SWISS CITY MARATHON: Trotzreaktion: Nächstes Mal erst recht

Teilnehmerrekord und über 9500 Finisher: Regen und Wind vermochten der siebten Auflage des Luzerner Marathons keinen Abbruch zu tun. Je struber, desto näher rückt die Läufergilde zusammen.

Roland Bucher
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Für diejenigen, die das Glas lieber halb voll sehen: Zum Glück hat es in diesem Jahr nicht geschneit, sondern nur wie aus Kübeln geregnet. (Bild Roger Grütter)

Für diejenigen, die das Glas lieber halb voll sehen: Zum Glück hat es in diesem Jahr nicht geschneit, sondern nur wie aus Kübeln geregnet. (Bild Roger Grütter)

Wenn Petrus Krise schiebt, dann, behauptet die «Glas-halb-leer»-Allianz, ist Marathontag in Luzern. Zugegeben, der Mann, der das Wetter dirigiert, verbiss sich nach dem letztjährigen Schneegestöber gestern in den genauso ekligen Landregen. Aber wissen Sie was: Wer 21,1 oder gar 42,2 Marathon-Kilometer hartgesotten abspult, der lässt sich von ein paar vorwitzig-lästigen Schauern nicht ins Bockshorn jagen. Lassen wir zum Beispiel Massimo Roncaglia erzählen, den Angereisten aus dem italienischen Vicenza, wo man sich – meteorologisch – schon fast mediteranen Freuden rühmt. Roncaglia, der fast jedes Wochenende marathont und auch gestern mit 2:57 Stunden eine sehr achtbare Zeit ablieferte, schwärmt: «Luzern könnte im Regen ersticken, es bliebe die schönste Stadt der Welt.» Der braungebrannte, zähgliedrige Mann hat nicht nur sein Herz, sondern auch seine Schwester Miriam an Luzern verloren: Die verliebte sich in den Geschäftsmann Herbert Sterchi, der – «wer will schon hinten anstehen ...» – selber auch den Halbmarathon absolvierte und explizit betont haben möchte: «Schreiben Sie, dass dieses OK seine Arbeit sensationell gut verrichtet. Das muss einfach mal gesagt sein.»

Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ
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Leiden für guten Zweck

Der Marathon von Luzern, um nicht in den unverbindlicheren Swiss-City- Marathon-Neustempel abzudriften, rapportiert viele Geschichten. Zum Beispiel jene der Desperate Housewives. Diese Luzerner Frauen-Neunerbande wirbt für Spendengelder für gemeinnützige Projekte, in den letzten sechs Jahren sind schon 150 000 Franken zusammengekommen. Diesmal werden die neun tatkräftigen, starken Frauen ein Schulhaus-Projekt am Lake Victoria in Kenia finanzieren. Die Geschichte in der Geschichte: Michelle, seit 13 Jahren die Ehefrau des Luzerners Markus Fischler, stammt aus jener Region. «Irgend einmal», erzählt Mitinitiantin Claudia Krebser, «haben wir uns gesagt: Wenn schon leiden, dann für einen guten Zweck.» Das Neunerpack lief, fast geschlossen, in guten 2:20 Stunden ins Halbmarathon-Ziel.

Hansruedi Schorno, der rührig-souveräne OK-Präsident, lächelte auf den Stockzähnen: «Wenn ein Finisher ins Ziel läuft, dir die Hand drückt, sich bedankt und sagt: ‹Tschüss, bis zum nächsten Mal!›, dann ist dies eine Begegnung, die jedes Mal wieder unter die Haut geht.»

Ein Hammertag im Vergleich ...

Schorno hatte früh Tagwache, war um 4 Uhr schon auf den Beinen, studierte Wetterradar: «Als es kurz nach sieben zu regnen begann, war das im ersten Moment eher ärgerlich.» Aber dann habe er sich an letztes Jahr erinnert, als die Flocken wirbelten, und die Sorgen waren verdrängt. Man könne sogar behaupten, dass es im Vergleich zu 2012 ein Hammertag gewesen sei ... Was nach «Glas-halb-voll»-Zweckeuphorie tönt, aber statistisch stilfest unterlegt ist: «Die Polizei hat ein Zuschauervolumen von rund 40 000 hochgerechnet», verriet Hansruedi Schorno, «und – und das ist einfach fantastisch.» Apropos Statistik: In dieser habe ich mich gestern auch ein bisschen geübt. Mein Zählwerk: 46 von 100 ins Ziel Gerannten oder Gestolperten verliessen diese Zone zumindest leicht humpelnd oder sogar mit einem erheblichen Abknickser im Laufverhalten. «19 Kilometer lang ging alles gut», resümierte der Luzerner Psychiater Thilo Abel, «dann kamen die argen Muskelschmerzen.» Der Mann biss auf die Zähne, trabte konsequent in den Finishersektor. 1:44,14 stempelte die Uhr für seinen Halbmarathon, eine vorzügliche Zeit für den 52-jährigen Mann, der ansonsten sich nur hie und da im Bireggwald fit hält und sich das erste Mal über diese Distanz wagte.

Das nächste Mal – wers glaubt ...

Der Anlass, betonte Regierungsrat Reto Wyss, sei eine unerhört wichtige Imagewerbung für unsere Region: «Es war», sagt er, der im Parlamentarierrennen mitlief, «einfach schön». Wie zum Beispiel auch die Trouvaillen am Strassenrand, die Bands, welche Stimmung machten, anspornten, den Fans zum kleinen Zwischenhalt luden. Als Beispiel die A-Klang-and-Friends, die Saxofon-Truppe des FC-Kickers-Fussballpräsidenten Renato Amado: «Wir sind immer dabei. Und wer vorbei schaut, der darf sich auf ein Raclette freuen.» Freude herrschte am Schluss auch bei Rennarzt Dr. Franz Michel, der bei zwei Kollapsfällen Entwarnung geben durfte: «Dass alle heil nach Hause kommen», bedankte sich Hansruedi Schorno, «das ist das Wichtigste.»

Spät zur Zeit, eine Viertelstunde vor der Hupe des Besenwagens, habe ich im Ziel die Letztankömmlinge beklatscht. Hut ab. Beim Rückweg dem Quai entlang war die Sonne wieder mein Freund. Leicht träbelnd habe ich mir geschworen: Nächstes Jahr bist du endlich auch das erste Mal in diesem glücklichen Finisher-Pulk. Wers glaubt ...