STADTLAUF 2008: Kenianer dominieren in Luzerns Gassen

Die Läuferinnen und Läufer aus Kenia rannten an den Elite-Rennen des Luzerner Stadtlaufs allen davon. Dem Sieg bei den Frauen liessen die Athleten aus Afrika einen dreifachen Triumph bei den Männern folgen. Der Obwaldner Viktor Röthlin wurde Achter.

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Nicholas Koech (rechts) gewinnt vor seinem Landsmann Philippe Njoroge das Eliterennen der Männer. (Bild Philipp Schmidli/Neue LZ)

Nicholas Koech (rechts) gewinnt vor seinem Landsmann Philippe Njoroge das Eliterennen der Männer. (Bild Philipp Schmidli/Neue LZ)

Spannend war der Höhepunkt des 31. Luzerner Stadtlaufs - das Rennen der Männer-Elite - eigentlich nur für die Kenianer. Denn vom Start bis ins Ziel gaben sie allein Takt und Ton an.

Im Fünfergrüppchen liefen sie in der Luzerner Altstadt allen davon und vergrösserten den Vorsprung auf den Rest des Feldes mit jeder der zehn Runden. Spannend war deshalb einzig, welcher der Kenianer als Erster am Kapellplatz ins Ziel kommen würde.

Der Sieger hiess am Ende Nicholas Koech. Er gewann im Schlussspurt gegen den erst 21-jährigen Newcomer Philippe Njoroge. Dritter wurde Wilson Kipkogel.

Ein Österreicher unter Afrikanern
Einzig der Österreicher Martin Pröll konnte die afrikanische Phalanx durchbrechen. Beim Stadtlauf vor einem Jahr gewann er hinter dem Australier Craig Mottram Silber und ging deshalb als einer der Topfavoriten ins Rennen.

Ganz gerecht wurde der 27-Jährige seiner Rolle allerdings nicht. Dafür waren die Kenianer schlicht zu stark. Nach etwas verhaltenem Beginn machte er Rang um Rang gut und schaffte es schliesslich - als bester Europäer - auf den vierten Platz. Zum Sieg fehlten ihm zwölf Sekunden.

Viktor Röthlins eigenes Rennen
Die lautesten Hopphopp!-Rufe hallten allerdings immer dann durch die Altstadtgassen, wenn Lokalmatador und Publikumsliebling Viktor Röthlin des Weges kam. Neben dem jungen Oberkircher Daniel Renggli war er der einzige Zentralschweizer im Elite-Feld. Und Röthlin war die Publikums-Hoffnung schlechthin. Nur schon seiner Präsenz und seines unvergleichlich leichtfüssigen Laufstils wegen, war der 33-jährige Kernser ein Gewinn für den Stadtlauf. Dass der Stadtlauf für den Marathonläufer nicht gerade zu dessen Kerngeschäft gehört, ist ein offenes Geheimnis.

Viktor Roethlin (SUI) © Stephane Combre/EQ Images

Viktor Roethlin (SUI) © Stephane Combre/EQ Images



Im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Peking liess sich Röthlin von den hohen Erwartungen der Zuschauer nicht irritieren und lief sein ganz eigenes Rennen. Vom Anfang bis ins Ziel schien er im selben Tempo zu laufen – immer an achter Stelle liegend. Von den Kenianern vor ihm liess er sich nicht provozieren und vom Feld hinter ihm nicht hetzen. Röthlin lief einfach – für sich. Am Ende im Ziel lächelte er zufrieden und das Publikum applaudierte.

«Forrest Gump» auf Kenianisch
Für grössere Verwirrung im Zielgelände sorgte nach dem Rennen der Kenianer Wilson Kipkogel. In der ersten Rangliste wurde er als Zweitletzter klassiert. Bis die Rennleitung merkte, dass etwas nicht stimmen konnte. Denn Wilson lief das ganze Rennen in der Spitzengruppe. 

Nun, die Geschichte ging so: Wilson Kipkogel spurtete tatsächlich als Dritter durchs Ziel – und lief dann einfach weiter. Lief – offenbar nicht müde – noch eine weitere Runde durch die Altstadt und kam rund zweieinhalb Minuten später ins Ziel – zum zweiten Mal.

Fischer angelt sich Silber
Bei den Frauen gelang Sabine Fischer der erste Schweizer Podestplatz in Luzern seit dem dritten Rang von Ursula Jeitziner im Jahr 1996. Die 34-jährige Rapperswilerin musste sich bloss um eine halbe Sekunde der Kenianerin Anitha Kiptum geschlagen geben. Dritte wurde die Ungarin Aniko Kalovics, die Siegerin der letzten beiden Jahre. Die Luzerner Triathletin Magali Di Marco-Messmer landete bei ihrer ersten Teilnahme mit gut einer Minute Rückstand auf Platz 13.

Gusti Gretener / Zisch

Rangliste - Männer Elite (8,710 km)

1. Nicholas Koech (Kenia), 24:42,6 Minuten
2. Philippe Njoroge (Kenia), 0:00,4 zurück
3. Wilson Kipkogel (Kenia), 0:03,5
4. Martin Pröll (Österreich), 0:12,0
5. Abraham Tandoi (Kenia), 0:17,5
6. Simon Tesfay (Eritrea), 0:35,0
7. Elijah Keitany (Kenia), 1:01,3
8. Viktor Röthlin (Kerns), 1:04,1
9. Daniel Vögeli (Bern), 1:33,7
10. Embaye Hedrit (D), 1:47,7
16. Daniel Renggli (Oberkirch), 2:23,7

19 Läufer klassiert

Rangliste - Frauen Elite (4,250 km)

1. Anitha Kiptum (Kenia), 13:17,2 Minuten
2. Sabine Fischer (Zürich), 0:00,5 zurück
3. Aniko Kalovics (Ungarn), 0:06,4
4. Jane Muia (Kenia), 0:10,9
5. Restle Simret (D), 0:14,6
13. Magali Di Marco-Messmer (Luzern), 1:08,5

18 Läuferinnen klassiert

Die ausführliche Rangliste mit allen Namen und Zeiten finden Sie am Montag in der Beilage der Neuen Luzerner Zeitung und ihren Regionalausgaben.