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STADTLAUF: Der Start in ein neues Zeitalter

Beim Luzerner Stadtlauf wird heute erstmals die Nettozeit gemessen. Läufer aus den hinteren Reihen verlieren am Start keine Zeit mehr – das Ganze hat aber auch Tücken.
Stefan Klinger
Dichtes Gedränge am Start des Luzerner Stadtlaufs: Die Organisatoren hoffen, dass es mit der neu eingeführten Nettozeit zu weniger Stürzen kommt. (Bild Manuela Jans)

Dichtes Gedränge am Start des Luzerner Stadtlaufs: Die Organisatoren hoffen, dass es mit der neu eingeführten Nettozeit zu weniger Stürzen kommt. (Bild Manuela Jans)

Der Puls schlägt schneller, das Herz beginnt zu rasen, die Anspannung steigt. In wenigen Sekunden fällt der Startschuss. Nun gilts. Willkommen beim Luzerner Stadtlauf. Es heisst zwar immer, dass beim grössten Volkslauf der Zentralschweiz der gemeinsame Sport in Verbindung mit der Geselligkeit danach im Vordergrund steht und der Lauf den Charakter eines Volksfestes zum Mitmachen hat. Und im Grunde ist das ja so auch richtig. Doch wer die Breitensportler jedes Jahr in den letzten Sekunden vor ihrem Start in der Luzerner Bahnhofstrasse beobachtet, der erkennt: Ganz ohne sportlichen Ehrgeiz treten nur die allerwenigsten an.

Das Laufen in der Heimat vor vielen bekannten Gesichtern am Streckenrand, die Resultatslisten, die in der Zeitung veröffentlicht werden oder im Internet für jeden zugänglich sind – es geht eben auch immer ein wenig ums Prestige. Eine ordentliche Zeit erspart so manchen schelmischen Spruch im Freundes-, Kollegen- oder Familienkreis. Eine gute Leistung beschert ein wenig Selbstbewusstsein, einfach ein gutes Gefühl.

Drängelei am Start nicht mehr nötig

Und so kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu einem ziemlichen Gedränge am Start. Frei nach dem Motto: Nur nicht schon vor den ersten Metern ein paar Sekunden verlieren. «Wenn der eine oder andere, der vorne gestartet ist, etwas langsamer war, kam es schnell zu einem Gedränge, weil die anderen von hinten nachdrückten», beschreibt Stadtlauf-Geschäftsleiter Andreas Grüter, «dadurch kam es zu Stürzen, bei denen sich manch einer das Bein aufschürfte.»

Die Drängelei am Start ist nun allerdings gar nicht mehr nötig. Denn beim 37. Luzerner Stadtlauf gibt es heute eine wichtige Neuerung: Es wird in allen Kategorien die Nettolaufzeit gemessen. Die Zeit läuft nicht mehr automatisch ab dem Startschuss, sondern bei jedem Einzelnen erst dann, wenn er tatsächlich die Startlinie überquert. Gerade bei den Rennen, in denen bis zu 1300 Läufer auf einmal auf die Strecke geschickt werden und sich das Startprozedere 30, 40 Sekunden hinzögert, werden die Läufer, die als Letzte die Startlinie überqueren, nun bei exakt gleicher Leistung in der Resultatsliste einige Sekunden schneller sein als 2013. «Diese Neuerung macht den Stadtlauf ein wenig sicherer und genauer», sagt Grüter.

Auf die Ausrüstung der rund 14 000 Teilnehmer am heutigen Lauf wird sich das jedoch nicht auswirken. Das einzig Neue, was die Messung der Nettozeit mit sich bringt: Diesmal laufen die Breitensportler auch schon am Start über die mit Sensoren für die Zeitnahme ausgestatteten Matten, über die sie schon seit vielen Jahren beim Luzerner Stadtlauf im Ziel gelaufen sind. Matten, die inzwischen technisch extrem ausgereift sind. «Wegen der Breite der Strasse ist es freilich nicht möglich, dass allzu viele Sportler gleichzeitig über so eine Matte laufen – aber theoretisch kann eine Matte die Signale von 10 000 Läufern pro Sekunde erfassen und verarbeiten», sagt Michael Wähli, der Hauptverantwortliche bei Datasport für den Luzerner Stadtlauf.

Das IT-Dienstleistungsunternehmen aus Gerlafingen SO ist auf die Betreuung von Breitensport- und Massensportveranstaltungen spezialisiert und bei 320 Veranstaltungen pro Jahr, vor allem im Lauf-, Triathlon-, Mountainbike- und Langlaufsport, aktiv. Während Omega, Swiss Timing und Longines Timing vor allem auf den Profisport und auf andere Sportarten setzen, ist Datasport der Schweizer Marktführer bei Breitensport- und Massensportveranstaltungen mit 800 bis 30 000 Teilnehmern und seit vielen Jahren der Partner beim Luzerner Stadtlauf sowie beim hiesigen Marathon.

Die Dienstleistung umfasst dabei mehr als die reine Zeitnahme. So dient Datasport dem Luzerner Stadtlauf auch als Werbeplattform und kümmert sich beispielsweise um den Druck der Startnummern. Alles in allem ein Paket, für das die Strategen des Stadtlaufs laut Grüter nach der die Kosten steigernden Neuerung mit der Nettozeit, wegen der Datasport mehr Personal vor Ort benötigt, «eine hohe fünfstellige, fast schon sechsstellige Summe» berappen müssen.

Sonderregelung für die Top Ten

Eine Summe, die aus Sicht der Veranstalter jedoch gut investiert ist. Weil die Einführung der Nettozeit nicht nur für ein wenig Entspannung am Start sorgt und sich schon seit Jahren beim Luzerner Marathon als Modell bewährt hat, sondern den Stadtlauf auch moderner, zeitgemässer macht. Immerhin greifen im Jahr 2014 bereits rund drei Viertel der 320 von Datasport betreuten Veranstaltungen auf das Angebot mit der Nettozeit zurück.

Doch so fortschrittlich das neue System ist, es hat auch seine Tücken. Denn derjenige, der als Erster die Ziellinie überquert, muss nicht automatisch der Sieger sein – wenn beispielsweise der 20. im Ziel am Start deutlich nach dem Sieger gestartet ist. Doch dieses Szenario bleibt reine Theorie. «Bei uns gibt es wie bei allen Läufen die Regelung, dass die Top Ten in den Einzelkategorien so gewertet werden, wie der Zieleinlauf war», sagt Grüter, «sonst wird es für die Zuschauer unverständlich. Ausserdem wollen wir ein richtiges Rennen. Sonst kann ja einer erst 3 Minuten später starten, weil er dann alleine auf einer leeren Strecke läuft.»

Wer also nicht nur um eine gute Zeit läuft, sondern unbedingt seine Kategorie gewinnen will, muss also auch in diesem Jahr wieder um einen Startplatz in der ersten Reihe kämpfen. Ganz ohne Gedränge geht es eben auch beim Luzerner Stadtlauf nicht. Denn trotz des ganzen Volksfestcharakters und einiger Plauschkategorien ist er noch immer vor allem eine Sportveranstaltung.

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