St. Galler Leichtathletin Riccarda Dietsche: nach der Hallensaison ist vor dem Entscheid über die Zukunft

Mit der EM fand am Wochenende der Höhepunkt der Hallensaison statt. Riccarda Dietsche wurde nicht selektioniert. Die 60-m-Läuferin ist trotzdem zufrieden und steht vor einem schwierigen Entscheid.

Philipp Wolf
Drucken
Teilen
Riccarda Dietsche lief diese Saison über 60 m mit 7,39 Sekunden eine neue persönliche Bestzeit. (Bild: Imago. Weinheim, 26. Mai 2018)

Riccarda Dietsche lief diese Saison über 60 m mit 7,39 Sekunden eine neue persönliche Bestzeit. (Bild: Imago. Weinheim, 26. Mai 2018)

Es muss ein seltsames Gefühl sein. Im Athletik-Zentrum vor heimischem Publikum starten, persönliche Bestzeit laufen, die EM-Limite schaffen. Und gleichzeitig wissen, dass die Chancen, sich mit Europas Besten messen zu können, minim sind. Riccarda Dietsche war an den Schweizer Hallenmeisterschaften in genau dieser Situation. Die 22-Jährige ist mit ihrer Hallensaison auch so zufrieden, wusste sie doch von Anfang an, dass eine EM momentan wohl noch ausser Reichweite liegt.

Im Vergleich zum Vorjahr verbesserte sie ihre persönliche Bestzeit über 60 m um 16 Hundertstel auf 7,39 Sekunden. Diese Steigerung ist der Grund, dass die Ostschweizerin trotz verpasster EM eine positive Bilanz der Hallensaison zieht. In den vergangen Jahren verbesserte Dietsche ihre Bestzeiten praktisch immer von Saison zu Saison.Die Planung für die Freiluftsaison wird in den kommenden Tagen beginnen. Zudem steht Dietsche vor dem Abschluss ihres Studiums an der Pädagogischen Hochschule Rorschach. Bald muss sie sich entscheiden, was sie in Zukunft tun will.

Profi werden oder unterrichten?

Die St. Gallerin weiss noch nicht, ob sie nach dem Studium voll auf den Sport setzen wird. Es müsse ja irgendwie auch ein wenig Geld reinkommen. «Und für mich als Kopfmensch wäre es gut, neben dem Sport noch eine andere Aufgabe zu haben», sagt Dietsche. Mit diesem Gedanken ist sie nicht alleine.

800-m-Läuferin Selina Büchel entschied sich vor ein paar Monaten beispielsweise ebenfalls dazu, neben dem Sport den Kopf noch anders zu fordern; sie arbeitet nun rund zehn Stunden pro Woche als Raumplanungszeichnerin. Die Athletinnen erhoffen sich von der Arbeit für den Kopf einen Ausgleich zum physisch geprägten Alltag. Es könnte für Dietsche dennoch schwierig werden, eine Teilzeitanstellung als Primarlehrerin zu finden, die mit ihren Ambitionen als angehende Spitzensportlerin vereinbar ist.

Universiade in Neapel als Ziel

Wann die St. Gallerin einen Entscheid für oder gegen den Vollprofistatus fällen wird, steht noch nicht fest. Dietsche blickt vorerst lieber dem Wettkampfsommer entgegen, wo sie die Universiade in Neapel anpeilt. Doch auch für einen Startplatz an der Studentenolympiade ist sie nicht in der Pole-Position. Nur zwei Schweizerinnen werden über 100 m starten dürfen, und die Besetzung der 4x-100-m-Staffel ist ebenfalls offen.

So oder so ist Dietsche zuversichtlich, dass ihre Entwicklungskurve weiter nach oben zeigen wird. Vor einem Jahr vollzog sie einen Trainerwechsel, wird seither von Christian Gutgsell gecoach. Die positiven Resultate der vergangenen Monate führt Dietsche auch auf die schrittweise Professionalisierung zurück, die mit dem Wechsel des Coaches einherging. Es könnte das Argument für den Vollprofistatus sein.