Swiss Central Basketball steigt freiwillig in die NLB ab – Trainer Eric hört auf

Anhaltende Finanzprobleme und zu wenig Spieler: Swiss Central Basketball zieht sich in die zweithöchste Liga zurück. Auf der Trainerposition kommt es zudem zu einem Wechsel.

Daniel Schriber
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Die abgebrochene Saison 2019/20 war für Swiss Central keine einfache. In 20 absolvierten Partien verliessen die Zentralschweizer die Halle nur gerade zweimal als Sieger. Mal hatte der Verein Verletzungssorgen, dann wieder entschied ein einziger Korb über Sieg oder Niederlage – und manchmal waren die Gegner aus der Romandie und dem Tessin schlicht und einfach besser. Obwohl SCB klar am Tabellenende stand, gab es für die Vereinsführung zumindest aus sportlicher Sicht keinen Grund, beunruhigt zu sein: Einen Absteiger sah der Verband nämlich (auch) dieses Jahr nicht vor. Trotzdem ist dieser nun Tatsache. Swiss Central steigt in die NLB ab. Freiwillig, vom Vorstand einstimmig beschlossen. Und das ausgerechnet im Jahr des zehnjährigen Vereinsbestehens.

Grund 1: Die Finanzen

Der Entscheid kommt nicht ganz überraschend: In den vergangenen Jahren stand die NLA-Zukunft von Swiss Central mehrmals auf der Kippe. Die Ursachen dafür waren und sind dieselben: Einerseits kämpft SCB wie andere lokale Vereine um jeden Franken, andererseits war die sportliche Leitung stets darum bemüht, mit bescheidenen Mitteln ein wettbewerbsfähiges Kader zusammenzustellen. Dank der Unterstützung durch Stiftungen und einigen regionalen KMU schaffte es der Verein in den vergangenen Jahren zwar immer irgendwie, das nötige Minimalbudget zu erreichen und sich nie zu verschulden – «die Mittelbeschaffung war für uns jedoch stets eine grosse Belastung», erklärt der abtretende SCB-Präsident Noldi Huber (siehe letzter Abschnitt).

SCB-Präsident Noldi Huber.

SCB-Präsident Noldi Huber.

PD

Grund 2: Die Abgänge

Nebst den finanziellen Sorgen kam dieses Jahr eine weitere Komponente hinzu: Im Hinblick auf die kommende Saison verlässt gleich eine Handvoll junger Talente den Verein. Die Zwillinge Mirza und Mirnes Ganic (19) sowie Harry Leucio (19) versuchen ihr Glück an einem College in den USA, Noah Früh (20) zieht es nach Kanada. Zudem plant der 20-jährige Laurent Zoccoletti, der sich in den vergangenen beiden Saisons zu einem Schlüsselspieler entwickelte, einen Sprach- und Basketballaufenthalt in der Romandie. In einer Liga, in der fähige Schweizer Spieler rar und deshalb besonders gefragt sind, dürfte es für Zoccoletti ein Leichtes werden, einen Klub ennet des Röstigrabens zu finden. Dass SCB-Talente irgendwann weiterziehen, ist nichts Neues. «Das gehört zum Schicksal eines Ausbildungsvereins», weiss Noldi Huber. Wenn die Abwanderungen aber gleich in dieser Konzentration stattfinden, stellt dies den Verein vor erhebliche Schwierigkeiten.

Einer der Abgänge: Luzerner Harry Leucio wechselt nach Nordamerika.

Einer der Abgänge: Luzerner Harry Leucio wechselt nach Nordamerika.

Pius Amrein (Luzern, 10. Januar 2020)

Noldi Huber macht denn auch kein Geheimnis daraus, dass die Spielerverluste schmerzen. Kein Wunder: Wie kein anderes Team in der Schweiz setzte Swiss Central in den vergangenen Jahren auf seine Eigengewächse. «Dieser Nachwuchsstrategie wollten wir auch in der neuen NLA-Saison treu bleiben.» Nun kommt sie eine Liga tiefer zum Zug. Denn: «Um diese Abgänge für ein konkurrenzfähiges NLA-Team zu kompensieren, bräuchte es ein zwei- bis sechsfaches Budget, wie dies bei den andern NLA-Vereinen vorhanden ist», spricht Huber Klartext.

«Ein professionelles Team zusammenzukaufen, entspricht aber weder der Ideologie von SCB noch einer realistischen Einschätzung von potenziellen Investoren im aktuellen Basketballsport der Zentralschweiz.»

Noldi Huber weigert sich, im Zusammenhang mit dem freiwilligen Abstieg von einem Misserfolg zu sprechen. «Wir haben hier in den vergangenen Jahren etwas aufgebaut», betont er. Zeichen dafür seien konstante, respektable Zuschauerzahlen bei den Heimspielen sowie eine Zunahme der Minis und Junioren in den Stammvereinen der Region. «Mittlerweile spielt Swiss Central bereits seit zehn Jahren auf nationaler Bühne – das gab es in der Zentralschweiz lange nicht mehr.» In der Tat: Mit Ausnahme der Starwings Regio Basel, die sich seit mittlerweile 15 Jahren in der NLA behaupten, ist es in den vergangenen 20 Jahren keinem Deutschschweizer Team gelungen, länger als drei Jahre in der NLA zu bestehen.

Versuchen ihr Glück an einem College in den USA: Die Zwillinge Mirnes (links) und Mirza Ganic.

Versuchen ihr Glück an einem College in den USA: Die Zwillinge Mirnes (links) und Mirza Ganic.

Nadia Schärli (Luzern, 25. Januar 2018)

Für Noldi Huber ist klar: «Wir machen bewusst einen Schritt zurück, um langfristig stärker zu werden.» Der Vorstand von Swiss Central werde auch in Zukunft alles dafür tun, damit das regionale Basketballprojekt weiter wachsen und stärker werden kann – «und das unabhängig von der Ligazugehörigkeit».

Orlando Bär ersetzt Danijel Eric

Orlando Bär (links) übernimmt von Danijel Eric.

Orlando Bär (links) übernimmt von Danijel Eric.

Der Rückzug in die NLB ist nicht die einzige Veränderung, die auf Swiss Central zukommt. Nach fünf Jahren hat sich Danijel Eric dazu entschieden, sein Amt als Cheftrainer abzugeben. Neu übernimmt Orlando Bär die Leitung des zukünftigen NLB-Teams. Der 29-Jährige ist fest in der Zentralschweizer Basketballszene verankert. Er verfügt über langjährige Coaching-Erfahrung im Nachwuchs sowie auf 1.-Liga-Niveau und amtete vergangene Saison als Assistent von Danijel Eric. Diesen Sommer hätte Bär zudem die Schweizer U-18-Nationalmannschaft – wie schon im Vorjahr – als Assistenztrainer an die Europameisterschaften begleitet. Nebst seinen Trainer-Tätigkeiten amtete Bär mehrere Jahre als Präsident des SCB-Stammvereins Kriens. Diverse Wechsel gibt es auch im Vorstand von Swiss Central Basketball. So wird an der kommenden GV im Juni unter anderem der langjährige Präsident und Vereinsgründer Noldi Huber sein Amt definitiv abgeben. Nach 10 Jahren bei SCB – davon acht als Präsident – möchte sich der 75-Jährige fortan vermehrt seinen privaten Interessen widmen. Die Suche nach einem Nachfolger läuft.

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