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Der ghanaische Mittelfeldspieler Majeed Ashimeru ist für den FC St.Gallen eine Perle auf Zeit

Majeed Ashimeru ist der auffälligste Zuzug des FC St.Gallen. Sein Weg vom sandigen Fussballplatz in Ghanas Hauptstadt Accra nach Europa war fast gradlinig. In St.Gallen muss man eines bedauern: Der 20-Jährige ist nur Leihspieler.
Ralf Streule
«Achte deinen Gegner.» Bob Marleys Rat begleitet Majeed Ashimeru auf den Fussballplatz. (Bild: Hanspeter Schiess (St. Gallen, 9. August 2018))

«Achte deinen Gegner.» Bob Marleys Rat begleitet Majeed Ashimeru auf den Fussballplatz. (Bild: Hanspeter Schiess (St. Gallen, 9. August 2018))

Das Gespräch hat kaum begonnen, da zückt Majeed Ashimeru im Gartenrestaurant sein Smartphone. Zeigt, wo in der ghanaischen Hauptstadt Accra er aufgewachsen ist. Welchen Bob-Marley-Song er vor Spielen hört, welche afrikanische Speise er sich an ruhigen Tagen zu Hause in der Wohnung im St.Galler Bruggen-Quartier zubereitet. Der 20-jährige St.Galler Mittelfeldspieler wird von Teammitgliedern als zurückhaltend bezeichnet. Aber er taut schnell auf. «So ist das auch auf dem Feld», sagt der Ghanaer mit einem breiten Lachen. In den ersten Minuten sei von ihm selten etwas zu sehen. «Ich muss den Gegner lesen. Ich schaue, wo die Schwächen sind. Und bald schon weiss ich, wo der Ball hin muss.»

Überraschende Pässe und schnelle Vorstösse

Dass er das tatsächlich oft weiss, haben die St. Galler Zuschauer zuletzt selber gesehen. Ashimeru ist schmal und nicht ganz so gross, wie ihn das Fussballportal «Transfermarkt» sehen will (1,82 m). Aber er war der wohl auffälligste Spieler in den ersten St. Galler Partien der Saison. Überraschende Pässe und schnelle Vorstösse in den freien Raum sind seine Markenzeichen.

Majeed Ashimeru im Spiel gegen den FC Thun. (Bild: Benjamin Manser)

Majeed Ashimeru im Spiel gegen den FC Thun. (Bild: Benjamin Manser)

Sportchef Alain Sutter: «Bis Sommer 2019 ist die Ausleihe geregelt»

Die Physis Ashimerus ist wohl ein Manko. Das grösste Manko aus St.Galler Sicht ist aber ein anderes: Ashimeru ist Leihspieler. Er gehört Salzburg, dem dank Red Bull dominierenden österreichischen Team. Dort erhielt er vor einem Jahr einen Vierjahresvertrag – das allein schon deutet darauf hin, welches Potenzial im jungen Ghanaer vermutet wird. Nach Austria Lustenau und dem Wolfsberger AC ist der FC St.Gallen die dritte Station Ashimerus als Leihspieler. Meist überzeugte er dabei, und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis die Salzburger ihn zurückholen. «Nicht vor Sommer 2019», sagt St.Gallens Sportchef Alain Sutter. Bis dahin sei die Ausleihe geregelt.

Ashimeru sagt, er sei überrascht gewesen von den Reaktionen in seiner Heimat, als er die Nachricht von seinem Wechsel zu St.Gallen überbracht habe. «Einige etwas ältere Freunde wussten sehr viel mehr über den Club als ich.» Dies hat mit Charles Amoah zu tun, St. Gallens ghanaischem Meisterstürmer von 2000. «Er ist eine lebende Legende in meiner Heimat.» Mit Amoah, der in Österreich lebt, habe er sich denn auch getroffen und lange über St.Gallen gesprochen. Charles Amoah sagt zu Ashimeru:

«Du kannst die Leute in St.Gallen aus dem Häuschen bringen, wenn du gut spielst»,

Ashimeru ist daran, sich in St.Gallen einen Namen zu machen – wie auch in Ghana. Einmal lief er für das Nationalteam auf. Und kürzlich gewann er den «Future Star Award» in der Heimat.

Aufgewachsen ist Ashimeru in bescheidenen Verhältnissen, sein Zimmer teilte er mit seiner Schwester. «Unsere Familie ist nicht arm, nicht reich, irgendwo dazwischen.»

Knieprobleme in der Teenagerzeit

Ashimerus Karriere begann auf einem kleinen, sandigen Fussballplatz in Accra. Dort habe sich früh gezeigt, dass Fussball sein Ding sei. Kollegen nannten ihn Ronaldinho, die Frisur trug dazu bei. Sein Vater, im Sicherheitsdienst einer Bank angestellt, wollte, dass sein Sohn stark auf die schulische Ausbildung setzt. Die Mutter liess sich von der Fussballbegeisterung ihres Sohnes anstecken und hielt ihm den Rücken frei. Bis auch der Vater zugeben musste: Es könnte etwas werden mit der Karriere von Sohn Majeed (sprich: «Maschiid»). Mit zehn Jahren wechselte er in die ghanaische Akademie von Feyenoord Rotterdam, der West African Football Academy, die ein Team in der höchsten ghanaischen Liga stellt.

In der Akademie gab es zunächst Rückschläge. Nach zwei Knieverletzungen und Operationen in Belgien sah Ashimerus Fussballzukunft nicht rosig aus. Dennoch setzte er sich in der Akademie durch, die 2014 ihren Standort an den Volta-Strom nach Sogakope verlegte. Dort hatte Red Bull seine Fussballschule gerade aufgegeben – was einen eigenen Artikel füllen würde. Raphael Dwamena, der vor einigen Tagen vom FC Zürich zu Levante wechselte, war der letzte Ghanaer, der die Red-Bull-Akademie 2014 in Richtung Europa verliess. Red Bull gab die Akademie auf, da sich die Zusammenarbeit im Land als schwierig herausstellte, so ist es zu lesen. Ganze Studienarbeiten und ein Buch wurde über das Scheitern und die Versäumnisse Red Bulls in kulturellen Dingen geschrieben. Feyenoord übernahm die Akademie. Es blieb eine Kooperation der Feyenoord-Akademie mit Red Bull bestehen. Und so kam es, dass Ashimeru doch in Salzburg landete.

Peter Zeidler lobt noch zurückhaltend

Ashimerus Sprung nach Europa war behutsam. Zunächst gab es einige Turniere in Holland – dann Besuche im Trainingszentrum von Salzburg, schliesslich 2017 der endgültige Wechsel nach Österreich. Dass er nun in St. Gallen gelandet ist, hat auch mit Peter Zeidler zu tun. Der St.Galler Trainer hat über drei Jahre bei RB Salzburg gearbeitet, trainierte Ashimeru zwar nie selber, bekam aus Salzburg aber viel Positives zu hören. Er sagt:

«Wir sind froh, dass wir ihn haben. Er spielt mit Lust, ist schnell und taktisch geschult.»

Und, was ihn besonders freut: « Er ist ein Spieler, der dem Publikum gut gefällt.» Nicht verbergen kann Zeidler aber seine Bedenken, dass Ashimeru schon jetzt über den Klee gelobt wird. «Er hat sein Potenzial oft auf den Platz gebracht, in Norwegen aber nicht – da fand er nicht ins Spiel, da der Ball zu oft in der Luft war. Wenn es schwierig wird, muss er mehr dagegenhalten.»

Ashimeru scheint sich unter Zeidler und im Team wohlzufühlen. Er spricht vom guten Teamspirit, von «guten Leuten wie Senior Tranquillo», wie er Barnetta gerne nenne. Natürlich fehle ihm die Familie, die es erst einmal nach Europa geschafft habe, sagt Ashimeru. Die selbstgekochte Portion Foufou, mit Kochbanane und Maniok, hilft ihm über das Heimweh hinweg. Eine Stütze sei auch der islamische Glaube. Ein Gebet gehöre zu seiner Spielvorbereitung. Wie eben auch Bob Marleys Song «If the Cap fits».

Ein schleppender Reggae-Song als Heissmacher? Im Lied geht es darum, Gegner zu achten und Kritik anzunehmen. «Das hilft mir, mich auf das Spiel zu fokussieren.»

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