STREETHOCKEY: «Schnudi» kann es auch ohne Eis

Yanick Müller (20) war einst ein talentierter Eishockeyspieler. Mit dem Wechsel zu den Oberwil Rebells hat er eine neue Leidenschaft entdeckt. Jetzt verfolgt er gleich zwei grosse Ziele.

Michael Wyss
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Yanick Müller legt Extraschichten ein, um seinen Traum von einem WM-Aufgebot wahrzumachen. (Bild: Jakob Ineichen (Zug, 3. März 2017))

Yanick Müller legt Extraschichten ein, um seinen Traum von einem WM-Aufgebot wahrzumachen. (Bild: Jakob Ineichen (Zug, 3. März 2017))

Michael Wyss

sport@zugerzeitung.ch

In Holzhäusern ist Yanick Müller aufgewachsen. Das einstige Eishockeytalent hat im Frühling 2016 von der Eisfläche auf den Hartbelag gewechselt – zum Streethockey. «Eishockey und Street­hockey haben viele Parallelen. Die Un­terschiede sind nicht so frappant», weiss er. Seit dieser Saison spielt der 20-Jährige, der als Verteidiger oder Center eingesetzt werden kann, im NLA-Team der Oberwil Rebells. «Ich will Meister werden. Es gibt nur dieses Ziel, denn wir sind Titelverteidiger», stellt er klar.

Bereits gescheitert ist das Fanionteam im Schweizer Cup. «Wir sind gegen den B-Ligisten La Chaux-de-Fonds im Achtelfinal ausgeschieden. Das war ein grosser Frust, denn wir wollten auch Cupsieger werden.» Erfreulich läuft es dagegen in der Meisterschaft: Die Qualifikationsphase konnten die Rebells am Sonntag – mit 16 Siegen, einem Unentschieden und nur einer Niederlage – auf dem ersten Rang abschliessen. Ursprünglich spielte Müller, der eine Lehre als Logistiker machte und ab Sommer als Verkäufer im Aussendienst im Bereich Maschinenbau arbeitet, wie erwähnt Eishockey. Beim Küssnachter Schlittschuhclub (KSC) startete der 20-Jährige als kleiner Knirps seine ersten Gehversuche auf dem Eis. «Ich besuchte die Bambinischule und war fortan begeistert», kann sich Müller noch genau erinnern.

Im Eishockey herumgekommen

Dass Müller den Weg zum Eishockey fand, war nicht verwunderlich. Sein Vater Andy ist seit Jahrzehnten ein grosser EVZ-Fan und seit vielen Jahren auch Zeitnehmer bei den Zuger Nachwuchsspielen. «Eishockey war immer ein Thema bei uns. Und ich war mit meinem Vater auch oft bei den EVZ-Spielen.» ­Yanick Müller, in Sportlerkreisen bekannt als «Schnudi», zog es nach seiner Zeit beim KSC zum EVZ, wo er bis zu den Novizen spielte. Dann folgten weitere Abstecher nach Lugano (Novizen-Elite), Seewen (1. Liga) und Rapperswil-Jona (Elite-A-Junioren). Müllers letzte Station vor seinem Wechsel zum Streethockey war der EVZ II in der 2. Liga. Woher stammt eigentlich der Name ­«Schnudi»? «Das war in der Zeit bei den Moskito in Zug. Meine Betreuerin musste mir immer ein Taschentuch bereithalten», kann sich Müller erinnern.

Der Wechsel zum Streethockey entsprang dem Wunsch nach Veränderung: «Ich spielte nun mein ganzes Leben lang Eishockey und wollte eine neue Herausforderung. Meine früheren Schulkollegen spielen praktisch alle bei den Oberwil Rebells Streethockey, was auch ein Grund für den Wechsel war», sagt Müller. Bei seiner jetzigen Sportart sprechen ihn die Dynamik an sowie die Tatsache, dass man im taktischen und technischen, aber auch im konditionellen Bereich gefordert wird. «Auf dem Eis kannst du mit der Scheibe gleiten, jetzt rennst du auf dem Beton oder dem Asphalt dem Ball hinterher. Das verlangt einem alles ab – Streethockey wird von Aussenstehenden unterschätzt.» Müller hat sich seiner neuen Leidenschaft ganz verschrieben. «Schnudi» ist nicht nur NLA-Spieler, sondern auch Assistenztrainer der A-Junioren-Mannschaft. «Es ist eine schöne Aufgabe, die jungen Spieler auf ihrem Weg und in der Entwicklung ein Stück zu begleiten», sagt der 20-Jährige. Auch im ältesten Nachwuchs sind die Rebells Titelverteidiger. «Da gibt es logischerweise nur ein Ziel: Meister zu werden.»

Müller hatte in der laufenden Saison einen speziellen Einsatz mit der NLA-Equipe: als Keeper. «Ich stand im vergangenen Oktober beim Cupspiel gegen den Erstligisten Steckholz im Tor, weil wir personelle Sorgen hatten. Wir gewannen mit 17:2 – ich feierte einen Traumeinstand», schildert Müller lachend.

Der Fokus liegt auf der WM

Der heute in Zug lebende Müller gehört seit letztem Sommer auch dem Kader der Schweizer Nationalmannschaft an. Im kommenden Sommer findet die Weltmeisterschaft in Pardubice (Tschechien) statt. Müllers Chancen auf ein Aufgebot stehen «nicht schlecht», sagt er. Sein Talent bewies er bereits bei zwei Länderspiel-Einsätzen gegen Tschechien. Für den Zuger ist klar: «Ich will an die WM. Das ist das Höchste aller Gefühle für einen Spieler.» Am Ehrgeiz mangelt es jedenfalls nicht. Nebst zwei Trainingseinheiten mit den Rebells geht Müller noch drei Mal in der Woche ins Fitnessstudio. «Für die WM, und ich verzichte auf vieles», sagt er. Müllers Glück ist, dass Rebells-Trainer Kapanek zugleich Nationaltrainer ist. Dem Slowaken entgeht somit nicht, was sein Schützling alles auf sich nimmt, um an der WM teilzunehmen.