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Stuttgart und Fulham im Jammertal: Zwei Sportredaktoren leiden mit ihren Lieblingsclubs in der Krise

Stuttgart in der Bundesliga und Fulham in der Premier League zieren beide das Tabellenende. Mit den Vereinen leidet auch ein Teil der Sportredaktion mit. Eine Annäherung an die Krisen.
Christian Brägger, Sergio Dudli
Holger Badstuber, geknickt nach der 0:4-Klatsche auswärts gegen Hoffenheim. (Bild: Epa/Ronald Wittek)

Holger Badstuber, geknickt nach der 0:4-Klatsche auswärts gegen Hoffenheim. (Bild: Epa/Ronald Wittek)

Ja, der VfB Stuttgart – es bahnen sich ihm leidvolle Monate an in der Bundesliga. Weil wieder einmal überhaupt nichts zusammenpasst. Aktuell sind die Schwaben Letzte und haben nicht jene Lügen gestraft, die behaupten, die zweite Spielzeit nach einem Aufstieg sei die schwierigere. Dabei gab es berechtige Hoffnung, dass es nach der Vorsaison mit der formidablen und zweitbesten Rückrunde aller 18 Teams nun vorwärtsgeht Richtung Europa. Weltmeister Benjamin Pavard konnte gehalten werden, die Kaderplanung war so früh abgeschlossen wie selten zuvor und die Zuzüge, für die Stuttgart die Rekordsumme von 35 Millionen Euro investierte, wurden mehrheitlich für gut befunden.

Weit gefehlt. Der Vorbote in Form des Cupouts gegen den Drittligisten Hansa Rostock hätte Warnung genug sein müssen. Seit der zweiten Runde und dem 0:3 gegen die Bayern liegt der VfB in der Liga bestenfalls auf dem Relegationsplatz, fünf Partien später hatte Trainer Tayfun Korkut seinen Kredit der Rückrunde verspielt. Nichts ging mehr. Die Krise traf den einstigen Bundesliga-Dinosaurier unvermittelt, vor allem korreliert sie mit jener der Routiniers Holger Badstuber, Mario Gomez oder Christian Gentner – allesamt Schatten ihrer besten Fussballertage. Es hiess bereits «nicht bundesligareif»

«Wir stecken in der Scheisse drin. Das haben wir uns selbst zuzuschreiben»

Das sagte Captain Gentner Anfang November nach der 0:3-Heimpleite gegen Frankfurt. Sportchef Michael Reschke, das Mastermind der Kaderplanung, nannte die Situation «heftig» und die Auftritte teilweise «nicht bundesligareif.» Ernüchterung machte sich schon breit und die Angst, dass der neue Trainer Markus Weinzierl eine nächste Fehlbesetzung sein könnte.

Immerhin gibt es neue Hoffnung für die schlechteste Defensive und zweitschwächste Offensive der Liga. Am vergangenen Samstag gewannen die Stuttgarter 2:0 in Nürnberg, weil sie endlich als Einheit auftraten – und weil die Jungen trafen. Zudem durfte der VfB auf den Support von 10000 mitgereisten Fans (bei 65000 Clubmitgliedern) zählen, ein unglaubliches Phänomen in der Krise. Dank des Sieges mussten die Schwaben am Tabellenende nicht abreissen lassen, aber bereits mit der nächsten Partie nach der Nationalmannschaftspause bei der «Wundertüte» Leverkusen droht wieder Ungemach.

Schenkt man der Gerüchteküche Glauben, könnte Reschke auf dem Transfermarkt bald aktiv werden und Anthony Modeste verpflichten, den einstigen Wunderstürmer Kölns, der in China gekündigt hat. Modeste wäre sehr teuer, aber vielleicht die Lösung für die Tormisere.

Ryan Sessegnon ist der erste Spieler mit Jahrgang 2000, der in der Premier League traf. (Bild: Matthew Ashton/Getty (Manchester, 1. November 2018))

Ryan Sessegnon ist der erste Spieler mit Jahrgang 2000, der in der Premier League traf. (Bild: Matthew Ashton/Getty (Manchester, 1. November 2018))

«Hast du Scheisse am Fuss, hast du Scheisse am Fuss»

Eines der berühmtesten Zitate der Fussballwelt, gesprochen von Andreas Brehme, Siegtorschütze für Deutschland im WM-Final 1990. Eine Aussage, die nicht ganz druckreif ist. Aber sie passt zur Situation von Fulham, des Letzten der englischen Premier League. Warum? Am vergangenen Wochenende gastierte der Club in Liverpool. In der 41. Minute lagen sich die Londoner jubelnd in den Armen, nachdem Aleksandar Mitrovic das vermeintliche Führungstor erzielt hatte. Doch der Schiedsrichter entschied umstrittenerweise auf Abseits, Liverpools Goalie Alisson machte das Spiel schnell und lancierte den Konter. Sekunden später stand es 1:0 für das Heimteam. Bitter: Beim Pass von Alisson war der Ball in Bewegung. Das entging dem Referee aber. Tja, hast du Scheisse am Fuss, hast du eben Scheisse am Fuss.

Dabei war Fulham mit grossen Ambitionen in die Saison gestartet. Die Londoner waren der erste Aufsteiger in der Geschichte der englischen Topliga, der mehr als 100 Millionen Pfund für Transfers ausgab. Dafür gönnte sich Trainer Slavisa Jokanovic unter anderem den deutschen Weltmeister André Schürrle, den serbischen Stürmer Mitrovic sowie für über 30 Millionen Franken Jean Michaël Seri aus Nizza. Das Tor hütet neu ­Sergio Rico, seines Zeichens dreifacher Gewinner der Europa League mit dem FC Sevilla.

«Geld schiesst keine Tore», heisst eine andere Fussballweisheit. Im Fall von Fulham müsste es aber heissen, dass Geld keine Tore verhindert. Nach 12 Spieltagen stehen 31 Gegentore zu Buche – sechs mehr als bei jedem anderen Team. Trainer Jokanovic ist seit Ende 2015 im Amt. Nun ist er nach neun Partien ohne Sieg und Niederlagen gegen machbare Gegner wie Cardiff und Bournemouth angezählt. Besitzer Shahid Khan, ein schwerreicher Amerikaner, dem ­ auch das NFL-Team Jacksonville Jaguars gehört, hält aber am 50-jährigen Serben fest – noch.

Doch es gibt Grund zur Hoffnung. In der vergangenen Saison klebte Fulham nach 17 Spieltagen auf den hinteren Plätzen der zweiten Liga fest. Dann folgte ein Lauf von 23 Spielen ohne Niederlage, Fulham wurde aufgrund des zelebrierten Offensivspiels als zweites Manchester City bezeichnet. Ende Mai gewann der Club den Playoff-Final gegen Aston Villa und kehrte drei Jahre nach dem Abstieg in die Premier League zurück. Damit diese Freude nicht von kurzer Dauer ist, muss der Verein die Defensivprobleme in den Griff bekommen. Generell gilt für Fulham, frei nach Lothar Matthäus: «Wir dürfen den Sand nicht in den Kopf stecken.»

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