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SPROT: René Leupi: Sein Herz schlägt für den Regionalsport

René Leupi ist ein langjähriger Mitarbeiter im Ressort Regionalsport und der eigentliche Kopf des «Sportjournals». Kaum jemand in der Redaktion steht in so engem Kontakt mit der Leserschaft wie er.
Interview Roger Rüegger
René Leupi, Chef Regionalsport, 62 Jahre alt. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

René Leupi, Chef Regionalsport, 62 Jahre alt. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Der in Schötz aufgewachsene 62-jährige Hobbyfussballer steht beruflich auf regionalen Sportplätzen und darf fürs Geschäft auch mal schnelle Autos fahren. Obwohl er einen Traumberuf hat, arbeitet er in seinen Ferien extrem hart in einer ganz anderen Sparte.

René Leupi, für viele Hobbysportler ist es wichtig, den eigenen Namen oder das Resultat seiner Mannschaft in der Zeitung zu sehen. Das «Sportjournal» unserer Zeitung bietet seit vielen Jahren einen Service, der schweizweit einzigartig ist. Wie gross sind die Rückmeldungen auf Ihre Arbeit?

René Leupi: Die Leserbindung ist nirgendwo so gross wie im Regionalsport. Ich werde immer darauf angesprochen, wenn ich auf einem Sportplatz in der Region bin.

Also an jedem Wochenende?

Leupi: Fast. Ausgenommen in den Sommermonaten. Denn in den Monaten Juli und August mache ich jeweils Ferien und bin nicht auf Sportplätzen anzutreffen.

Zwei Monate Ferien am Stück. Was für ein Leben ...

Leupi: Ja genau. Ich freue mich sehr auf die zwei Monate, in denen ich als Knecht einem Bergbauern im Bündnerland beim Mähen und Heuen helfen kann. Herrlich.

Sie sprachen von Ferien!

Leupi: Ich befinde mich ja nicht im Maihof im Büro, wo mein Arbeitsplatz ist. Wir arbeiten an steilen Berghängen und gehen dabei bis auf 2500 Meter über Meer. Für meinen Einsatz erhalte ich vom Bauern Kost, Logis und ein Sackgeld. Zudem sind die Leute für die Hilfe unendlich dankbar. Das spürt man jeden Tag. Wenn ich nach zwei Monaten wieder verreise, kommt das ganze Tal, um mich zu verabschieden, so als wäre ich 30 Jahre bei ihnen gewesen. Das ist unbezahlbar. Ferien im eigentlichen Sinne brauch ich nicht.

Weshalb macht man so etwas?

Leupi: Ich suchte vor einigen Jahren einen Tapetenwechsel und entschied mich, auf eine Alp zu gehen. Das ist seither mein Beitrag an die Umwelt. Zudem verrichten die Bergbauern wichtige Arbeit, indem sie die Hänge abmähen. Täten sie es nicht, würden viele Wanderwege mit der Zeit unpassierbar.

Bevor Sie wieder zur Alp fahren, erzählen Sie uns noch etwas über Ihren Job beim Regionalsport. Welche Feedbacks bekommen Sie?

Leupi: Allerlei. Das Schöne ist, dass es positive und negative etwa im selben Verhältnis gibt. Dazu muss ich anmerken, dass die Leute, die nicht zufrieden sind, in der Regel sachlich bleiben. Das ist mir allemal lieber, als wenn die Leute schweigen, aber denken, wir würden einen schlechten Job machen.

Dass Sie Kritik einstecken müssen, liegt auf der Hand. Oft haben Sportler den Eindruck, dass ihre Disziplin in der Zeitung mehr Beachtung finden sollte. Wie erklären Sie den Leuten, wenn ihre Anliegen nicht berücksichtigt werden?

Leupi: Indem man ihnen die Sachzwänge vor Augen führt, etwa dass wir nicht über unendlich viel Platz verfügen. Oder dass wir die Prioritäten auch im Regionalsport nach erbrachten Leistungen setzen.

Können die Leute das nachvollziehen?

Leupi: Ja. In den 29 Jahren habe ich nur mit zwei Personen den Rank nicht gefunden. Und in einem Fall hat einer, den ich als guten Fotografen kannte, reklamiert, dass wir zu wenig über Leichtathletik bringen. Ich sagte ihm, er dürfe gerne ein Bild von einem kommenden Leichtathletik-Anlass machen und dazu einen Text von 80 Zeilen liefern. Das Bild brachte er um zwölf Uhr nachts, den Text brachte er am andern Morgen um acht Uhr vorbei. Der Mann meinte, er habe die ganze Nacht an dem Bericht gesessen und er werde nie mehr reklamieren. Dies, weil er die Arbeit sah, die nötig ist, bis ein Artikel den Weg in die Zeitung schafft.

Das war zu der Zeit, als das «Sportjournal» noch als Beilage im Tabloid-Format erschien. Wie haben Sie den Entscheid aufgenommen, das Journal in dieser Form zu beerdigen?

Leupi: Das Verschwinden der Tabloid-Beilage hat mich wohl am meisten geschmerzt. In dieses Produkt investierte ich viel Herzblut. Die Leser ihrerseits hatten etwas Griffiges in der Hand, welches sie aus der Zeitung nahmen und das eine Woche lang auf dem Stubentisch lag. Nun sind die regionalen Geschichten nicht mehr kompakt, sondern auf mehrere Tage verteilt im Sportbund und dafür aktueller.

Sie spielten viele Jahre in Schötz Fussball. Mit Fussballern kommen Sie bestimmt immer klar?

Leupi: Meistens schon. Der Fussballer ist ein sehr intensiver Leser, und von ihm erhalten wir die meisten Rückmeldungen.

Sie schrieben für den «Willisauer Boten» Matchberichte. Verfassten Sie auch die, in denen Sie selber mitspielten?

Leupi: Ja klar, das ist nicht unüblich.

Interessant. Bei der Benotung hatte Leupi hoffentlich nicht immer eine 6!

Leupi: Aktionen von mir kamen so gut wie nie vor.

Ausser natürlich, wenn Sie als Torschütze auftraten?

Leupi: So brandgefährlich war ich nicht. Aber es gibt Berichterstatter, die Beiträge über ihr eigenes Team schreiben und sich gerne hervorheben.

Wenn es nicht zu heldenhaft daherkommt, gehts ja noch. Wie war die Berichterstattung im regionalen Sport damals im Gegensatz zu heute?

Leupi: Früher wurden viel mehr Ranglisten im Print publiziert. Inzwischen findet man die Tabellen aber bereits zehn Minuten nach einem Spiel im Internet. Also schreiben wir heute Geschichten, und die werden fast immer an Personen aufgehängt.

Wie erlebten Sie vor dem Internet-Zeitalter die Arbeitstage? Ich denke an die Sonderbeilagen beim Lucerne Marathon oder beim Stadtlauf. Das müssen ja unglaublich intensive Momente gewesen sein?

Leupi: Und wie. Die Resultate kamen noch vor wenigen Jahren alle per Fax rein. In Spitzenzeiten waren wohl gegen 10 Tipperinnen angestellt, die nur Ranglisten abschrieben. Die Namen der Teilnehmer waren das Wichtigste. Und ich darf sagen, dass wir beim Marathon – wo wir 28 Seiten produzierten – und auch im Stadtlauf mit 48 Seiten, kaum auch nur eine Person vergessen hatten.

Im «Sportjournal» konnten Sie aber nicht immer die vollständigen Resultattabellen publizieren?

Leupi: Genau. So kam es, dass mich eimal eine Leichtathletin anrief und fragte, ob ich etwas gegen sie hätte. Denn es kam mehrmals vor, dass wir ihren Rang beziehungsweise ihren Namen nicht publi­zierten, weil sie immer just dort platziert war, wo wir mit der Publikation aufhörten.

Wie erklärten Sie ihr die Situation?

Leupi: Ich sagte ihr, dass es nicht persönlich sei.

Das funktionierte?

Leupi: Sie fragte, was sie denn tun müsse, um in die Tabelle aufgenommen zu werden. Ich riet ihr, schneller zu laufen. Sie nahm es mit Humor.

Im darauffolgenden Rennen konnte man hoffentlich ihren Namen in der Zeitung lesen?

Leupi: Das weiss ich nicht mehr.

Sie sind gelernter Automechaniker. Wie haben Sie den Wechsel vom Schrauber zum Schreiber vollzogen?

Leupi: Durch eine Weiterbildung an einer Handelsschule. Ich arbeitete später im Sport- und im Versicherungsgeschäft. 1987 trat ich eine 50-Prozent-Stelle beim «Sportjournal» an.

Sie haben neben dem Fussball auch eine Affinität fürs Velofahren?

Leupi: Ja. Ich war als Bub viel mit dem Rennvelo unterwegs und trainierte mit den Gebrüdern Thalmann. Ich entschied mich aber für den Ballsport. Vielleicht hätte ich es als Velofahrer weiter gebracht. Dafür war ich bei den Velorennen in Schötz lange Zeit Speaker. Ich mag den Radsport sehr.

Sie sind leidenschaftlicher Jogger. Bestreiten Sie auch Läufe?

Leupi: Nein, schon seit Jahren nicht mehr. Ich weiss, wie langsam ich bin, muss mir das nicht noch an Läufen vor Augen führen.

Stichwort langsam. Sie sind schon auch flott unterwegs. Zum Beispiel, wenn Sie für die Verlagsseite Testberichte über Autos schreiben, die Sie während mehrerer Tage auf Herz und Nieren prüften. War da nicht ein Prunkstück aus dem Hause Porsche?

Leupi: Dieser Porsche 911 Turbo mit 480 PS war ein Traum. Den hätte ich am liebsten behalten. Aber es wäre ein teures Hobby geworden. Eine einzige Fahrt kostete mich 480 Franken, weil ich am Schweizerhofquai geblitzt wurde.

Wobei ein Franken pro Pferdestärke ein fairer Preis ist?

Leupi: So habe ich die Sache bisher nicht betrachtet. Aber ja, man kann es so sehen.

Interview Roger Rüegger

Autoren: Alle Beiträge der Serie «Menschen hinter den News» finden Sie im Internet auf der Seite www.luzernerzeitung.ch/autoren

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