STREETHOCKEY: Ein Spätberufener startet durch

Ken Müller ist erst seit vier Jahren bei den Oberwil Rebells. Das Palmares des Zugers liest sich aber bereits eindrücklich.

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Ken Müller hat im Streethockey den idealen 
Ausgleich zur Arbeit als Konstrukteur gefunden. (Bild Christian H. Hildebrand)

Ken Müller hat im Streethockey den idealen Ausgleich zur Arbeit als Konstrukteur gefunden. (Bild Christian H. Hildebrand)

Michael Wyss

Ken Müller lässt sich in Rotkreuz zum Konstrukteur ausbilden und besucht die Berufsmatura. Was er dereinst beruflich machen will, weiss er noch nicht. Seine grosse Abwechslung findet der Zuger im Streethockey, seinem Hobby. «Das ist meine ganz grosse Leidenschaft, ein wichtiger Lebens­inhalt. Hier kann ich abschalten und in meine eigene Welt eintauchen», sagt der 18-Jährige. Die Freude an dieser Sportart entdeckte der in Zug aufgewachsene Müller aber erst vor vier Jahren. «Ein Kollege hat mich einmal zu einem Training mitgenommen. Dann hat es mich gepackt. Nun spiele ich die vierte Saison bei den Oberwil Rebells. Nach dem Einstieg bei den B- und A-Junioren, folgte das Abenteuer in der NLA. Die bisherige Zeit bleibt unvergesslich», schildert der Verteidiger.

Torjubel der Grenchner zum 0:1 (Bild: Christian H.Hildebrand / Neue ZZ)
15 Bilder
Ken Müller in Action (Bild: Christian H.Hildebrand / Neue ZZ)
Severin Meier von den Oberwil Rebells gegen Lars Henzi (links) (Bild: Christian H.Hildebrand / Neue ZZ)
Mathias Biersdörfer von den Oberwil Rebells (rechts) gegen den Grenchner Marc Fankhauser (Bild: Christian H.Hildebrand / Neue ZZ)
Patrik Merz von den Oberwil Rebells (vorne) gegen Kris Röthlisberger (Bild: Christian H.Hildebrand / Neue ZZ)
David Fankhauser ist geschlagen zum 2:1 für die Rebells (Bild: Christian H.Hildebrand / Neue ZZ)
Patrick Döbeli im freien Fall. (Bild: Christian H.Hildebrand / Neue ZZ)
Zweikampf zwischen dem Grenchner Yannick Sterchi und Patrik Merz (Bild: Christian H.Hildebrand / Neue ZZ)
Der Zuger Torhüter Stephan Sidler (Bild: Christian H.Hildebrand / Neue ZZ)
Mathias Beiersdörfer hat was zum Lachen. (Bild: Christian H.Hildebrand / Neue ZZ)
Severin Meier (Bild: Christian H.Hildebrand / Neue ZZ)
Oliver Marty (Bild: Christian H.Hildebrand / Neue ZZ)
Yves Stucki (Bild: Christian H.Hildebrand / Neue ZZ)
Tim Müller (links) und Andrew Hildreth (Bild: Christian H.Hildebrand / Neue ZZ)
Portrait von Ken Müller (Bild: Christian H.Hildebrand / Neue ZZ)

Torjubel der Grenchner zum 0:1 (Bild: Christian H.Hildebrand / Neue ZZ)

Verständlich, denn seine Leidenschaft war schon früh geprägt von vielen Erfolgen. Auf die Schweizer- Meister-Titel mit den B- und A-Junioren folgte der Gewinn des Triples auf höchstem Level; einerseits den Meistertitel und den Cupsieg mit dem NLA-Team, andererseits bejubelten die Rebells im vergangenen Herbst in Nitra (Slowakei) den Sieg beim World-Cup, wo sich die besten Klubteams der Welt duellierten. «Das Triple wollen wir auch dieses Jahr wieder realisieren. Eine grosse Herausforderung wartet auf uns, doch wir können das schaffen», zeigte sich Müller optimistisch und kämpferisch.

Müller schätzt den Verein: «Ich bin stolz, hier spielen zu können und ein Teil dieser Mannschaft zu sein. Schweizweit sind wir die Topadresse und geniessen einen ausgezeichneten Ruf. Aber auch im Ausland haben wir uns mit diversen Turniersiegen Respekt und Anerkennung verschafft.»

Sportliche Familie

Ken Müller bestritt schon in der U-18-Nationalmannschaft Einsätze und gehört dem erweiterten Kader der A-Nationalmannschaft an. Ihm wurde das Sportler-Gen sozusagen in die Wiege gelegt. Sein Vater Kurt spielte einst Handball, seine Mutter Masae ist begeisterte Laufsportlerin. Und Bruder Sean (12) spielt Baseball bei den Unicorns Hünenberg: «Sport ist bei uns immer Thema, praktisch tagtäglich», sagt Müller lachend. Was ist das Faszinierende am Streethockey? «Die Schnelligkeit und die Härte, aber auch die Spannung und die Dramatik sind faszinierend. Wie im Eishockey kannst du einen 0:3-Rückstand innert Minuten aufholen oder ein 4:1 in den letzten Minuten noch verspielen.»

Müller sieht sich als ehrgeizigen und ruhigen Typ sowie als Teamplayer: «Ich hätte nie einen Einzelsport ausüben können. Mir ist es wichtig, im Team auf ein Ziel hinzuarbeiten. Gemeinsam ist es einfach motivierender als allein. Ich sehe mein Hobby auch als Lebensschule. Ich kann hier eine Menge profitieren. Bei den Oberwil Rebells habe ich meine Erfüllung zum Berufsalltag gefunden. Ich bin glücklich und zufrieden.»

Wunsch: A-Nationalmannschaft

Hat Ken Müller auch Vorbilder? «Der Amerikaner Andrew Hildreth, der in unserem Team spielt, ist ein Idol für mich. Er wurde bei der ausgetragenen Streethockey-WM im letzten Jahr als einer der besten Spieler gewählt. Ich habe seine Spiele, die er für die USA bestritt, natürlich mitverfolgt.» Müller arbeitet darauf hin, bei einem grossen Turnier einmal für die Schweiz spielen zu können. Die Chancen dazu stehen gut, wie der Blick auf die Kaderliste zeigt. Rund ein Drittel des aktuellen Nationalmannschaftskaders besteht aus Rebells-Spielern. Da Müller bereits im erweiterten Kader und in einem Spitzenteam engagiert ist, darf er mit baldigen Einsätzen liebäugeln.

Bleibt eine Randsportart

Müller verfolgt auch die Spiele des EV Zug als Zuschauer mit. «Eishockey fasziniert mich. Ich hoffe, dass der EVZ diese Saison weit kommt.» Er sieht Parallelen zu seinem Sport: «Streethockey und Eishockey sind ja praktisch gleich. Wir spielen einfach auf dem Asphalt statt auf dem Eis. Die Partie dauert auch drei Mal 20 Minuten und auf dem Feld stehen ein Torhüter und fünf Feldspieler. Anstatt mit dem Puck spielen wir einfach mit einem Hartgummiball.»

Die Partien der Rebells werden im Schnitt von rund 200 Fans mitverfolgt. Das ist angesichts des Erfolgs eine bescheidene Zahl, aber für Müller nicht verwunderlich: «Wir stehen hier in der Stadt Zug im Schatten des Eishockeys und Fussballs. Wir betreiben eine Randsportart, daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Doch wir haben ein treues Publikum, auf das wir zählen können.»