«Wir werden nie einen Österreicher unter Vertrag nehmen»: Luzerner Skifirma Stöckli rüstet erstmals einen Norweger aus

Rasmus Windingstad ist der erste Norweger, der mit Stöckli-Ski fährt. Dass jemals ein Österreicher zur Stöckli-Familie gehört, ist aus finanziellen Gründen nicht realistisch, sagt der CEO.

Claudio Zanini
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Stöckli ist das kleine gallische Dorf im Skizirkus, das sich seit je gegen die Grossmächte behauptet. Man feiert punktuell Erfolge, doch bleibt ein kleiner Player. Stöckli konnte nie etablierte Stars an sich binden. Und so gehört es zur Strategie, vielversprechende Athleten zu verpflichten und mit ihnen an die Spitze zu fahren. Paradebeispiel bleibt Tina Maze. Die Slowenin wurde nach ihrem Markenwechsel 2008 von Rossignol zu Stöckli zur grossen Figur der Szene.

Marc Gläser, der CEO von Stöckli, bei einer Visite in der Ski-Manufaktur in Malters.

Marc Gläser, der CEO von Stöckli, bei einer Visite in der Ski-Manufaktur in Malters.

Bild: Christian Egelmair

Neustes Mitglied in der Stöckli-Familie ist Rasmus Windingstad. Wie das Onlineportal «skinews.ch» schreibt, stösst der 26-jährige Norweger auf die kommende Saison zu Stöckli. Windingstad ist spätestens seit März 2019 kein Unbekannter. Damals wurde er im Riesenslalom von Kranjska Gora Zweiter. Im gleichen Rennen stand Marco Odermatt als Dritter zum ersten Mal auf dem Weltcup-Podest, Odermatt ist bekanntlich ebenfalls Stöckli-­Fahrer.

Stand bereits zweimal auf einem Weltcup-Podest: Rasmus Windingstad.

Stand bereits zweimal auf einem Weltcup-Podest: Rasmus Windingstad.

Bild: PD

Beni Matti, der Rennsportleiter von Stöckli, sagt: «Rasmus ist die ideale Ergänzung zu Marco Odermatt und Thomas Tumler.» Der Norweger hat nicht nur Qualitäten im Riesenslalom, sondern auch im Super-G und den Parallel Events. Windingstad habe noch «vier gute Jahre» vor sich, schätzt Beni Matti. «Er ist schon in der Weltspitze angekommen, aber er muss noch konstanter werden. Er war bislang eine Nummer im norwegischen Verband. Ich bin überzeugt, dass wir ihm genau das Umfeld bieten können, um ihn noch besser zu machen.»

Einen Norweger unter Vertrag zu haben, scheint per se vielversprechend. Die Skandinavier nehmen den Schneesport besonders ernst. Die Dichte an Topathleten ist hoch, die Infrastrukturen nehmen zuweilen absurde Ausmasse an. Im Januar öffnete in Oslo die grösste Skihalle der Welt. Der «Vinterparken» beheimatet eine 505 Meter lange Indoor-Piste, der Höhenunterschied beträgt 90 Meter. Matti sagt: «Sie haben dort quasi einen Berg abgedeckt.»

300'000 Euro für einen Österreicher

Auch Stöckli-CEO Marc Gläser freut sich über den norwegischen Neuzugang. «Sie haben einen tollen Spirit, es ist ein super Volk.» Gläser sagt aber auch, dass die tiefen Poolkosten in Norwegen ausschlaggebend gewesen seien. Wie so üblich im Weltcup, muss die Skifirma dem Verband zuerst einen Poolbeitrag bezahlen, bevor sie einen Fahrer unter Vertrag nehmen darf. In Norwegen kostet das 20'000 Franken im Jahr, in der Schweiz 50'000. Wer einen Fahrer aus Österreich will, muss dem Vernehmen nach einen Poolbeitrag von 300'000 Euro bezahlen. Gläser sagt:

«Was die Österreicher machen, ist fast protektionistisch.»

Und weiter: «Stöckli wird nie einen Fahrer aus Österreich unter Vertrag nehmen, weil wir uns das einfach nicht leisten können.» Aktuell hat Stöckli Fahrer aus der Schweiz, Deutschland, Slowenien, Kanada, USA und neu Norwegen unter Vertrag.

Vor kurzem wurde bekannt, dass Stöckli sein Sommergeschäft aufgibt, vier Filialen schliesst und gleichzeitig den Onlinehandel ausbaut (wir berichteten). Den Schritt nach Norwegen als direkte Folge der Umstrukturierungen zu verstehen, sei falsch, sagt Gläser. Es werde alles ein wenig «überinterpretiert». In gepflegter Marketing-Sprache führt er aus: «Dass wir das Sommergeschäft aufgeben, ist Teil einer langfristig durchdachten Omni-Channel-Strategie Schweiz, welche mit der Lancierung des E-Shops am 24. Mai abgerundet wird. Auf die Strategie des Skirennsports hat dies keinen Einfluss.»

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