STREETHOCKEY: «Gesättigt sind wir noch lange nicht»

Severin Meier (28) zählt zu den Routi­niers bei den Oberwil Rebells. Ein Vereinswechsel hat ihn ­einzigartig gemacht in der Schweiz.

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Severin Meier war seinem Stammverein Oberwil während einer Saison untreu – und bezwang ihn im Cupfinal. (Bild Maria Schmid)

Severin Meier war seinem Stammverein Oberwil während einer Saison untreu – und bezwang ihn im Cupfinal. (Bild Maria Schmid)

Michael Wyss

«Wer in Oberwil Zug aufwächst, für den gibt es nur eine Sportart», sagt Severin Meier schmunzelnd und löst das Rätsel gleich selbst auf: «Street­hockey.» Die Faszination dafür entdeckte Meier schon während der Primarstufe. «Wir spielten in Oberwil auf dem Pausenplatz vor und nach der Schule und am Wochenende immer Streethockey – stundenlang», erinnert sich der heute 28-jährige Meier, der als Sales Manager seine Brötchen verdient. «Das sind so Kindheitserinnerungen, die bis heute geblieben sind. Es ist eine unvergessliche Zeit.»

Heute ist Meier, der in der Oberstufenzeit den Oberwil Rebells beitrat und seit einigen Jahren in der höchsten Liga auf Torjagd geht, einer der ganz wichtigen Spielerpersönlichkeiten beim Ligakrösus. Seine Teamkollegen riefen ihn einst «Spongebob», weil er die gleichnamige Fernsehsendung immer schaute. Meier ist einzigartig hierzulande: Keiner gewann den Cup häufiger als er. «Das macht mich natürlich stolz, und das ist ein schönes Gefühl für mich», sagt die Offensivkraft der Rebells.

 

Sieg gegen die Rebells

Achtmal wurde der Oberwiler, der sich eher als ruhig und zurückhaltend bezeichnet, Cupsieger. Siebenmal mit den Oberwil Rebells, einmal mit Sierre Lions. Eine beeindruckende Leistung, wenn man bedenkt, dass dieser Wettbewerb erst vor zehn Jahren vom Verband Swiss Streethockey Association (SSHA) ins Leben gerufen wurde. «Ich spielte eine Saison in Sierre. Ich war für ein Jahr im Wallis, um Französisch zu lernen, wollte aber weiterhin Streethockey spielen. So kam es zu diesem Engagement. Dass wir ausgerechnet gegen meinen Stammverein Oberwil im Final standen und diesen Titel holten, war sicher sehr speziell für mich. Deshalb ist Sierre auch mein Lieblingsgegner», sagt Meier schmunzelnd. Am vergangenen Sonntag trafen die Teams in der NLA-Meisterschaft aufeinander, Oberwil gewann 6:4, Meier blieb ohne Skorerpunkt (siehe Kasten). Nebst erwähnten Cuperfolgen zieren auch diverse Nachwuchs- und NLA-Meistertitel das Palmares Meiers. Auch international erreichte der bald 29-Jährige mit den Rebells viele Erfolge. «Wir gewannen mit Oberwil mehrfach den Europa- und den Worldcup.» Mit der Schweizer A-Nationalmannschaft bestritt der Stürmer auch zwei Weltmeisterschaften: 2009 in Pilsen (Tschechien) und 2013 in St. John’s (Kanada). «Ich genoss die Zeit auf dem internationalen Parkett», sagt Meier.

Das Triple verteidigen

Seine Konzentration gehöre nun aber voll und ganz den Rebells, stellt er klar. «Hier haben wir noch einiges vor», weiss Meier. Zum Beispiel die Verteidigung des letztjährigen Triple. «Wir sind amtierender Meister, Cupsieger und World-Cup-Sieger. Diese drei Titel wollen wir wieder an den Zugersee holen», zeigt sich Meier kämpferisch. Weitere Titel zu gewinnen, das sei auch die grösste Motivation für ihn und seine Mitspieler. Denn die Rebells sind in der Schweiz derart dominant, dass sich die Frage nach der Herausforderung stellt. «Gesättigt sind wir noch lange nicht. Auch wenn wir die nationale Meisterschaft und den Cup immer wieder dominieren, wollen wir einfach noch mehr erreichen. Die Herausforderung ist und bleibt, in der Schweiz das beste Team zu sein und international so viele Medaillen wie möglich zu erkämpfen.»

Eine erste Entscheidung um die erste Titelvergabe dieser Saison fällt am kommenden Karsamstag. Der Cupfinal in Sierre steht auf dem Programm. Die Oberwiler treffen dabei auf den Ligakonkurrenten Grenchen-Limpachtal. Die Partie im Wallis wird um 16 Uhr angespielt. «Es wird kein einfaches Spiel für uns werden, da wir als Titelhalter favorisiert sind. Wir sind aber optimistisch, da wir sie in der laufenden Meisterschaft bereits dreimal besiegen konnten. Wir werden das Duell jedoch nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn der Cup kennt bekanntlich eigene Gesetze.»

Für Meier wird die Reise ins Wallis so oder so aussergewöhnlich werden. «Ich kehre mit den Rebells an meine alte Wirkungsstätte zurück. Ich habe immer noch viele Freunde in Sierre aus meiner Zeit. Ich freue mich auf dieses Finalspiel. Natürlich hätte ich noch lieber gegen Sierre gespielt», erklärt Meier.

Nummer 55, wie Paul Di Pietro

Gibt es im Leben von Severin Meier auch Vorbilder? «Im Sport war ich immer ein grosser Bewunderer des ehemaligen EVZ-Spielers Paul Di Pietro. Ich kannte ihn nicht persönlich, aber als Sportler hat er mich immer fasziniert. Das ist auch der Grund, warum ich bei den Rebells die Nummer 55 trage», sagt Meier lachend.

Aber auch seinen Oberwiler Teamkollegen Andrew Hildreth (27) aus den Vereinigten Staaten bewundert Meier. «Hildreth kenne ich natürlich von zwei Seiten. Einerseits als Sportler, andererseits als Mensch. Er ist ein guter Freund von mir geworden.»