STADTLAUF: Der Mann der ersten Stunde sagt Adieu

Hansruedi Schorno bestreitet heute seinen letzten Stadtlauf als Helfer. Der 66-Jährige hat den Event geprägt wie kaum ein anderer.

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Hat künftig noch mehr Zeit das Panorama am Vierwaldstättersee mit dem Pilatus zu geniessen: Hansruedi Schorno, der bei allen 38 Stadtläufen mitgewirkt hat, wird heute verabschiedet. (Bild Pius Amrein)

Hat künftig noch mehr Zeit das Panorama am Vierwaldstättersee mit dem Pilatus zu geniessen: Hansruedi Schorno, der bei allen 38 Stadtläufen mitgewirkt hat, wird heute verabschiedet. (Bild Pius Amrein)

Stefan Klinger

Sein letzter Auftritt beim Luzerner Stadtlauf wird symptomatisch für Hansruedi Schorno (66) sein. Für einen, der sich schon fast sein ganzes Leben lang in der Leichtathletik bei Vereinen, Verbänden und Veranstaltungen meist ehrenamtlich engagiert und der über sich sagt: «Ich habe das Tamtam nicht so gern. Ich bin eher der, der schafft.»

Am Morgen wird Schorno, der bis zu seiner Pensionierung vor zwei Jahren als Baukaufmann arbeitete, noch ein letztes Mal mit seinen Kollegen von der Korbballriege Ebikon Start und Ziel aufbauen. Danach wird er «das über mich ergehen lassen, was ich nicht so mag», wie er es ausdrückt. Oder wie es Urs Grüter, der nach Schornos Ausscheiden der Letzte im OK ist, der an allen 38 Stadtläufen mitgewirkt hat, formuliert: «Hansruedi ist gerne bei den Leuten er mag es nur nicht so, wenn er vor allen gelobt wird. Ich werde aber trotzdem beim offiziellen Empfang eine Dankesrede zu seinem Abschied halten.»

Dank Schorno Topläufer am Start

Es gibt ja auch genug Gründe, dem 66-Jährigen im Zusammenhang mit dem Stadtlauf zu danken. Denn Schorno ist nicht nur seit der Premiere 1978 bei jedem Stadtlauf einfach so im Einsatz gewesen er hat einen grossen Anteil daran, dass sich die Laufveranstaltung im Jahr 2015 als ein beliebtes Volksfest für Hobbyläufer, garniert mit einem kurzen, aber sportlich hochwertigen Höhepunkt am Ende, präsentiert.

Schorno war die treibende Kraft, dass es zusätzlich zu den vielen Wettkämpfen für die Breitensportler ein Eliterennen gibt. Auf sein Drängen hin wurde schon im dritten Jahr, als der Lauf noch auf einem Rundkurs um die Musegg verlief, das Eliterennen der Männer in die Altstadt verlegt. Der Anfang des in den Jahren darauf folgenden Umzugs des kompletten Laufes und die Grundlage dafür, dass das Eliterennen überhaupt Zukunft hatte. «Beim Musegglauf gab es Stufen auf der Strecke, da wären die Besten sicher nicht zu uns gekommen», erinnert sich Schorno.

Doch so kamen sie nach Luzern und liefen um die Wette, sämtliche Schweizer Spitzenläufer und einige Olympiasieger aus anderen Nationen. Und das alles trotz geringem Budget. «Das Geld allein hat nicht gereicht, um diese Leute zu verpflichten», sagt Grüter, «aber Hansruedi hat zu einigen eine persönliche Beziehung aufgebaut, sodass sie wegen ihm zu uns gekommen sind.»

Und so beginnt Schorno ein ums andere Mal glücklich zu schmunzeln, wenn er sich an all die Erlebnisse der letzten 37 Jahre erinnert, die für ihn den Stadtlauf zu einer Erfolgsgeschichte machen. Ob er sich zwischendurch nicht einmal ernsthaft Sorgen um die Zukunft des Laufes gemacht habe oder sich der Event in eine für ihn falsche Richtung entwickelte? «Nein», sagt Schorno, «wir hatten immer eine grosse Unterstützung. Von unseren Partnern, von den Behörden und in der Bevölkerung.»

Den Stadtlauf wird Hansruedi Schorno, dessen beiden Söhne Reto und Beat dem OK angehören und dessen Frau Trudy ebenfalls hilft, künftig als Fan anschauen. Doch zumindest beim Swiss­City-Marathon Lucerne, wo er noch immer OK-Präsident ist, werden ihn die hiesigen Hobbyläufer Ende Oktober wieder so erleben, wie es ebenfalls für ihn symptomatisch ist: wenn er auf der Ziellinie Tausende Läufer herzt und sie zu ihrer Leistung beglückwünscht.