STADTLAUF: Nun muss Widmer ans Limit gehen

Jasmin Widmer von den Erstfelder Leichtathleten läuft am Stadtlauf erstmals im Elitefeld. Sie vertritt damit als Einzige die Schweiz.

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Jasmin Widmer (Nr. 14) greift nach ihrer Fussverletzung wieder an. (Bild: Urs Hanhart / Neue  UZ)

Jasmin Widmer (Nr. 14) greift nach ihrer Fussverletzung wieder an. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Diese Erinnerung an den Luzerner Stadtlauf ist bis heute präsent: Im Elite-Nachwuchsrennen gewann die Berner Oberländerin Astrid Leutert vor der Urnerin Jasmin Widmer. 2006 war das. Und überliefert ist die Anekdote, wie die damals 18-jährige Leutert am Bankett nach dem Rennen von Jugendlichen um Autogramme gebeten wurde. «Eine eigene Unterschrift habe ich eigentlich noch gar nicht», soll sie damals schüchtern gesagt haben.

Jetzt hat sich das geändert. Leutert ist zu einer der hoffnungsvollsten Schweizer Langstreckenläuferinnen geworden und hat unter anderem letzten Sommer an den Europameisterschaften in Zürich (über 3000 m Steeple) teilgenommen. In Luzern figuriert sie zusammen mit Jasmin Widmer als einzige Schweizerin im Elite-Startfeld der Frauen – während andere wie die Vorjahressiebte Fabienne Schlumpf (Trainingslager), Maja Neuenschwander (Wien-Marathon vor 13 Tagen), Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig (Zürich-Marathon, 6 Tage) oder Sabine Fischer (Trainingsrückstand) verzichten.

Doch: Nun musste auch Leutert kurzfristig den Luzerner Stadtlauf absagen. Sie kämpft seit Mitte Woche mit einer Magen-Darm-Grippe und einer hartnäckigen Erkältung. «Auch wenn ich noch so gerne laufen würde, das macht einfach keinen Sinn.»

Eine gute Saisonvorbereitung

Bleibt also die Urnerin Jasmin Widmer, welche die Schweizer Fahne hochhalten will. «Ich fühle mich ausgezeichnet», sagt die 28-Jährige vom LATV Erstfeld, relativiert aber auch: «Ausgezeichnet im Vergleich zum letzten Jahr.» Wegen einer Fussverletzung musste sie während der zweiten Jahreshälfte aufs Laufen verzichten und konnte nur alternativ ihre Form «konservieren». Bezüglich Rennpraxis und intensiver Laufeinheiten ist sie nach wie vor im Hintertreffen.

Jasmin Widmers Ausgangslage für die 4,25 km in Luzern präsentiert sich daher nicht optimal. «Die Distanz ist kurz, das Tempo entsprechend hoch, da kann ich mit Sicherheit nicht mit den Besten mitmischen.»

Dennoch reizt sie die Herausforderung, und diese begründet sie: «Vor drei Jahren entschied ich mich für die Volkslauf-Kategorie und siegte dort – ohne auch nur annähernd ans Limit gehen zu müssen.» Das will sie nun ändern, denn sie sieht den Stadtlauf als Bestandteil der Saisonvorbereitung, als «Härtetest im Hinblick auf die ersten grossen Saisonziele». Auf der Bahn werden diese stattfinden. Sie nennt die deutsche Meisterschaft über 10 000 m sowie die Team-EM und die 10 000 m an der Schweizer Meisterschaft. Bald hat sie sich also in Bestform zu präsentieren. Den Stadtlauf sieht Jasmin Widmer deshalb als willkommene Herausforderung. Von «hochkarätigen Widersacherinnen» spricht sie, doch ihr Bestreben kann nur darin bestehen, auf ihre eigene Leistung zu schauen, sich nicht verleiten zu lassen, sondern den eigenen Rhythmus zu finden und allenfalls die eine oder andere der starken Ausländerinnen abzufangen.

Und das bei dem Rennen, das sie «wegen der einzigartigen Stimmung» als einen der schönsten Läufe bezeichnet.

Cynthia Kosgei vor dem Triple

Gespannt sieht aber nicht nur Jasmin Widmer dem Frauen-Elite-Rennen entgegen. Ebenso tut dies Cynthia Kosgei. Die 22-jährige Kenianerin strebt den dritten Sieg in Folge an – und damit etwas, was bei den Frauen noch keiner geglückt ist. In entsprechender Form muss die klein gewachsene Athletin mit dem grossen Lungenvolumen sein. Nach ihrem Sieg am stark besetzten Berlin-Halbmarathon Ende März kehrte sie in ihre Heimat zurück, um sich auf die nächsten Einsätze in Europa vorzubereiten. Erst morgen Freitag wird sie direkt aus dem Kenianer Hochland nach Zürich fliegen und sodann in die Innerschweiz dislozieren. Als härteste Widersacherin erwartet sie Viktorii Pogorielska, die 25-jährige Ukrainerin, die unter anderem den Schweizer Frauenlauf 2011, 2013 und 2014 für sich entschieden hat.