SQUASH: Eine Pause auf der Reise nach oben

Vor zwei Jahren zog Sarah Lüdin vom aargauischen Erlinsbach nach Luzern, um Schule und Sport zu kombinieren. Nun verzögert ein Bänderriss den Vorstoss der Krienser NLA-Spielerin in die Top 10 der Schweiz.

Stefan Kleiser
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«Hier ist es cool.» Sarah Lüdin, NLA-Squasherin beim Squash Club Pilatus, geniesst das Leben in Luzern . (Bild: Stefan Kleiser (Luzern, 19. Oktober 2017)

«Hier ist es cool.» Sarah Lüdin, NLA-Squasherin beim Squash Club Pilatus, geniesst das Leben in Luzern . (Bild: Stefan Kleiser (Luzern, 19. Oktober 2017)

Stefan Kleiser

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Es ist ihre letzte Saison als Juniorin. «Ich will nochmals alles geben und mit guten Erinnerungen aufhören», sagt Sarah Lüdin. Die 17-Jährige ist die Nummer 6 im europäischen Juniorinnen-Ranking. Zum Ende ihrer Zeit im Nachwuchs will sie in dieser Wertung ganz vorne sein. Und: Der Teenager freut sich schon darauf, Weltranglistenturniere der Frauen zu bestreiten. Dass ihre Zeit im Nachwuchs in einem Jahr zu Ende geht, findet Lüdin nicht schlimm. Im Gegenteil.

«Das ist spannend. Ich kann mehr selber planen. Das ist eine Herausforderung. Aber ich bin ein Fan von neuen Dingen. Ab und zu etwas zu riskieren, finde ich toll.» Die letzte Herausforderung: Vor fast zwei Jahren ist Sarah Lüdin von zu Hause ausgezogen. Seither lebt sie im Studentenheim in Luzern. «Hier ist es cool.» Mit 16 sei es nicht immer einfach gewesen. Nun schätzte sie es aber, in der gemeinsamen Küche neue Leute kennen zu lernen. «Ich koche fast jeden Tag. Kochen ist zum Hobby geworden.»

Bei den Eltern in Erlinsbach, einem Dorf mit 3500 Einwohnern bei Aarau, verbringt Lüdin nur noch die Wochenenden. Nach Luzern gebracht hat sie längst mehr als nur das eigene Sofa. «Inzwischen habe ich fast alles hier, weil ich die meiste Zeit in Luzern bin. Bei den Eltern habe ich nur noch Kleider für spezielle Anlässe.» Gleich neben dem Studentenheim ist die Kantonsschule, welche die Sportgymnasiastin besucht. Ihre Lieblingsfächer sind Biologie und Englisch.

Der Aufwand lohnt sich

Auch der Weg mit dem Velo zum Sportpark Pilatus in Kriens ist nicht weit. Dort trainiert die Squasherin 20 Stunden in der Woche. «Vor dem Umzug nach Luzern war es nicht halb so viel.» Lange hatte Sarah Lüdin geplant, eine Lehre als Laborantin zu machen. Sie hatte genug von der Schule. Dann aber habe sie kurzfristig ihre Pläne geändert. «Der Sport ist damals noch ein bisschen mehr in den Fokus gerückt», erinnert sich die bald 18-Jährige.

Der Aufwand lohnt sich. «Es ist toll zu sehen, was die zwei Jahre brachten», sagt Sarah Lüdin. Auch als Mensch habe sie sich weiterentwickelt. So habe sie zum Beispiel gelernt, Entscheidungen zu treffen und mit Druck umzugehen. Dieser kam mit den internationalen Starts vor fünf Jahren. «Ich dachte: Nun reise ich extra irgendwo hin, nun muss ich zeigen, was ich kann. Und eine Zeit lang hatte ich auch Probleme, weil ich mir selbst zu viel Druck gemacht habe. So beispielsweise, wenn mein Papi zugeschaut hat, weil er selbst auf einem hohen Niveau spielt und ich ihn stolz machen wollte.»

Über ihn ist sie zum Squash gekommen. Vor einigen Jahren fand Thomas Lüdin nach einer langen Pause den Weg zurück zum Sport, den er als Jugendlicher gespielt hatte. Der frühere Junioren-Nationalspieler steht heute für den Squashclub Fricktal in der NLB im Court. Sie sei oft am Samstag ins Center mitgenommen worden, «und ich musste warten, bis das Training vorbei war», schmunzelt sie. Also nahm sie das Racket auch in die Hand – und fand den Weg in den Club.

«Ohne meinen Vater hätte ich gar nicht gewusst, dass es Squash gibt», sagt sie. Denn in Erlinsbach oder Aarau spiele das kaum jemand. «Aber Squash ist sehr abwechslungsreich. Man kann viele verschiedene Dinge trainieren, nicht zum Beispiel nur Kraft. Du brauchst für jedes Spiel eine andere Taktik. Du musst dir vorher etwas überlegen.» Bevor sie zum Squash kam, tanzte sie Hip-Hop. Da war das anders, «da hast du deinen Tanz einstudiert».

Es ging sehr schnell aufwärts. Nach zwei Jahren war Sarah Lüdin im Nationalkader, im Oktober 2012 bestritt sie in Kopenhagen und Malmö ihr ersten Turniere im Ausland. Sie erzielte in neun Partien keinen Sieg. «Aber es war spannend. Wir haben dort übernachtet und zwischen den Turnieren ein Trainingslager absolviert. Ich fühlte mich gross, weil ich so lange von zu Hause weg gewesen war.»

Im Sommer oft mit dem Vater im Court

Vor zwei Wochen spielte Sarah Lüdin ebenfalls in Malmö. Und riss sich im letzten Match der Nordic Junior Open beim Erlaufen eines Balles auf der Vorhandseite ein Band am rechten Fuss. Die Teilnahme am PSA-Turnier in Frick von letzter Woche musste sie absagen. Und sie verpasst den Start mit Kriens in die NLA-Saison. «Das Wichtigste ist, schnell wieder normal zu trainieren und ganz fit zu werden.» Natürlich sei das Ganze enttäuschend. «Ich fühlte mich parat, und jetzt bin ich es doch nicht.» Im Sommer war Sarah Lüdin oft mit dem Vater im Court. «Damit ich mich an das Tempo gewöhne, das ich teilweise bei den U19-Mädchen antreffe, aber vor allem bei den Frauen.»

Und 2020, nach der Matura? «Darüber habe ich mir aus sportlicher Sicht noch keine Gedanken gemacht. Zuerst mache ich jetzt einmal die Kanti fertig. Und dann schaue ich, wie der Übergang zu den Frauen geklappt hat. Und ob ich eine Chance sehe, mit Squash über die Runden zu kommen.» Sie habe zwar schon viele Teil­ziele erreicht. «Aber die Reise ist noch nicht zu Ende. Ich spüre, dass ich noch besser werden kann. Das Ziel ist es, so gut wie möglich zu spielen. Leider kann ich im Moment noch nicht in jedem Match zeigen, was ich im Training kann.»