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SUPERMOTARD: Ein Spektakel auf Asphalt, Dreck und Kies in Emmen

Emmen war am Wochenende wieder Schauplatz von nationalen Titelrennen. Heulende Motoren, imposante Bremsmanöver und Tausende von Zuschauern verwandelten den Flugplatz in das Mekka des Zentralschweizer Töffsports.
Erbitterter Kampf um die Positionen unmittelbar nach dem Start.

Erbitterter Kampf um die Positionen unmittelbar nach dem Start.

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Hangars dienen als Festwirtschaft. Dort, wo sonst Militärflugzeuge starten und landen, rasen Motorräder über die Piste. Nicht die Flugsicherung wacht über den Betrieb, vielmehr hat der Rennspeaker auf seinem mobilen Tower das Sagen. Und dann ist da die Kulisse mit Tausenden von Zuschauern, die verdeutlicht: Auf dem Flugplatz in Emmen ist an diesem Wochenende alles anders als gewohnt. Zum dritten Mal nach 2011 und 2014 gastiert hier nämlich der Supermotard-Tross zu Rennen der Schweizer Meisterschaft. Die Königsklasse heisst Prestige, und einer ihrer besten Fahrer ist Patrick Tellenbach aus Muri AG. Der 30-jährige Freiämter sitzt vor seinem Zeittraining am Samstagnachmittag entspannt auf einem Stuhl im Fahrerlager und sagt: «Der Flugplatz bietet viel Platz, der Veranstalter macht ein bisschen mehr als andere. Und dann sind da im Hintergrund die Rigi und der Pilatus – hier gefällt es mir.»

Mit dieser Meinung ist er nicht allein. Das Fahrerfeld platzt mit rund 350 Cracks aus allen Nähten. «Viele sagen: Wenn, dann fahre ich in Emmen», erzählt Felix Müri, der wieder als OK-Präsident fungiert. Dank der Beziehungen des SVP-Nationalrats aus Emmenbrücke öffneten sich viele Türen, vor allem gelang es ihm wieder den Flugplatz als Austragungsort zu gewinnen. «Das alles kostet viel Geld und wird immer teurer», erklärt er, ohne konkreter zu werden. Den Aufwand aber sei es wert: «Früher flitzten wir mit unseren frisierten Töffli über die Strassen, heute können sich die jungen Leute kaum noch austoben. Hier haben sie die Gelegenheit dazu, und das wird geschätzt», betont Müri, um sogleich festzuhalten: «Natürlich läuft alles top diszipliniert ab.» Und was hat es mit der Unterschriftensammlung für die Volksinitiative «Ja zum Verhüllungsverbot» im Festgelände auf sich? «Ein wenig begeisterter Gefallen von mir an Walter Wobmann», dem SVP-Nationalratskollegen, der auch Präsident der Föderation der Motorradfahrer Schweiz ist.

Nicht jeder meistert Herausforderung souverän

Höchste Zeit nun aber, einen Blick auf die Rennstrecke zu riskieren. Ohrenbetäubend und mit Tempi bis zu weit über 100 km/h knattern die Supermoto-Maschinen über den 2 Kilometer langen Rundkurs, der zu grossen Teilen aus Asphalt und auf einem kleinen Abschnitt aus Dreck und Kies besteht. Dieser Wechsel von Speed zu Offroad macht die Wettkämpfe zu einem echten Spektakel. Die Reifen quietschen beim Abbremsen, der eine oder andere wagt sogar einen Stoppie (Stehen auf dem Vorderrad), rutscht anschliessend in die Kurve und rumpelt weiter über das Gelände. «Es geht darum, mit Slicks die Offroadstrecke zu beherrschen und danach mit Dreck an den Pneus den Töff auf dem Asphalt zu kontrollieren», erläutert Prestigefahrer Patrick Tellenbach die Herausforderung. Den Zuschauern gefällt’s: «Die Sprünge, die Geschwindigkeit, die Kurven – das alles ist imposant», sagt Zaungast Markus Fluri aus Ennetbürgen.

Nicht jeder Teilnehmer begegnet der Aufgabe allerdings mit der nötigen Abgebrühtheit. Von den Senioren bis hinunter zu den Kids und Youngsters sind alle Altersklassen vertreten, entsprechend unterschiedlich ist das Niveau: Martin Fragnière aus Bulle beispielsweise ist auf seiner Yamaha zu bemitleiden, als er innerhalb von wenigen Runden gleich zweimal im Dreck landet. Darryl Göldi aus Pfäffikon donnert nach dem Start in die hölzerne Abschrankung, fährt kurz darauf aber weiter. Für Gelächter sorgen die Jüngsten, wenn sie mit ihrem Fuss etwas gar forsch auf die Gangschaltung treten oder mit viel Rücklage vom Boden abheben.

«Typisch, er würde ewig seine Runden drehen»

Wer es etwas ruhiger angehen möchte, begibt sich mit seinem Nachwuchs auf die Kindercross-Strecke. Dorthin also, wo der künftige Supermoto-Champion auf kleinen Motocrossmaschinen und Mini-Quads erste Runden drehen kann. «Die Bremse ist hier, das Gas hier. Langsam fahren und nach vorne schauen», lautet die Instruktion, dann geht es los. «Mami, ich will nochmals», sagt ein kleiner Blondschopf quengelig, kaum ist er abgestiegen. Ein anderer, der zehnjährige Aurelio, will gar nicht mehr aufhören. «Typisch, er würde ewig seine Runden drehen», ruft seine Grossmutter und tröstet gleichzeitig ihren zweiten Enkel, den sechsjährigen Giuliano, der dafür noch zu klein ist: «Du kriegst den Fünfliber dafür als Sackgeld.»

Einige Meter weiter lässt die kleine Ausstellung mit Oldtimern das Herz der älteren Semester höherschlagen. Bis zu 80 Jahre alt sind die Motorräder, die von Liebhabern gehegt und gepflegt werden. «Keine Elektronik, dafür noch eine Mechanik und Motorenteile, die man versteht und selber reparieren kann», das mache den Unterschied zu heute aus, sagt der Rotkreuzer Hampi Stoffel, der den Stand organisiert. Am 12. und 13. August kann man die Oldtimer am Bergrennen von Küssnacht auf die Seebodenalp im Wettkampfmodus sehen. Das nächste Zentralschweizer Highlight der Motorradszene lässt also nicht lange auf sich warten.

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