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Suizid eines Torhüters - Robert Enke «ist unvergessen»

Zehn Jahre nach dem Tod von Robert Enke kämpft der Fussball noch immer um den richtigen Umgang mit dem Thema Depression.
Kristof Stühm und Peer Lasse (SID)
Im Gedenken an Robert Enke. (Bild: Lars Baron/Bongarts/Getty Images, Hannover, 29. November 2009)

Im Gedenken an Robert Enke. (Bild: Lars Baron/Bongarts/Getty Images, Hannover, 29. November 2009)

Das Haus wird voll, Teresa Enke ist am zehnten Todestag ihres Mannes nicht allein. «Meine Familie kommt, Roberts Mama kommt», sagte die 43-Jährige, sie werden ans Grab von Robert Enke fahren. «Es kommen Freunde, auch aus Barcelona, die Robbi geliebt und geschätzt haben. Das ist für mich toll zu sehen, dass er so in den Herzen drin ist», sagte Enke: «Ich werde in mich gehen, aber wir werden keine Trübsal blasen. Wir werden die schönen Geschichten erzählen und nicht an den Erkrankten denken – sondern an den lustigen, tollen Freund, Papa und Ehemann.»

Am 10. November 2009 wusste Robert Enke keinen Ausweg mehr. Zehn Jahre ist es jetzt her, dass sich der ehemalige deutsche Nationaltorhüter das Leben nahm. Besiegt von einem unsichtbaren Feind: Depressionen. Das Fussballgeschäft würde nie wieder dasselbe sein – das war das Gefühl in dieser von tiefer Trauer erfüllten Nacht. Und seine Witwe glaubt fest daran, dass Enkes Tod etwas zum Guten bewegt hat. Es ist sein Vermächtnis.

«Ich glaube schon, dass Robert stolz auf mich und die Arbeit der Robert-Enke-Stiftung ist. Vor allem bei der Enttabuisierung dieser Krankheit sind wir deutlich weiter – auch wenn da natürlich noch Platz nach oben ist», sagte Enke: «Im Fussball sehe ich uns tatsächlich schon einen Tick weiter als in der Gesellschaft. Es wird drüber in den Teams gesprochen, es gibt Netzwerke.» Das Wissen von heute hätte dem Keeper von Hannover 96 damals vielleicht das Leben gerettet.

Im Versteck gefangen, statt Hilfe in Anspruch nehmen

Doch Enke versteckte sich, wagte es nicht, sich zu offenbaren. Aus Angst, als schwach zu gelten und seinen Platz zwischen den Pfosten zu verlieren. Er erfand stattdessen ein Virus als vermeintlichen Grund, warum er nicht spielen konnte.

Kurz vor seinem Tod wollte Enke, an den auf allen Fussballplätzen des Landes an diesem Wochenende mit einer Gedenkminute erinnert werden soll, dann aber doch in eine Klinik gehen. Der Termin stand schon fest, in letzter Minute machte Enke einen Rückzieher. Eine «Tragödie», sagte Teresa Enke: «Hätte er die Therapie gemacht, wäre er vielleicht wieder zurückgekommen.»

In der Öffentlichkeit wird mittlerweile offener über seelische Erkrankungen und Belastungen im Leistungssport diskutiert. Doch längst nicht alle Betroffenen sprechen offen über ihre Verletzungen an der Seele – aus Angst, Schwäche zu zeigen in einem Geschäft, in dem nur die Stärksten erfolgreich sind.

Keinen Verbesserungen erreicht

«Es ist absolut nichts besser geworden», sagte Babak Rafati der deutschen Sportnachrichtenagentur SID. Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter litt auch an Depressionen und versuchte, sich rund zwei Jahre nach Enke ebenfalls zu töten. «Der Druck wird mehr und wir schaffen es nicht, auf uns zu schauen. Wir schauen immer noch weg», sagte der 49-Jährige: «Es gibt immer mal wieder rhetorische Feuerwerke, aber man befasst sich nie richtig mit dem Thema.»

Auch Enkes Ex-Trainer Andreas Bergmann glaubt, dass in der Bundesliga «noch kein Platz für Zweifel und Ängste» ist, wie er der Sport-Bild sagte: «Wir müssen funktionieren, stark sein.» Die Fans wollen «starke und erfolgreiche Persönlichkeiten, die sich durchsetzen können, zu denen sie aufschauen können», sagte Bergmann, der Hannover damals trainierte.

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