwedinnen Maja Dahlquist und Frida Karlsson oder die Norwegerin Lotta Weng. «Ich merkte, dass ich stärker bin als die anderen und das Rennen gestalten und kontrollieren kann. Das gab mir Selbstvertrauen für den Final.»

Nadine Fähndrich sprintet vor Maja Dahlquist ins Ziel.

Nadine Fähndrich sprintet vor Maja Dahlquist ins Ziel.

Bild: Mayk Wendt/KEY

Obengenannte Athletinnen waren denn auch im Final noch einmal Gegnerinnen. Fähndrich gewann vor Dahlquist und Weng.

Von aussen betrachtet wirkt es, als würden Fähndrich ihre Siege je länger je einfacher fallen. «Einfacher fühlt es sich nicht an. Aber: Ich kann die Rennen Mal für Mal mehr geniessen», sagt Fähndrich. Zu sicher werden dürfe sie sich aber nicht, gerade auch hinsichtlich der WM im Februar. «Bis dahin werden alle noch einen Schritt machen.»

Fähndrich geht mit Vorsprung ins Rennen vom Sonntag

Mit dem Sieg im Val Müstair geht Fähndrich am Sonntag als Gejagte ins Verfolgungsrennen über 10 km klassisch am selben Ort. Eigentlich hatten die Organisatoren den Lauf zunächst als Massenstartrennen austragen wollen, weil die Rundstrecke aufgrund des wenigen Schnees verkürzt worden war. Die Entscheidung wurde aber am Freitagabend wieder über den Haufen geworfen: Da die technisch schwierigen Abfahrten in einem Massenstartrennen wohl zu herausfordernd gewesen wären, wird nun doch in der Verfolgung - mit Zeitabständen vom Vortag - gestartet. Dabei zählen auch die Bonussekunden mit, welche die Sprintspezialisten mitnehmen: 60 Sekunden gibt es für Sprintsieger/innen, für den 30. Sprintplatz werden noch vier Bonussekunden abgezogen. Fähndrichs Ziel, die Tour in den Top Ten abzuschliessen, wird also nach einer von sieben zu laufenden Etappen realistischer.

Grond und Riebli erneut mit einer Erfolgsmeldung – Klaebo gewinnt

Enttäuschte Gesichter nach dem Halbfinal, aber nur für kurze Zeit. Janik Riebli (rechts) wird Siebter, Valerio Grond Neunter.

Enttäuschte Gesichter nach dem Halbfinal, aber nur für kurze Zeit. Janik Riebli (rechts) wird Siebter, Valerio Grond Neunter.

Bild: Federico Modica/Freshfocus

Bei den Männern qualifizierte sich Nadine Fähndrichs Bruder Cyril ebenfalls für die Finals - musste sich dort aber in den Viertelfinals geschlagen geben. Einmal mehr stark war die Darbietung der beiden jungen Sprinter Janik Riebli und Valerio Grond. Beide starteten im selben Halbfinal und wurden dort nur knapp geschlagen. Der Zentralschweizer Riebli holte sich mit Platz 7 sein Weltcup-Bestresultat. Der Bündner Grond durfte mit seinem 9. Platz ebenfalls sehr zufrieden sein, zumal er in den vergangenen Wochen lange an einem Infekt gelitten hatte und deshalb den Sprint in Davos vor zwei Wochen hatte auslassen müssen. «Ganz auskuriert ist es noch nicht. Heute Morgen dachte ich nicht, dass ich überhaupt die Qualifikation überstehe», sagte er, der den Prolog souverän als Siebter abgeschlossen hatte. Riebli wie auch Grond werden auch am Sonntag in der Verfolgung antreten.

Ebenfalls in den Sprint-Viertelfinal hatte es Roman Schaad geschafft. Zurückgebunden wurden am ersten Tour-Tag hingegen erwartungsgemäss jene Schweizer Läufer, die nicht zu den Sprintspezialisten gehören, wie Jonas Baumann (71.) oder Beda Klee (49.).

Gewonnen wurde der Sprint von Johannes Klaebo, der sich für die zwei jüngsten Niederlagen gegen Federico Pellegrino revanchieren konnte und mit knappem Vorsprung vor dem Italiener ins Ziel kam.

Johannes Hoesflot Klaebo gewinnt knapp vor Federico Pellegrino (nicht im Bild).

Johannes Hoesflot Klaebo gewinnt knapp vor Federico Pellegrino (nicht im Bild).

Bild: Mayk Wendt/EPA