Handball
Der BSV Stans bastelt an einer «wilden Truppe»

Die Stanser NLB-Handballer gewinnen zu Hause gegen die SG Yellow/Pfadi Espoirs mit 28:23. Bald steht ein grösserer Umbruch an.

Stephan Santschi
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Stans (Basil Gnos am Ball) präsentiert seinem Publikum künftig ein Team mit einer interessanten Mischung.

Stans (Basil Gnos am Ball) präsentiert seinem Publikum künftig ein Team mit einer interessanten Mischung.

Bild: Pius Amrein (Stans, 29. Mai 2021)

Sportlich geht es für den BSV Stans nach der Zweiteilung der NLB nicht mehr um viel. Während die Top 6 der Liga in einer Aufstiegsrunde den NLA-Aufsteiger ausfindig macht, beenden die Nidwaldner die Saison bis Mitte Juni in einer Entscheidungsrunde (Ränge 7 bis 14), in der keine Entscheidungen fallen werden – in Folge der Coronamassnahmen gibt es nämlich keine NLB-Absteiger. Das Heimspiel gegen die SG Yellow/Pfadi Espoirs, das Stans am Samstag mit 28:23 gewann, hat trotzdem eine gewisse Aussagekraft – und zwar mit Blick auf die kommende Saison. In einer Partie, die bis fünf Minuten vor Schluss sehr ausgeglichen war (23:22), machten am Ende vier Akteure den Unterschied, die den BSV Stans im Sommer verlassen werden.

Im Tor hielt Goalie Stipan Maric den Laden dicht, vorne verbuchte Roger Scherer dank seiner Übersicht mehrere Assists, während der linke Flügel Christian Imfeld und Kreisläufer David Riederer vier der letzten fünf Treffer erzielten. «Kein Zweifel, wir stehen vor einem grossen Umbruch», konstatiert Sportchef Christian Arnosti.

Ein zweiter Brasilianer kommt nach Stans

Die genannten vier Akteure spielen seit vielen Jahren beim BSV Stans, Scherer, Riederer und Imfeld sind Leistungsträger, alle werden ihre Karriere beenden. Zählt man die aus finanziellen Gründen bereits erfolgte Rückkehr von Luka Vujovic nach Serbien und den Rücktritt von Silvan Niederberger dazu, werden in der kommenden Spielzeit sogar ein halbes Dutzend nicht mehr im Kader stehen. Hinzu kommt, dass Trainer Andy Gubler ebenfalls einen Schlussstrich ziehen und durch Ralf Stojan (Chefcoach) und Roland Knabl (Assistent) ersetzt werden wird. «Andy hat viel Professionalität reingebracht und die Mannschaft mit seinem modernen und schnellen Handball weiterentwickelt. Wir werden weiterhin voll auf dieses Konzept setzen», hält Arnosti fest.

Die Mischung, welche die Stanser künftig ihrem Publikum präsentieren werden, ist dabei durchaus interessant. Um die Abgänge zu kompensieren und den generell schmalen Personalbestand zu vergrössern, sind elf Neuzuzüge getätigt worden. Der spannendste heisst Ramon Pereira de Oliveira, ein 28-jähriger Brasilianer für den rechten Rückraum, der seit fünf Jahren in der höchsten polnischen Liga spielt und derzeit bei Abstiegskandidat Stal Mielec unter Vertrag steht. «Auf ihn wurden wir durch Fredy aufmerksam», sagt Arnosti. Fredy, so nennen sie in Stans ihren brasilianischen Spielmacher Fernando Skrebsky Dutra, der seinem befreundeten Landsmann einen Wechsel in die Zentralschweiz schmackhaft gemacht hat.

Wenger und Stadelmann verlassen Kriens

Mit einer Grösse von 1,86 Meter und 96 Kilo bringt der Linkshänder gute körperliche Voraussetzungen mit, «er kombiniert brasilianisches Flair mit polnischer Härte», so Arnosti, der darauf hofft, dass die beiden Südamerikaner auf dem Platz gut miteinander harmonieren werden.

Wichtige Transfers vermeldet Stans zudem im Tor und am Kreis. David Wenger und Luca Stadelmann, die aktuell als Ergänzungsspieler mit Kriens-Luzern im Playoff-Halbfinal gegen Schaffhausen stehen, sollen die Abgänge von Maric und Riederer neutralisieren. Darüber hinaus hat sich Stans das Engagement von «zwei der besten Spieler aus der 1. Liga» sichern können, wie Sportchef Arnosti anmerkt. Die Rede ist von Carlo Femiano, dem linken Flügel des TV Muri, und dem linken Aufbauer Janik Nauer aus Muotathal. Im Weiteren stossen die Krienser Daniel Weingartner (Flügel links), Joel Wyss (Rückraum Mitte) sowie die Junioren Sven Schäufele, Timo Bühlmann, Simon Skelaj und Alain Janes dazu, derweil Spielmacher Flavio Gnos nach langwieriger Knieverletzung zurückkehrt.

Finanzierung der neuen Trainingshalle steht

Alles in allem sieht Arnosti in Stans künftig eine «wilde Truppe mit viel Qualität» am Start, die aber Zeit brauche, um sich in der neuen Konstellation zu festigen. Für Zuversicht sorgt zudem die geplante Trainings- und Ausbildungshalle im Eichli. Am letzten Mittwoch gewährte das Stanser Stimmvolk an der Gemeindeversammlung einen Investitionsbeitrag von 500000 Franken, womit das Geld für das 2,9-Millionen-Franken-Projekt grösstenteils beisammen ist.

Stanser Frauen verlieren Talente

Bereits vor mehr als einer Woche haben die SPL2-Frauen des BSV Stans die Saison beendet. In der Aufstiegsrunde belegten die Nidwaldnerinnen den vierten und letzten Platz, das Erreichen dieser Poule war allerdings bereits das Saisonziel. «Wir sind zufrieden. Hätten wir auch das letzte Spiel gegen Brühl II gewonnen, wären wir sogar Dritte geworden – das wäre das Zückerchen gewesen», sagt die rechte Rückraumspielerin Barbara Schiffmann, die auch als Sportchefin der Frauen amtet. Mit Sophie Bühler und Nina Loretz werden nun aber zwei vielversprechende Talente das Team verlassen und in die zweite Equipe des LK Zug wechseln. «Beide werden in Zürich studieren und wohnen, für uns ist das natürlich ein herber Verlust», bedauert Schiffmann. Das ohnehin schon schmale Kader wird weiter ausgedünnt, noch stehen keine Zugänge zu Buche. Mittelfristig liebäugelt Stans mit der SPL 1 Fix allerdings ist, dass Spielertrainerin Gréta Grandjean bleiben wird. Und und auch die 34-jährige Schiffmann wird das Team weiterhin auf dem Platz unterstützen. Hoffnungen ruhen zudem auf dem Comeback von Sina Kuster, die nach überstandenem Kreuzbandriss zurückkehren soll. «Wir möchten wieder vorne mitspielen», sagt Schiffmann. Und wenn die Lücke bei den Juniorinnen geschlossen ist, werde man mittelfristig wieder die SPL 1 anvisieren. Am letzten Wochenende schafften die U16-Juniorinnen schon mal den Aufstieg in die Inter-Klasse, die zweithöchste Kategorie dieser Altersstufe. (ss)