Start nach Mass für den FC Schattdorf

Der FC Schattdorf besiegt Obergeissenstein zum 2.-Liga-Saisonauftakt mit 3:1. Die Urner brillieren mit einem starken Endspurt.

Urs Hanhart
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Der Schattdorfer Ramon Scheiber (rechts) im Laufduell gegen den Luzerner Christian Mutter.

Der Schattdorfer Ramon Scheiber (rechts) im Laufduell gegen den Luzerner Christian Mutter.

Bild: Urs Hanhart (Schattdorf, 15. August 2020)

Im ersten Punktspiel seit rund zehn Monaten wartete die Elf von Trainer David Cos-Gayan mit einer über weite Strecken überzeugenden Vorstellung auf. Die 260 Zuschauer im Stadion Grüner Wald bekamen von Beginn weg ein hoch motiviertes Heimteam zu sehen, das ab dem Anpfiff das Spieldiktat mehrheitlich an sich riss. Bereits in der 8. Minute eröffnete sich Captain Ramon Scheiber die erste Torchance. Er kam an der Strafraumgrenze zum Abschluss, konnte jedoch nicht genügend Druck hinter den Ball bringen. Die Platzherren hatten in der ersten halben Stunde deutlich mehr Ballbesitz, blieben jedoch vor dem Tor vorerst ziemlich harmlos. Bei den Gästen konzentrierte man sich auf schnelle Offensivaktionen. Diese waren denn auch ziemlich gefährlich. In der 10. Minute schrammte ein Kopfball nur relativ knapp am linken Pfosten vorbei.

Der Führungstreffer für die Gastgeber fiel in der 30. Minute – und dieser war eine echte Augenweide. Noah Senn versenkte die Kugel nach einem präzis getimten Rückpass von Patrik Stampfli aus 15 Metern in Franz-Beckenbauer-Manier per Aussenrist unhaltbar für Gästekeeper Jerome Hajnal im Netz. Anschliessend flachte die bis dahin gefällige Partie bis zur Pause etwas ab, was nicht weiter verwunderte, mussten doch die Akteure bei schwülheissen Bedingungen in der prallen Sonne spielen. Fast alle Zaungäste sassen auf der Haupttribüne und genossen dort einen Schattenplatz.

Gleich zwei kuriose Billardtreffer

Nach dem Wiederanpfiff hatten die Urner die zunächst offensiv ziemlich blass wirkenden Luzerner weiterhin mehr oder weniger sicher im Griff. Den Hausherren eröffnete sich sogar mehrfach die Chance, die Partie vorzeitig zu entscheiden und den Sack zuzumachen. Scheiber scheiterte in der 59. und 65. Minute zweimal mit wuchtigen Direktabnahmen am mirakulös parierenden OG-Schlussmann. Zwischen diesen spektakulären Einlagen brachten auch Noel Gisler und Philipp Zurfluh die OG-Abwehr mit gefährlichen Aktionen in höchste Nöte. In der 70. Minute dann die kalte Dusche für die Einheimischen: Obergeissenstein kam praktisch aus dem Nichts zum 1:1-Ausgleich – und dies erst noch mit viel Glück. Eine Weitschussbombe von Aidan Uebelmann prallte zunächst an den linken Innenpfosten, flog von dort quer über die Torlinie an den rechten Innenpfosten und kullerte schliesslich ins Tor.

Durch diesen Billardtreffer erhielten die Gäste mächtig Aufwind. Sie erarbeiten sich in kurzer Folge zwei weitere Topchancen, vermochten jedoch nicht zu reüssieren. Das Spiel drohte den Gastgebern nun aus den Händen zu gleiten. Doch in dieser überaus heiklen Phase schafften sie es, dagegen zu halten und nochmals einen Zacken zuzulegen. In der 79. Minute holte Scheiber einen Freistoss heraus, den er selber ausführte. Sein Schuss aus rund 22 Metern Distanz prallte zunächst von der Mauer ab, aber im Nachschuss war Scheiber dann erfolgreich. Auch dieser Treffer zum 2:1 kam recht kurios zustande. Das Leder knallte an den linken Pfosten, spickte an den Rücken des OG-Goalies und von dort ins Gehäuse. Vier Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit sorgte dann Robin Mahrow mit einem tollen Dribbling, das er mit einem platzierten Schuss in den Kasten abschloss, für die endgültige Entscheidung (3:1). Die Luzerner hatten nun sichtlich keine Kraft mehr, um zu einer Aufholjagd anzusetzen.

Den harten Bedingungen erfolgreich getrotzt

«Nach dem 1:1-Ausgleich mussten wir eine Zeit lang ziemlich zittern. Aber mein Team hat Charakter gezeigt und sich im entscheidenden Moment nochmals gesteigert – und dies bei klimatisch sehr harten Bedingungen. Dieser Auftaktsieg ist zweifellos verdient und gibt viel Selbstvertrauen im Hinblick auf die nächsten Partien», bilanzierte Schattdorf-Trainer David Cos-Gayon nach dem Schlusspfiff. Dann fügte er noch an: «Wir hatten nur gerade fünf Wochen Zeit für die Vorbereitung. Ich glaube, wir stehen vor einer schönen Saison. Das Beste kommt erst noch.»

Der FC Altdorf verliert, obwohl er eine halbe Stunde in Überzahl spielt

Missglückter Start in die 2.-Liga-Saison: Der FC Altdorf unterliegt in Entlebuch wegen eines Gegentreffers in der 95. Minute. Es lief wenig zusammen bei der neuformierten Altdorfer Mannschaft. Wille und Einsatz waren zwar vorhanden, aber im Zusammenspiel und Ineinandergreifen der Mannschaftsteile waren noch Mängel zu erkennen. Bis fast zum Ende der (zu?) langen Nachspielzeit stand es torlos unentschieden. Eigentlich der Spielausgang, der zu den gezeigten Leistungen gepasst hätte. Die Urner starteten gut und anfänglich lief das Spiel mehrheitlich Richtung Entlebucher Tor. Allerdings kamen die Gäste in dieser Phase nur zu einigen Eckbällen, schufen sich jedoch keine klaren Torchancen. Nach einer Viertelstunde übernahmen dann die Gastgeber jedoch das Spielgeschehen zusehends. In der 20. Minute notierte man die erste echte Torchance dieses Spiels, aber Kai Nicolas Stutz behändigte einen Flachschuss aus kurzer Distanz sicher. Je länger danach die Partie dauerte, desto ruppiger wurde sie, was dazu führte, dass es bis zur Pause insgesamt fünf gelbe Karten gab. Spielerisch bot das Spiel bis zum Halbzeitpfiff jedoch sehr wenig. Entlebuch war wohl mehr im Ballbesitz, kam aber eben so wenig zu Torchancen wie Altdorf, welches aufgrund vieler Fehlpässe und Missverständnisse kaum einmal in der Nähe des gegnerischen Tores auftauchte.

Die zweite Hälfte hätte dann beinahe mit einem Paukenschlag begonnen, aber der Altdorfer Hüter konnte in der 46. Minute einen harten Hinterhaltsschuss mit einer Glanzparade über die Latte lenken. In der 50. Minute kam dann auch Altdorf nach einer guten Kombination über rechts zu einer guten Torchance. Zuerst wehrte der Luzerner Hüter jedoch den Schuss von Andrej Weickert mit einer guten Parade nach vorne ab und danach behinderten sich zwei Altdorfer gegenseitig, sodass ein erfolgreicher Nachschuss ausblieb. Danach dominierte Entlebuch das Spiel weitgehend. Die Gastgeber zeigten sich lauf- und kampfstark und stiegen nach wie vor entschlossen in die Zweikämpfe. Des Öfteren übertrieben sie es jedoch mit ihrem Einsatz, was dann in der Summe dazu führte, dass sie nach einer gelb-roten Karte ab der 60. Minute in Unterzahl weiterspielen mussten. Altdorf konnte jedoch nur kurz davon profitieren, zeigte in der Folge einige gute Kombinationen, kam aber zu keinem einzigen Abschluss. Entweder missriet der letzte Pass, man agierte zu eigensinnig oder blieb im Abwehrnetz der Luzerner hängen. So kam es, dass die insgesamt geschlossener auftretenden Gastgeber das Spiel wieder mehrheitlich in den Griff bekamen und in der 5. Minute der Nachspielzeit das 1:0 markieren konnten. Die Altdorfer konnten einen Eckball nur ungenügend abwehren, Daniel Kaufmann hielt drauf und Torhüter Stutz hatte keine Chance, den Ball zu parieren. Glücklich der Zeitpunkt, aber aufgrund der klar höheren Spielanteile halt doch nicht unverdient.

Peter Fedier

Fussball Schattdorf-Obergeissenstein. Der Schattdorfer Ramon Scheiber (rechts) in einem Laufduell

Fussball Schattdorf-Obergeissenstein. Der Schattdorfer Ramon Scheiber (rechts) in einem Laufduell

Urs Hanhart / Urner Zeitung